Eishockey-WM - Deutschland vor der Kür

Turnier in der Slowakei

Eishockey-WM - Deutschland vor der Kür

Das deutsche Eishockey-Team hat einen Platz im WM-Viertelfinale der WM so gut wie sicher. Jetzt folgt gegen die Großen der Branche die Kür. Von einer neuerlichen Sensation wie 2018 in Pyeongchang will aber noch niemand reden.

Als Moritz Seider im dritten Drittel nach einem brutalen Check von hinten gegen die Bande aufs Eis sackte und dort benommen liegen blieb, sah es nicht gut aus für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Bei der WM in der Slowakei lag sie mit 1:2 gegen den Gastgeber zurück, einer der besten Verteidiger musste raus, und es blieben nur noch wenige Minuten zu spielen.

Doch mit Moral, Willen und Nervenstärke drehte das Team binnen 85 Sekunden den Rückstand und siegte am Ende verdient mit 3:2 (0:0, 1:2, 2:0). "Wenn die Jungs so zurückkämpfen und am Ende so Power geben, kann man die Jungs nur loben. Das war echt stark", sagte Trainer Toni Söderholm.

Viertelfinale so gut wie sicher

Nach dem besten WM-Start seit 89 Jahren haben Leon Draisaitl und Co. das Viertelfinale ganz dicht vor Augen. Nach vier Spieltagen liegen die Deutschen in der Gruppe A mit zwölf Punkten an der Tabellenspitze.

Es ist eine Momentaufnahme. Denn mit Kanada, den USA und Finnland hat das DEB-Team jetzt die Großen der Branche vor der Brust. Und dennoch konnte man mit Platz eins nach vier Spielen nicht rechnen. Der Erfolg gegen Großbritannien war ein Pflichtsieg, doch mit Frankreich und Dänemark besiegte Deutschland zwei Gegner auf Augenhöhe. Der Erfolg gegen Gastgeber Slowakei ist jetzt ein echtes Ausrufezeichen.  

Söderholm: "Man kann die Jungs nur loben"

Sportschau 16.05.2019 02:18 Min. ARD Von ARD- Reporter Burkhard Hupe

Die Mannschaft von Söderholm ist nur noch theoretisch von einem der ersten vier Plätze zu verdrängen, die zur Teilnahme an der K.o.-Runde berechtigen. So kann die Slowakei wegen des direkten Vergleichs selbst mit drei Siegen nicht mehr vorbeiziehen. Dass Frankreich und Dänemark ihre restlichen vier Partien gewinnen und die Deutschen keinen Punkt mehr holen, scheint ausgeschlossen.

Ziel ist schon erreicht

Matchwinner war Draisaitl, der kurz vor Schluss mit einer schönen Einzelleitung den Siegtreffer markierte. Was bemerkenswert ist, denn die Slowaken hatten dem NHL-Star das Leben bis dahin sehr schwer gemacht. "Ich habe in dem ganzen Spiel nichts wirklich Gutes hinbekommen. Da habe ich gedacht: Eine gute Aktion muss ich noch zustande bringen", sagte Draisaitl.  

Wenn man so will, dann folgt jetzt die Kür bei der WM. Denn das Ziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022, ist mit Platz acht so gut wie sicher erreicht. Deutschland kann selbstbewusst und ohne Druck aufspielen, ist sich der Schwere der Aufgabe jedoch bewusst. "Vier Siege sind schön, aber das Turnier ist noch nicht zu Ende. Nur an einem Sahnetag können wir auch die Großen schlagen", warnte Yannic Seidenberg. Das fordert auch DEB-Präsident Franz Reindl. "Jeder Punkt muss her", sagte er, freute sich jedoch vor allem. "Das kann man gar nicht hoch genug bewerten. Das wir das jetzt schon erreicht haben, ist einfach nur super", sagte Reindl.

Söderholm bleibt vorsichtig

Und was ist jetzt noch drin? In den restlichen drei Spielen ist Deutschland jeweils Außenseiter. Doch als Underdog holte das Team im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang sensationell Silber und besiegte unter anderem Schweden und Kanada.

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"Ich würde sagen, zum Glück haben wir ein paar Tage frei, so dass wir den Erfolg genießen können und dann wieder zurück auf den Boden kommen", sagte Söderholm. Und zu einer neuerlichen Sensation meinte er:  "Im Sport generell ist vieles möglich. Ich würde noch nicht so weit gehen. Ich glaube schon, dass vor uns noch ein paar Hürden stehen." Es sei "zu früh" von einer Medaille zu reden.

Seider geht es besser

Moritz Seider geht es nach dem üblen Foul an ihm wieder besser. Der 18 Jahre alte Verteidiger sei "aktuell okay", er werde noch "einmal eingehend untersucht", teilte der Deutsche Eishockey-Bund mit.

vdv/sid/dpa | Stand: 16.05.2019, 09:05

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