Toni Söderholm - der Finne aus der dritten Liga

Toni Söderholm

Neuer Eishockey-Bundestrainer

Toni Söderholm - der Finne aus der dritten Liga

Der neue Eishockey-Bundestrainer heißt Toni Söderholm, ist Finne und coachte zuletzt den Drittligisten SC Riessersee. Wer ist dieser Mann?

Es gibt Menschen, die hinterlassen irgendwie Eindruck. Toni Söderholm ist offenbar so einer. Im Sommer 2015 kam er zum EHC München, weil der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga noch einen guten Verteidiger suchte. Der Finne brachte es in 64 Saisonspielen auf acht Treffer und 24 Vorlagen, zeigte ein gutes Aufbauspiel, harte Schüsse von der blauen Linie und war ein Experte im Unterzahlspiel. Am Ende der Spielzeit wurden die Münchner Meister und Söderholm beendete nach nur einem Jahr mit damals 38 Jahren seine Karriere.

Doch auch neben dem Eis muss er die Klub-Verantwortlichen überzeugt haben. Denn die ließen ihn nicht etwa zurück nach Finnland, sondern machten ihn gleich danach zum Development Coach. Als solcher arbeitete er mit den jungen Spielern des Meisters, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern und zu Stammspielern zu machen. In der EHC-Organisation ist Söderholm hoch geschätzt, er gilt als hervorragender Spieler-Entwickler mit reichlich Fachwissen und war in der Saison 2016/17 auch Co-Trainer unter Meister-Coach Don Jackson.

"Trainer des Jahres" in der DEL2

Danach ging es zum SC Riessersee in die DEL2. Der Traditionsklub und die Münchner haben eine Kooperation und Söderholm sollte weiter Erfahrung als Trainer sammeln. Denn der Finne sollte, so der Plan, als Nachfolger von Jackson aufgebaut werden. Da wird nichts draus. Stattdessen wird Söderholm neuer Eishockey-Bundestrainer und Nachfolger von Marco Sturm. Das ist vom Deutschen Eishockey-Bund zwar noch nicht bestätigt, doch der Verband hat am Donnerstag (20.12.2018) zur Pressekonferenz geladen.

Den SC Riessersee führte der heute 40-Jährige in der Vorsaison zur Hauptrunden-Meisterschaft in der zweiten Liga und gegen Bietigheim ins Play-off-Finale. Dafür wurde er als "Trainer des Jahres" in der DEL2 ausgezeichnet. Obwohl sich der Verein aus finanziellen Gründen in die Oberliga zurückzog, blieb Söderholm. Auch einige Erstligisten sollen an seinen Diensten interessiert gewesen sein.

Umbruch bewerkstelligen

Sturm hatte das Team bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang zur Silbermedaille geführt. Im November hatte er den DEB  verlassen, um in der nordamerikanischen NHL Co-Trainer der Los Angeles Kings zu werden.

Der Finne, der sehr gut deutsch spricht, soll jetzt den schwierigen Umbruch bewerkstelligen. Die Stammspieler Christian Ehrhoff, Patrick Reimer und Marcel Goc haben ihre Karriere beendet. Dennoch soll bei der WM im Mai 2019 in der Slowakei mit einem verjüngten Team die direkte Olympia-Qualifikation für Peking 2022 gelingen. Dafür müsste das Team bei der WM auf Platz acht landen.

Vizeweltmeister 2007

Den größten Teil seiner Karriere verbrachte Söderholm beim finnischen Erstligisten IFK Helsinki, spielte aber auch in Bern und Frölunda, bevor er nach München kam. Für Finnland stand er bei den Weltmeisterschaften 2004, 2005 und 2007 auf dem Eis. Bei der WM 2007 gewann er mit seiner Mannschaft die Silbermedaille.

Ehrhoff wohl mit im Boot

Da Söderholm in der deutschen Öffentlichkeit noch relativ unbekannt ist, stellt der DEB ihm wohl Ehrhoff zur Seite. Der 36-Jährige könnte als Gesicht des deutschen Eishockeys vor allem repräsentativ eine wichtige Rolle spielen. Ob als Generalmanager oder in anderer Funktion, ist noch unklar.

Das ist nämlich nicht die Sache des eher zurückhaltenden Söderholm. Olympia-Kapitän Marcel Goc sagt über ihn: "Ich denke, er ist keiner, der groß Tamtam um sich macht, aber alle, die man fragt, sind sehr begeistert."

dpa / vdv | Stand: 19.12.2018, 13:30

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