Trainer in der DEL: Kontinuität dringend gesucht

Mike Stewart, neuer Trainer der Kölner Haie

Eishockey-Liga startet in die neue Saison

Trainer in der DEL: Kontinuität dringend gesucht

Von Frank van der Velden

Sechs Klubs gehen mit einem neuen Coach in die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga. Ein Trend? Manch ein Verein hat Probleme, für Kontinuität auf der Trainerposition zu sorgen.

Mike Stewart soll jetzt endlich wieder Ruhe reinbringen. Der 47-Jährige Kanadier ist der neue Coach der Kölner Haie aus der Deutschen Eishockey Liga. Dort gilt der Trainerstuhl zwar nicht als Schleudersitz, so richtig lange blieb in jüngster Zeit aber auch keiner. Die bisher letzte Konstante an der Bande war Uwe Krupp. Der übernahm 2011 das Traineramt und wurde im Oktober 2014 nach etwas mehr als drei Jahren entlassen. Auf ihn folgten Niklas Sundblad, Cory Clouston, Peter Draisaitl und Dan Lacroix - vier Trainer in fünf Jahren, wobei Lacroix wohl als Stewarts Platzhalter gesehen werden darf.

Erste geplante Trainerverpflichtung seit 2011

Mit ihm hoffen die Kölner nun, den Richtigen gefunden zu haben. Stewart hatte in der vergangenen Saison die Augsburger Panther überraschend ins Halbfinale geführt. "Wir sind sehr glücklich, dass es geklappt hat. Es ist seit 2011 unsere erste Trainerverpflichtung, die keine Reaktion auf eine Entlassung war, sondern die wir langfristig geplant haben", sagt Geschäftsführer Philipp Walter. "Wir haben ein klares Konzept und ein Profil erstellt, in das Mike Stewart passt. Ich glaube, dass wir damit jetzt Stabilität bekommen werden", erklärt auch Haie-Sportdirektor Mark Mahon. Insgesamt starten sechs DEL-Klubs mit einem neuen Trainer in die neue Saison, die am Freitag (13.09.2019) beginnt.

Auch Berlin will keinen Fehlschuss mehr

Ähnlich wie in Köln lief es in Berlin. Seit Uwe Krupp im Sommer 2018 die Eisbären verließ, sind sie auf der Suche nach dem richtigen Mann. Krupp-Nachfolger Clément Jodoin war es nicht, der musste schon kurz vor Weihnachten gehen. Danach übernahm Sportdirektor Stéphane Richer interimsweise das Team, jetzt soll es Serge Aubin richten. Wie die Kölner wollen auch die Berliner keinen weiteren Fehlschuss. "Wir haben uns viel Zeit gelassen für den Prozess der Trainerfindung. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für Serge Aubin entschieden. Er erfüllt unser Anforderungsprofil am besten", sagt Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee. Der Kanadier Aubin wechselte von den Lions aus Zürich.

Wolfsburg verkraftet Gross-Weggang nicht

Die Wolfsburger haben den Weggang von Pavel Gross zu den Adlern Mannheim im vergangenen Jahr nicht verkraftet. Mit Pat Cortina versucht nun schon der dritte Coach, in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vorgängers zu treten. Zuvor scheiterte Pekka Tirkkonen, von Hans Kossmann trennte sich der Klub einvernehmlich.

"Wir haben Spieler im Kader gehabt, die hatten seit zehn Jahren den gleichen Trainer, die kannten gar keinen anderen Trainer wie Pavel Gross. Es war also auch nicht so ganz einfach für die Spieler", sagt Grizzlys-Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf. Zudem verließen Schlüsselspieler den Verein, das Verletzungspech war groß. "Da ist es wahrscheinlich schwer für jeden Trainer", so Fliegauf. Durch die Verpflichtung von Kossman habe man versucht "einen neuen Impuls zu setzen und etwas zu verändern." Am Ende verpasste Wolfsburg die Playoffs nur knapp. "Ich bin keiner, der sofort den Trainer wechselt, wenn es nicht funktioniert", stellt Fliegauf klar.

