Enttäuschte DEB-Profis: "Sollte ein bisschen wehtun"

Deutschland gegen Tschechien: Bundestrainer Toni Söderholm auf der Bank

WM-Bilanz der deutschen Mannschaft

Enttäuschte DEB-Profis: "Sollte ein bisschen wehtun"

Aus im Viertelfinale: Die Enttäuschung ist groß bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Insgesamt gab es aber viele positive Aspekte bei dieser Weltmeisterschaft.

Yannic Seidenberg war der Frust nach der 1:5-Niederlage gegen Tschechien deutlich anzumerken. "Wir wollten den nächsten Schritt gehen. Das haben wir nicht geschafft. Jetzt sind wir enttäuscht", sagte der Eishockey-Profi aus München. Vielen seiner Teamkameraden erging es ähnlich.

"Dass alle so enttäuscht sind, zeigt, wie dicht wir dran waren", sagte Kapitän Moritz Müller. Gegen die Eishockey-Nation Tschechien wollte die deutsche Mannschaft nach dem bis dato so gut verlaufenen Turnier den nächsten Paukenschlag ertönen lassen. Daraus wurde nichts.

Söderholm: "Sollte ein bisschen wehtun"

Nach Ansicht von Bundestrainer Toni Söderholm brauchen seine Schützlinge nun ein paar Tage, um das verpasste Halbfinale zu verarbeiten. "Die Jungs haben es als eine verpasste Möglichkeit gesehen. Deswegen glaube ich, dass es für die Spieler ein bisschen schmerzhaft sein wird. Es sollte auch ein bisschen wehtun, damit sie motiviert sind für die Zukunft", sagte Söderholm, der die deutsche Mannschaft erstmals bei einem großen Turnier betreute.

Söderholms Team hatte einen blendenden Start in diese WM hingelegt. Die Pflichtaufgaben gegen Großbritannien, Dänemark und Frankreich erledigte Deutschland souverän. Zeitweise führte die DEB-Auswahl die Gruppe A an - wann hatte es das schon mal gegeben?

Nationalmannschaft mit Zukunft

Sportschau 24.05.2019 02:04 Min. ARD Von WDR-Reporter Alexander Lorenz

Beste Vorrunde bei einer WM

Es folgte ein erster Höhepunkt mit dem spektakulären Last-Minute-Sieg durch das Siegtor von NHL-Star Leon Draisaitl gegen Gastgeber Slowakei. Den 1:8-"Downer" gegen die übermächtigen Kanadier steckten die Deutschen gut weg. Gegen die USA zeigte sich Söderholms Team trotz der knappen Niederlage gut erholt und krönte die Vorrunde mit einem Sieg gegen die hocheingeschätzten Finnen, die allerdings schon für das Viertelfinale qualifiziert waren.

Mit fünf Siegen, zwei Niederlagen und einem hervorragenden Gruppenplatz drei ging es in die K.o.-Phase. Es war die beste Vorrunde einer deutschen Mannschaft bisher bei einer WM. In der Weltrangliste verbesserte sich die DEB-Auswahl damit vom achten auf den siebten Platz.

Klar, dass damit auch die Erwartungen nach oben schnellten. "Wir haben mittlerweile in Deutschland den Anspruch, dass wir gegen die Großen mitspielen können, und auch die Großen schlagen können", sagte NHL-Profi Korbian Holzer. In der Vorrunde klappte es, im Viertelfinale nicht.

Mehr Struktur und Aggressivität für die Offensive

Dennoch zeigte sich Söderholm zufrieden. "Ich bin unheimlich stolz auf die Spieler. Mein Gefühl ist, dass wir eine ziemlich gute Spur gefunden haben: Wir haben einen ersten Grundstein gelegt. Wie sich die Jungs über die zwei Wochen noch entwickeln können, hat mich überzeugt", sagte Söderholm.

Wenn es etwas zu verbessern gebe, dann sei es das Angriffsspiel, meinte der Bundestrainer. "Ich glaube, wenn man das ganze Turnier anschaut, ist das offensive Spiel ein Teil, den wir verbessern müssen. Von der Struktur her und auch von der Aggressivität. Wir haben nicht so viele Schüsse aufs Tor gehabt in mehreren Spielen."

Der Blick geht nun nach vorn, Fernziel sind die Olympischen Spiele 2022 in Peking, wo die Deutschen eine ähnlich gute Rolle spielen wollen wie zuletzt in Pyeongchang. Mit der jungen Mannschaft, die in der Slowakei überzeugte und wichtige Erfahrungen sammelte, scheint das möglich. Trainer Söderholm hat nach seiner WM-Premiere mit Deutschland jedenfalls Lust auf mehr: "Es war eine absolut überragende Zeit. Es ist mir eine Ehre, mit diesen Spielern arbeiten zu dürfen. Es hat echt Spaß gemacht."

mick/dpa | Stand: 24.05.2019, 08:30

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