DEL - Außenseiter Augsburg hat einen Lauf

Jubel bei den Augsburger Panthern

Play-off-Halbfinale

DEL - Außenseiter Augsburg hat einen Lauf

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) liegen die Augsburger Panther in der Play-off-Halbfinalserie gegen Titelverteidiger München überraschend in Führung. Der Erfolg des krassen Außenseiters hat viele Gründe.

Nationalspieler Yasin Ehliz ist ins Grübeln geraten. "Wir können uns eigentlich nichts vorwerfen", sagt er: "Ich wüsste wirklich nicht, was wir verändern sollten." Mit 1:2 liegt er mit dem EHC München in der Play-off-Halbfinalserie der DEL gegen die Augsburger Panther hinten. Noch ist nichts verloren, zum Einzug ins Finale sind vier Siege nötig. Und doch: "Für München ist es was Neues", sagt Ehliz. Nach drei Spielen in einer Play-off-Serie in Rückstand lagen die Münchner zuletzt vor vier Jahren - und schieden damals im Viertelfinale aus. Danach gewannen sie zehn Serien in Folge und drei Meistertitel und galten eigentlich als unbezwingbar in den K.o.-Runden.

Dann kam Augsburg. Die Panther waren schon in der Hauptrunde die Überraschung der Liga und spielten mit Rang drei ihre beste DEL-Saison aller Zeiten. Dann warfen sie im Viertelfinale die Düsseldorfer EG aus dem Play-off-Rennen und zogen zum ersten Mal seit 2010 in die Runde der letzten vier Teams ein. Gegen München haben sie nun überhaupt nichts zu verlieren und können völlig unbekümmert aufspielen.

Später Jubel: Augsburg übernimmt Führung gegen München Sportschau 07.04.2019 03:02 Min. Verfügbar bis 14.04.2020 Das Erste

Defensive verstärkt, White startet durch

Mit dieser Leistungsexplosion konnte dennoch kaum jemand rechnen in Augsburg, zumal die Truppe die vorige Saison noch auf dem enttäuschenden zwölften Platz und damit außerhalb der Play-off-Ränge beendet hatte. Doch die Arbeit von Trainer Mike Stewart und Sportdirektor Duanne Moeser zahlt sich aus. Das Duo verstärkte das Team vor allem in der Defensive, andere Spieler schafften den Durchbruch. So zum Beispiel Torjäger Matthew White, der eine herausragende Runde spielt.

Der dreimalige deutsche Meister Christoph Ullmann brachte aus Mannheim viel Erfahrung mit, Drew Leblanc überragte als Taktgeber in der Offensive. In der Abwehr startete Simon Sezemsky neben den Haudegen Braden Lamb und Kapitän Steffen Tölzer durch. Und anders als in vorigen Jahren blieben die lauffreudigen Panther von Verletzungen verschont.

EHC München siegt nach Kraftakt gegen Augsburger Panther Morgenmagazin 04.04.2019 00:36 Min. Verfügbar bis 04.04.2020 Das Erste

"Da kann kommen, wer mag"

Schon vor dem Start der Play-offs war das Selbstvertrauen riesig. "Wir sind gut gerüstet, da kann kommen, wer mag", hatte Shootingstar Sezemsky schon vor dem ersten Bully gesagt. Auch die knappe Niederlage im ersten Spiel in München nach 101:12 Minuten in der dritten Verlängerung konnte die Augsburger nicht umhauen. "Wir haben Selbstvertrauen, wir haben Energie, uns fehlt es an nix und wir wissen, dass wir München schlagen können", sagte Verteidiger Henry Haase: "Wenn die erst mal in unseren Hexenkessel kommen, brennen wir die Hütte ab."

Da behielt er Recht. Im ersten Heimspiel drehte Augsburg den Spieß um, gewann knapp mit 4:3 und legte dann anschließend sogar in München nach. Mit einem weiteren Heimsieg könnten die Panther am Mittwoch (10.04.2019) auf 3:1 davonziehen und die Münchner so richtig unter Druck setzen. Längst ist ganz Augsburg im Eishockey-Fieber. Mit 5.481 Zuschauern im Schnitt strömten so viele Anhänger ins Curt-Frenzel-Stadion wie noch nie. Das Spiel gegen den EHC ist natürlich ausverkauft.

Roy wächst über sich hinaus

Das größte Münchner Problem heißt Olivier Roy. Der Augsburger Torwart wehrte beim Sieg in Spiel zwei 70 Schüsse ab. Damit übertraf sich der 27-Jährige, der die Vorsaison noch in der zweiten Liga in Crimmitschau begonnen hatte, selbst - nach 89 Paraden in den ersten beiden Spielen. Seine Fangquote in drei Halbfinalspielen: sensationelle 96,4 Prozent.

Die Kräfte scheinen den Augsburgern jedenfalls nicht auszugehen. "Wir haben zwar in drei Spielen ungefähr schon 14 Drittel gespielt, aber wir sind fit", sagt Trainer Stewart. Torhüter Roy habe ihm gesagt: "Ich hätte noch zwei Drittel spielen können." Wie die Mannschaft zudem den Ausfall Ullmanns weggesteckt hat, ist bemerkenswert. Der frühere Nationalstürmer hatte sich im letzten Viertelfinalspiel gegen die Düsseldorfer EG verletzt.

"Bedingungsloser Einsatz"

Hauptgesellschafter Lothar Sigl erklärt den Höhenflug des Außenseiters in der "Augsburger Allgemeinen" so: "Bei unserer Mannschaft sehe ich von hinten bis vorne einen bedingungslosen Einsatz. Jeder wirft sich in jeden Schuss und jeder läuft jeden Meter für den anderen." Und wenn dann noch ein "unglaublicher Torhüter Olivier Roy" hinzukommt, dann sind solche Leistungen möglich.

"München ist für mich nach wie vor der Favorit", sagt der Panther-Boss dennoch. Und auch EHC-Trainer Don Jackson bleibt gelassen. "Keine Panik", sagt er. Sein Stürmer Yasin Ehliz klingt dennoch fast schon ein wenig verzweifelt. Vor allem mit Blick auf den Augsburger Torwart Roy. "Wir müssen weiter schießen, schießen, schießen", sagt Ehliz, "vielleicht lässt er irgendwann mal einen durch."

red/vdv/sid/dpa | Stand: 09.04.2019, 11:35

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