Karl-Heinz Fliegauf: „Eher einem Spieler den Laufpass geben…“ Sportschau 12.09.2019 00:26 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 Das Erste

Neue Trainer auch in Iserlohn und Nürnberg

In Iserlohn hieß die Konstante lange Jari Pasanen. Vier Jahre trainierte der Finne die Roosters. Doch nachdem er 2017 entlassen wurde, ging es mehr oder weniger Schlag auf Schlag. Auf seinen Nachfolger Rob Daum folgte schnell Jamie Bartmann, der sein Amt zur Verfügung stellte. Der neue Mann heißt Jason O'Leary, ist Kanadier und arbeitete zuletzt in der Schweiz.

Auch die Nürnberg Ice Tigers wechseln in kurzer Zeit zum zweiten Mal den Coach. Kevin Gaudet, Nachfolger des zurückgetretenen Rob Wilson, musste in der vergangenen Saison schnell wieder gehen. Der Vertrag seines Nachfolgers und ehemaligen Co-Trainers Mike Flanagan wurde nicht verlängert. Jetzt steht der Kanadier Kurt Kleinendorst an der Bande.

Augsburg befördert den Co-Trainer

Die Augsburger mussten dagegen notgedrungen aktiv werden. Vier Jahre leitete Mike Stewart die Geschicke der Panther, bevor es ihn nach Köln zog. Panther-Chef Lothar Sigl wurde im eigenen Haus fündig und beförderte ganz einfach Co-Trainer Tray Tuomie zum Chefcoach. "Er kennt Mannschaft wie Umfeld bestens und zudem haben wir vollstes Vertrauen in seine menschlichen und fachlichen Qualitäten", sagt Sigl.

Neue Trainer scheinen in der DEL im Trend zu liegen. Sie zeitnah wieder zu entlassen auch. Schon vor der Saison 2018/19 gab es sechs neue Gesichter. Von denen sind wie erwähnt drei schon wieder weg: Pekka Tirkkonen (Wolfsburg), Kevin Gaudet (Nürnberg) und Clément Jodoin (Berlin). Fest im Sattel sitzen bisher noch Pavel Gross (Mannheim), Harold Kreis (Düsseldorf) und Brandon Reid (Krefeld).

Dietzsch: "So ist halt das Geschäft"

Der mit Abstand dienstälteste Coach ist Don Jackson, der München seit 2014 betreut. Thomas Popiesch ist seit Januar 2016 in Bremerhaven. Alle anderen Trainer sind noch nicht allzulange dabei: Der Straubinger Tom Pokel seit Oktober 2017, der Ingolstädter Doug Shedden seit Dezember 2017 und der Schwenninger Paul Thompson seit November 2018.

Nürnbergs Sportdirektor Andre Dietzsch will nicht von einem Trend sprechen. "Ich war früher vier Jahre in Berlin und habe 13 Trainer erleben dürfen", sagt der ehemalige Torwart: "So ist halt das Geschäft, und da werden Entscheidungen getroffen, die manchmal auch sehr hart sind." Natürlich wolle jeder Kontinuität auf der Trainerposition haben, aber: "Druck und Erwartungshaltung sind sehr groß", sagt auch Berlins Sportdirektor Stéphane Richer.

André Dietzsch und Stéphane Richer zum Trainerkarussell in der DEL Sportschau 12.09.2019 00:46 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 Das Erste

Hommel: "Mehr Respekt zollen"

Nachdenklicher ist Iserlohns Manager Christian Hommel. "Im Sport ist es leider so, dass man öfters den Trainer austauscht und ihm wenig Vertrauen schenkt. Generell sollten wir den Trainern mehr Respekt zollen für ihre Arbeit", sagt er: "Man findet den Sündenbock gerne im Trainerstab, leider Gottes hat das den meisten Hebel - bei Sponsoren oder Fans oder auch intern in der Mannschaft", erklärt Hommel. Dabei solle die Entwicklung im Vordergrund stehen: "Wir wünschen uns manchmal mehr Zeit für die Trainer und mehr Vertrauen, generell im Sport."

Christian Hommel: „Wir wünschen uns mehr Zeit“ Sportschau 12.09.2019 01:01 Min. Verfügbar bis 12.09.2020 Das Erste

Mit gutem Vorbild voran geht die Düsseldorfer EG: Kurz vor Saisonstart verlängerte der Verein den ursprünglich bis Sommer 2020 laufenden Vertrag mit Kreis vorzeitig um zwei weitere Jahre.

Stand: 14.09.2019, 08:41

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