DEL - Nürnberg und die Sehnsucht nach der Meisterschaft

Jubel bei den Nürnberg Ice Tigers

Play-off-Viertelfinale in der DEL

DEL - Nürnberg und die Sehnsucht nach der Meisterschaft

Von Frank van der Velden

Die Nürnberg Ice Tigers sind in der DEL seit Jahren oben dabei, doch die Meisterschaft haben sie noch nie geholt. Sportdirektor Martin Jiranek vermeidet Kampfansagen. Er weiß, wie es in den Play-offs zugeht.

Martin Jiranek ist bei den Nürnberg Ice Tigers eine Ikone. Insgesamt zwölf Jahre spielte er für den Klub aus der Deutschen Eishockey Liga. Er hält alle Rekorde: Er hat die meisten Einsätze (493), die meisten Tore (178) und die meisten Assists (252) auf dem Konto. Seine Rückennummer 12 wird in Nürnberg nicht mehr vergeben.

Zweimal Vizemeister

Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek

Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek

Zum Titel mit den Franken reichte es allerdings nie. 1999 und 2007 holte der Deutsch-Kanadier mit Nürnberg die Vize-Meisterschaft - die bis heute größten "Erfolge" für das DEL-Gründungsmitglied. Seit Sommer 2013 ist er Sportdirektor bei den Ice Tigers. Die von ihm zusammengestellten Teams erreichten zuletzt zweimal in Folge das Halbfinale.

Vielleicht wünscht sich in Nürnberg niemand so sehr den ersten Meistertitel wie Martin Jiranek. "Ich bin nicht so wichtig", sagt er: "Es geht allein um den Klub. Die Mannschaft, der Trainer, die Mitarbeiter, Fans und Sponsoren - wir wollen gemeinsam Erfolg haben. Der Titel wäre eine tolle Belohnung. Die Saison ist lang, und alle arbeiten sehr hart", erklärt der 48-Jährige.

Im Viertelfinale gegen Köln

Im Play-off-Viertelfinale müssen die Ice Tigers gegen die Kölner Haie ran. Los geht es am Mittwoch (14.03.2018). Vier Siege sind zum Weiterkommen nötig, ein entscheidendes siebtes Spiel würde in Nürnberg stattfinden.

Die Ice Tigers gehen als Favorit in die Serie. In der Hauptrunde wurden sie knapp hinter München und Berlin Dritter und knackten die 100-Punkte-Marke. Prunkstück des Teams ist die Abwehr. Nur 126 Gegentore sind Liga-Spitze. Niklas Treutle ist der Toptorwart der Liga. Nur 1,89 Gegentreffer bekommt er im Schnitt, er hat eine Fangquote von 94,36 Prozent.

Andere Regeln

Vor der Saison hatte Jiranek die Ice Tigers prominent verstärkt. Neben Treutle kam Patrick Köppchen, der mit Hannover und Ingolstadt schon zwei Meisterschaften feiern konnte. Die beiden NHL-Veteranen John Mitchell und Tom Gilbert brachten jede Menge Erfahrung mit, Taylor Aronson wurde schnell zu einem der besten Verteidiger in der Liga.

Die Nürnberger sind auch deshalb favorisiert, weil sie die Haie in der Hauptrunde dreimal geschlagen haben. "Die Siege sind nichts mehr wert, die müssen wir abhaken und vergessen. In den Play-offs gelten andere Regeln, es gibt andere Faktoren", erklärt dagegen Jiranek. Ort, Zeit, verletzte Spieler, Tagesform - all das könne jetzt wichtig sein, so der Sportdirektor.

Mit kleinen Schritten Richtung Titel

Die Nürnberger wollen die Meisterschaft. Das sagen sie auch so. Auf dem Weg dorthin machen die Ice Tigers aber kleine Schritte. So war vor der Saison das direkte Erreichen des Viertelfinales das Ziel. Das ist geschafft. "Das Hauptziel ist es jetzt, das erste Duell gegen Köln zu gewinnen", sagt Jiranek: "Wenn man sich nur auf die Meisterschaft konzentriert, verliert man die nächste Aufgabe aus den Augen."

Auch Glück gehört dazu

Die Play-offs nennt Jiranek "eine besondere Zeit". Dass die Saison von vorne los geht und das Meisterrennen offen ist, glaubt auch er. Siegeswille, wenige verletzte Spieler, wenige Strafzeiten - so lautet gemeinhin die Losung. Für Jiranek gehört auch "etwas Glück" dazu. Das war den Ice Tigers in der vergangenen Saison gegen Wolfsburg nicht vergönnt. "Spiel drei haben wir unglücklich zu Hause nach Verlängerung verloren. Wenn wir das gewinnen, läuft vielleicht die ganze Serie anders", erinnert sich Jiranek.

Die Play-offs hätten zudem eine gewisse Dynamik. "Oft ist es so, dass eine Mannschaft in den Play-offs noch weiter zusammenwächst. Vor allem wenn sie erkennt: Hey, wir haben eine realistische Chance auf die Meisterschaft", sagt Jiranek. Erinnert sei dabei an die Play-offs im Jahr 2014. Damals feierte der ERC Ingolstadt die Meisterschaft, obwohl die Bayern in der Hauptrunde nur Neunter geworden waren.

Kontinuität auf der Trainerposition

Nürnbergs Trainer Rob Wilson

Nürnbergs Trainer Rob Wilson

Wenn es wieder nichts wird, mit dem Titel, dann werden die Nürnberger es weiter versuchen. Jiranek setzt vor allem auf der Trainerposition auf Kontinuität. Der Kanadier Rob Wilson coacht die Ice Tigers seit Dezember 2014. "Es zeigt sich, dass die Klubs Erfolg haben, die langfristig auf einen Trainer setzen, zum Beispiel München oder Wolfsburg", sagt Jiranek: "Wir wollen Schritt für Schritt eine Mannschaft aufbauen, die zum Trainer passt. Dann werden auch wir Erfolg haben."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 14.03.2018, ab 22.50 Uhr

Stand: 14.03.2018, 08:00

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