DEL - viel Neues an der Bande

Wolfsburgs Pekka Tirkkonen

Saisonstart

DEL - viel Neues an der Bande

Von Frank van der Velden

Alte Hasen, Rückkehrer und Neulinge: Gleich sechs Klubs der Deutschen Eishockey-Liga starten mit einem neuen Trainer in die neue Saison.

Die Fußstapfen, die Pekka Tirkkonen da vor sich hat, sind ordentlich groß. Seit 2013 hat Pavel Gross mit den Grizzlys Wolfsburg in der Deutschen Eishockey-Liga immer mindestens das Halbfinale erreicht, zuletzt stand er mit den Niedersachsen zweimal in Serie im Finale. Doch die Ära Gross ist nun vorbei. Ab der neuen DEL-Saison, die am Freitag (14.09.2018) startet, leitet Tirkkonen die Geschicke der Wolfsburger.

Sportdirektor Charly Fliegauf ist sich sicher, mit dem ehemaligen finnischen Nationalspieler einen guten Griff getan zu haben. "Pekka stand von Anfang an ganz oben auf meiner Liste. Er ist ein sehr ehrgeiziger und akribisch arbeitender Trainer, der vieles von dem mitbringt, was wir hier in Wolfsburg brauchen", sagt er und spricht von einer gleichen "Denkweise und Philosophie".

Auch die Spieler haben vor dem Neustart keine Bange. "Ich glaube, wir werden in guten Händen sein", sagt Nationalspieler Björn Krupp und sprach von einem "neuen Kapitel" in Wolfsburg. Große Erfolge als Trainer hat der 49-jährige Tirkkonen allerdings nicht aufzuweisen. Bis Oktober 2017 betreute er den schweizerischen Klub EHC Kloten, danach war er arbeitslos. Ob die Grizzlys ihre Erfolgsserie in der DEL forsetzen können, ist deshalb fraglich.

Gross will endlich Meister werden

Mannheims Pavel Gross

Mannheims Pavel Gross

Pavel Gross wechselt derweil zu den Adlern Mannheim und will dort das schaffen, was ihm in Wolfsburg in zehn Jahren nicht gelungen ist: die Meisterschaft zu holen. "Ich sehe die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln und eine neue Herausforderung anzunehmen", sagt Gross. Mannheim kennt der Tscheche bestens. Dort spielte er von 1993 bis 1999 und wurde in dieser Zeit dreimal in Folge Meister. Das soll der 50-Jährige jetzt auch als Trainer schaffen. Die Trennung von Wolfsburg verlief reibungslos. Grizzlys-Manager Fliegauf bezeichnete den Weggang seines Erfolgstrainer als "Teil des Geschäfts".

Die Mannheimer stehen nach einer desolaten Saison, in der Trainer Sean Simpson und Manager Teal Fowler entlassen wurden, personell vor einem Neuanfang. "Wir sind fest davon überzeugt, dass Pavel der richtige Mann für uns ist", sagt Geschäftsführer Daniel Hopp. Gross folgt auf Bill Stewart, der das Team in der vergangenen Saiosn wenigtsens noch bis ins Halbfinale geführt hatte und jetzt als Berater fungiert. Fest steht, dass Mannheim mit all seinen finanziellen Möglichkeiten mit Gross durchaus als ernsthafter Titelkandidat zu sehen ist. Ob das schon im ersten Jahr funktioniert, bleibt abzuwarten.

