Verkleinerung der Eisflächen wird für DEL zur Mammutaufgabe

ERC Ingolstadt - Adler Mannheim - Petr Taticek, ERCI (l.) Ben Smith Mannheim beim Bully

Nach Beschluss des Weltverbandes

Verkleinerung der Eisflächen wird für DEL zur Mammutaufgabe

Von Dorian Aust

Der Eishockey-Weltverband IIHF hat beschlossen, dass WM-Turniere künftig auf kleineren Eisflächen wie in der NHL gespielt werden müssen. In der DEL sieht man große Probleme auf sich zukommen.

Playoff-Serie zwischen Mannheim und Augsburg: Alle zwei Tage treffen die Teams in der wichtigsten Saisonphase aufeinander. In Mannheim allerdings auf einer vier Meter schmaleren Eisfläche als in Augsburg - im Eishockey ein Riesenunterschied.

Was zunächst merkwürdig klingt, ist ein durchaus realistisches Szenario. Grund dafür ist der Eishockeyweltverband IIHF, der in der vergangenen Woche die Weichen dafür gestellt hat. Nicht zuletzt Präsident René Fasel treibt die Entwicklung voran, die größeren europäischen Eisflächen nach dem Vorbild der nordamerikanischen NHL zu verkleinern.

Eindeutiges Signal

Dabei hat die IIHF genau genommen überhaupt keine Regeländerung vorgenommen. Einzig die Durchführungsbestimmungen für die WM-Turniere 2022 bis 2024 wurden geändert. Und damit hat der Weltverband ein eindeutiges Signal gesendet: Die WM als internationales Aushängeschild soll auf kleiner Eisfläche gespielt werden. Wer künftig Turniere ausrichten möchte, muss sich entsprechend anpassen.

Aktuell sind die Eisflächen in Deutschland 60 Meter lang und 30 Meter breit, die kleinere Eisfläche würde in der Länge unverändert bleiben, aber vier Meter schmaler werden. Die DEL-Regularien ermöglichen es den Vereinen auch jetzt schon, auf einer kleineren Eisfläche zu spielen, davon macht aber kein Verein Gebrauch.

Weitreichende Umbaumaßnahmen

Die Eishallen in Deutschland stehen also möglicherweise vor einem großen Umbau. Die Betonsockel, auf denen die Eisflächen liegen, das Kühlsystem und die Banden müssen angepasst werden - ebenso die Beleuchtung und Bestuhlung.

Die Idee der kleineren Eisflächen hat der Weltverband bereits Anfang des Jahres auf den Tisch gelegt. Die Hallenbetreiber der DEL-Klubs haben daraufhin die Kosten auf rund eine Millionen Euro pro Eishalle geschätzt. Und die Finanzierung wird kompliziert, weil kein DEL-Klub Eigentümer oder Betreiber der jeweiligen Heimspielstätte ist, sondern als Mieter in den zumeist städtischen Hallen auftritt.

Leonardo Conti: "Kleine Eisflächen in der DEL? Das sehe ich sehr kritisch" Sportschau 02.10.2019 06:40 Min. Verfügbar bis 02.10.2020 Das Erste

DEL noch ratlos

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Das ist eine totale Katastrophe. Und eigentlich ist das Problem unlösbar. Einerseits können und wollen wir niemanden zum Umbau zwingen, andererseits können wir den Standorten, die einen Neubau planen, schlecht verbieten, die kleine Eisfläche zu bauen, weil das ist nun mal die Zukunft - das hat die IIHF in Rom gezeigt."

Tripcke war in Rom dabei. Die europäischen Kollegen stehen vor den gleichen Problemen, weiß er: "Im Prinzip muss jede Eishalle in Europa nach und nach umgebaut werden. Die Kollegen aus Schweden, Finnland, der Schweiz und so weiter haben mich genauso angeguckt und gesagt: Wie soll das gehen?"

Verband sieht Chancen

Der Deutsche Eishockey-Bund schlägt andere Töne an und spricht von einer Harmonisierung. Sportdirektor Stefan Schaidnagel: "Im Leistungsstützpunkt in Füssen haben wir auch jetzt schon flexible Banden, so dass wir auf einer etwas kleineren Eisfläche trainieren können. Das ist ein guter Kompromiss zwischen kleiner und großer Eisfläche."

Über Jahre hinweg habe der Weltverband evaluiert, dass der Sport auf einer kleineren Eisfläche schneller und attraktiver wird, weil mehr Torchancen kreiert werden. Und außerdem sei es völlig offen, wie der Weltverband nach der dreijährigen Testphase entscheidet.

"Was geht in den Köpfen vor?"

Bei den DEL-Vereinen sorgt der Vorstoß für Unverständnis. Matthias Roos, Sportdirektor der Krefeld Pinguine, findet deutliche Worte: "Ich frage mich, was im Kopf von den Funktionären vorgeht. Wer soll das bezahlen? Diese Baustelle sollte man in Europa nicht aufmachen."

Der Geschäftsführer der Kölner Haie, Philipp Walter, gibt zu bedenken, welche Folgen diese Entscheidung noch hat: "Es geht ja nicht nur um die Spielstätten, sondern auch die Trainingshallen müssten umgebaut werden. Das ist eine Mammutaufgabe." Und damit nicht genug: Der sportliche Leiter der Düsseldorfer EG, Niki Mondt, hat weitere Bedenken: "Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass die Veränderungen in den Stadien zeitgleich erfolgen müssten, um die Chancengleichheit zu erhalten. Das ist in meinen Augen für 14 Standorte unrealistisch."

Flickenteppich unumgänglich

Die DEL strebt eine einheitliche Umsetzung aber gar nicht erst an: "Wir planen, den Vereinen, die noch nicht die Möglichkeit für das kleine Eis haben, eine Zeitspanne von zehn Jahren zu geben, diesen Umbau durchzuführen", sagt DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln.

Unter dem Strich werden sich Eishockeyfans in Deutschland wohl auf einen Flickenteppich einstellen müssen. Die Vereine werden erst nach und nach die Eisflächen verkleinern. Die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs in der DEL ab der Saison 2020/21 verkompliziert die Umstellung noch dazu, da kleine und finanzschwächere Teams zur Liga dazustoßen werden.

Stand: 02.10.2019, 14:47

Darstellung: