DEL-Saisonstart - Wahnsinn oder Wagnis?

Die leere SAP Arena bei einem Eishockey-Geisterspiel

DEL beschließt Saisonstart

DEL-Saisonstart - Wahnsinn oder Wagnis?

Von Burkhard Hupe

Als letzte große Profiliga hat nun auch die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) beschlossen, in eine Saison voller Ungewissheit zu gehen. Ohne Zuschauer, mit Not-Etats und der ständigen Gefahr, dass es schnell schon wieder vorbei sein könnte.

Vor einigen Wochen waren Philipp Walter (Geschäftsführer Kölner Haie) und Gernot Tripcke (DEL-Geschäftsführer) zu Gast bei der Sportschau. Es waren die letzten heißen Tage des Spätsommers, und längst sah man wieder mehr Gesichter als Masken auf den Straßen. In dem Gespräch ging es um die Frage, welche Voraussetzungen für eine neue DEL-Saison geschaffen werden mussten. Es ging vor allem um die Zuschauer-Kapazität in den Eishockeyhallen: die notwendige, die erhoffte und die mindeste. Es ging um 40 Prozent, um 50 oder 30.

Die Zeit lief gegen die DEL

Doch es ging nicht voran. Die DEL-Klubs hatten Hygienekonzepte schreiben lassen, die in der Politik kaum zur Kenntnis genommen wurden. Aber es war ja noch Zeit. Der Saisonstart war von DEL-Boss Gernot Tripcke vorsorglich in den November verschoben worden. Vielleicht würde die Zeit helfen. Denn Eishockey war und ist ja eine Sportart, die finanziell und emotional von voll besetzten Rängen abhängt wie keine andere.

Was niemand ahnte: Die Zeit lief gegen die Eishockey-Klubs. Und was damals weder Tripcke oder Walter ahnten, geschweige denn als Gedankenspiel zulassen wollten: Eine Saison vor leeren Rängen verwandelte sich vom Schreckensszenario zum Hoffnungsschimmer. Was für eine Metamorphose.

Abschied von zarten Hoffnungen

Zu dieser Geschichte gehört auch der Kölner Verteidiger und Mannschaftskapitän Moritz Müller, der damals im August schon forderte, "dass es keine Tabus geben darf. Wenn es sein muss, dann eben auch ohne Zuschauer." Damals wurde Müller bestenfalls belächelt. Die Pläne waren andere. Die Hoffnungen erst recht.

Doch nun sind alle Konzeptpapiere und Gedankenspiele, die eben noch redlich und vernünftig schienen, nur noch Makulatur. Die Vereine stehen nackt im Wind, wie eine Kastanienallee im späten November. Mit dem feinen Unterschied, dass die DEL-Klubs sich am Ende doch noch bewegt haben. Auch in Iserlohn, auch in Ingolstadt, auch in Augsburg und längst auch in Köln.

Auf in die Notstandssaison

Alle wollen nun dabei sein, in einer Saison, die eben noch undenkbar, unrealisierbar erschien. Gernot Tripcke bemüht dazu das Bild, dass er auch schon im Spätsommer malte: "Man kann einen Eishockeyverein nicht einfach schließen wie ein Restaurant." Philipp Walter dagegen wirkt ehrlich erleichtert. "Punktlandung", sagt er. Aber er jubelt nicht, und Tripcke jubelt auch nicht. Denn es weiß ja keiner, ob diese Notstandssaison auch wirklich ins Ziel gebracht werden kann.

Alle DEL-Klubs starten in die Corona-Saison

Sportschau 19.11.2020 02:27 Min. Verfügbar bis 19.11.2021 ARD Von Burkhard Hupe


Gernot Tripcke hat natürlich auch gesehen, wie es im Handball und Basketball mitunter drunter und drüber geht, dass selbst in der Fußball-Bundesliga die Zahl der Gewissheiten kleiner geworden ist. Der Liga-Boss wird in einem eng getakteten Spielplan viel Kreativität benötigen, um Corona-Spielausfälle aufzuheben. Und alle werden sie starke Nerven benötigen, um diese Saison sicher ins Ziel zu bringen.

In Krefeld gibt es ersten Ärger

In Krefeld machen sie damit gerade die ersten Erfahrungen. Spieler und Geschäftsleitung streiten, ob die Profis noch größere Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen, um den Betrieb zu gewährleisten. Die meisten Profis haben bereits auf 60 Prozent ihres Einkommens verzichtet. Das gilt übrigens für die gesamte DEL. Und sollte im neuen Jahr die erhoffte zweite Hilfsfond-Tranche der Bundesregierung nicht freigegeben werden, dann: Gute Nacht, Eishockey-Deutschland. Dabei geht es um weitere 800.000 Euro für jeden DEL-Klub.

Und schließlich bleibt ja noch das Virus selbst. Was macht es mit diesem Land in den nächsten Monaten? Müssen die Spieler womöglich doch in eine Bubble, wie es neuerdings im Spitzensport heißt? Und was wird sein, wenn es zu einem zweiten Lockdown kommt, der den Spitzensport einschließt? "Dafür haben wir keinen Plan B", sagt Gernot Tripcke.

Stand: 19.11.2020, 19:20

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