DEL - Mannheims Gross ist fast am Ziel

Mannheims Trainer Pavel Gross

Finalserie gegen München

DEL - Mannheims Gross ist fast am Ziel

Von Frank van der Velden

Pavel Gross steht mit Mannheim vor seinem ersten Titel als Eishockey-Trainer. Gegen München fehlt in der Endspielserie nur noch ein Sieg.

Mannheims Trainer Pavel Gross hatte seine kritische und emotionslose Miene aufgezogen und trat fest auf die Euphoriebremse. Sein Team hatte gerade im vierten Spiel der Playoff-Finalserie in der Deutschen Eishockey Liga klar mit 4:0 in München gewonnen und sich den ersten von drei Matchbällen erarbeitet, doch der 50 Jahre alte Tscheche sagte nur: "Es war wieder nur ein Spiel mehr, es geht weiter."

Und dann warnte er seine Spieler trotz einer scheinbar beruhigenden 3:1-Führung im DEL-Finale eindringlich vor dem Serienmeister. "Ich sage ihnen immer wieder: Das nächste Spiel wird noch schwerer." Am Freitag (26.04.2019) können die Adler daheim alles klar machen.

"Er geht die Extrameile"

Nach seinem Wechsel von den Grizzlys Wolfsburg hat Gross Mannheim schon in seinem ersten Jahr ins Finale geführt. Für die Adler ist es die erste Endspielserie seit 2015, und Gross gilt als Garant des Erfolges. "Er geht absolut die Extrameile für den Klub. Das ist es, was uns in diesem Jahr die Stärke gibt", schwärmte Geschäftsführer Daniel Hopp und hob die Mentalität des Trainers hervor: "Er arbeitet mit einer großen Akribie, mit sehr viel Disziplin, mit einer großen Konsequenz und ist hinter jedem Detail her."

Die Mannheimer treten in dieser Saison enorm dominant auf. Nach dem Punkterekord in der Hauptrunde setzte sich das Team im Viertelfinale mit 4:1 gegen Nürnberg durch, im Halbfinale gab es gegen Köln sogar ein 4:0.

Mannheim gewinnt in München

Sportschau 24.04.2019 00:52 Min. Verfügbar bis 24.04.2020 ARD Von Khalil Taufig

Großer Erfolg in Wolfsburg

Schon zu Wolfsburger Zeiten genoss Gross einen exzellenten Ruf. In neun Jahren als Cheftrainer führte er die Niedersachsen dreimal ins Finale. Kein anderes Team spielte über die Jahre dermaßen konstant und auf hohem Niveau - und das mit recht bescheidenen finanziellen Mitteln. "Seine Handschrift und die Philosophie unseres Klubs passen perfekt zusammen", hat Wolfsburgs Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf mal über Gross gesagt.

Mit Mannheim schon als Spieler Meister

Den Titel gewann dieser dort jedoch nie. Wohl auch deshalb wechselte er nach Mannheim, zu jenem Klub, mit dem er als Spieler dreimal in Serie Meister geworden war. Die ambitionierten und finanzstarken Adler, die in Sachen Titel zuletzt dreimal in Folge dem Finalgegner aus München den Vortritt lassen mussten, und der akribische Gross - das passt auch. Wie sehr der Ex-Profi den Wolfsburgern fehlt, zeigt die aktuelle Saison. Denn bei den Grizzlys ging es ohne ihn drunter und drüber. In der Hauptrunde reichte es nur zu Platz zwölf, sein Nachfolger Pekka Tirkkonen musste schon nach 13 Spielen gehen, auch dessen Nachfolger Hans Kossmann ist schon wieder weg.

Wortkarg, manchmal grantig

Taktikfuchs Gross ist ein eigenwilliger Typ. Er ist wortkarg, manchmal grantig und an der Bande auch oft sehr emotional. Lob nimmt er nicht sonderlich gerne an und gibt es dann postwendend an die Mannschaft weiter. Bei der gibt er nicht den harten Hund, vielmehr gilt er im Umgang mit den Spielern als enorm geduldig.

Ein Erfolgsrezept habe er nicht, hat Gross mal erklärt. "Es gibt keine Geheimnisse mehr im professionellen Eishockey. Es geht um die tägliche Arbeit. Oft sind es nur Kleinigkeiten, manchmal hat man auch einfach mehr Glück", sagte er.

Fast in der NHL gelandet

Seine Spielerkarriere begann Gross bei Sparta Prag. Fast wäre er in der NHL gelandet. Beim Entry Draft 1988 sicherten sich die New York Islanders die Rechte an ihm. Es kam jedoch nie zu einem Wechsel nach Übersee. Stattdessen wechselte Gross nach Deutschland zum EHC Freiburg und später zu den Adlern Mannheim. 1999 schloss er sich den Berlin Capitals an. Dort begann auch seine Trainerkarriere. Über Freiburg und Frankfurt kam er 2008 nach Wolfsburg. Nach zwei Jahren als Co-Trainer stieg er 2010 zum Chefcoach auf. "Als ich zu Wolfsburg kam, war das Team relativ neu in der Liga. Ich denke, wir haben hier auch ein Stück weit etwas aufgebaut. Da ist etwas zusammengewachsen", erinnert er sich.

Wachablösung und neue Ära?

Auch in Mannheim könnte jetzt etwas zusammenwachsen. Der Titelgewinn mit den Adlern könnte die Wachablösung im deutschen Eishockey einläuten, und nicht wenige trauen Gross zu, es seinem Münchner Kontrahenten Don Jackson gleich zu tun, der erst mit Berlin und dann mit München Titel um Titel holte.

Doch noch sind die Mannheimer nicht am Ziel. Gegen München muss in der "Best-of-seven"-Serie ein weiterer Sieg her. Erst wenn der geschafft ist, wird Gross sich freuen.  

mit dpa/sid | Stand: 25.04.2019, 12:30

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