Nürnberg holt Meistertrainer aus Liga zwei

Genau wie Wolfsburg hätten auch die Nürnberg Ice Tigers ihren Trainer gerne noch ein wenig behalten. Doch Rob Wilson verließ den Klub aus familiären Gründen. Der neue Mann heißt  Kevin Gaudet, ist Kanadier, 54 Jahre alt und kommt von Zweitligameister SC Bietigheim-Bissingen. "Er hat die Erfahrung und die Leidenschaft, die Ice Tigers anzuführen und an den Erfolg der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Kevin kennt die DEL und hat zuletzt konstant erfolgreich gearbeitet", sagt Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek. Erfolge hatte Gaudet allerdings bisher nur in der zweiten Liga. In der Saison 2005/2006 trainierte er mit den Hannover Scorpions letztmals ein DEL-Team. Unter Wilson erreichten die Ice Tigers zuletzt dreimal in Folge das Play-off-Halbfinale. So hat Gaudet ähnlich wie Wolfsburgs Tirkkonen eher große Fußstapfen vor sich.

Kleine Lösung in Berlin

Berlins Clement Jodoin

Berlins Clement Jodoin

Vizemeister Berlin hat sich für eine kleine Lösung entschieden. Nachfolger von Uwe Krupp wird dessen ehemaliger Assistent  Clément Jodoin. "Er hatte einen großen Anteil an unseren Fortschritten  und wir wollen mit ihm zusammen darauf aufbauen", sagt Sportdirektor Stéphane Richer: "Wir haben mit Clément die vergangene Saison analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass er unsere Mannschaft am besten weiterentwickeln kann." Das klingt logisch und könnte erfolgreich sein. Der 66 Jahre alte Kanadier ist ein alter Hase und schon seit 1980 Trainer, vornehmlich in den USA und Kanada. "Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung. Ich mag die Stadt Berlin, ich mag den Klub", sagte Jodoin. Krupp, der das Gefühl hatte, in Berlin wohl nicht mehr gebraucht zu werden, trainiert künftig Sparta Prag.

Aufbruchstimmung in Düsseldorf

Harold Kreis

Harold Kreis

Aufbruchstimmung herrscht bei der Düsseldorfer EG. Harald Kreis kehrt als Cheftrainer zum Traditionsklub zurück. Der Deutsch-Kanadier war schon zwischen 2008 und 2010 Coch der DEG und holte 2009 die Vize-Meisterschaft. Danach war der 59-Jährige Trainer des Schweizer Erstligisten EV Zug. Durch die Verpflichtung hofft der Klub, wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen zu können. In den vergangenen beiden Jahren verpasste die DEG die Play-offs.

"Wir haben die Position des Cheftrainers optimal besetzt. Seine Erfolge sprechen für ihn. Harry brennt auf die Rückkehr nach Düsseldorf und hat in unseren Gesprächen große Lust und Motivation gezeigt, an alter Wirkungsstätte etwas Neues aufzubauen. Auch er hatte an Düsseldorf nur gute Erinnerungen", sagt der sportliche Leiter Niki Mondt. "Nach vier Jahren in der Schweiz habe ich eine neue Herausforderung gesucht. Nun freue ich mich auf meine Rückkehr", sagt der ehemalige Topspieler Kreis. Er ersetzt an der Bande Mike Pellegrim, der als Co-Trainer nach Mannheim wechselt und schon in der vergangenen Saison intermisweise von Tobias Abstreiter abgelöst wurde. Der wird wird nun Assistenztrainer unter Kreis.

Ein dänischer Meister in Krefeld

In Krefeld endet eine Ära. Mit einer kurzen Unterbrechung trainierte Rick Adduono die Pinguine seit 2009, jetzt wird er Berater des Klubs und macht Platz für den neuen Mann Brandon Reid. Der war als Spieler in Düsseldorf und Hamburg aktiv und kommt immerhin als dänischer Meister-Trainer nach Krefeld. In der vergangenen Saison holte er mit Aalborg den Titel. Krefeld ist als Coach die erste DEL-Station des 37-jährigen Kanadiers. Viermal in Folge hat Krefeld jetzt die Play-offs verpasst, ob der recht junge Reid das ändern kann? "Wir werden eine Mannschaft auf das Eis stellen, die für Überraschungen sorgen wird", sagt er.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag, 14.09.2018, ab 22.50 Uhr

Stand: 13.09.2018, 08:00

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