Entscheidung heute: DEL-Saisonstart immer wahrscheinlicher

Haie-Akteur Marcel Müller (l.) in Aktion

Auch Köln sagt zu

Entscheidung heute: DEL-Saisonstart immer wahrscheinlicher

Heute soll entschieden werden, wann und wie die DEL in ihre Saison startet. Die Zeichen der vergangenen Tage deuten darauf hin, dass es am Neustart kaum Zweifel geben dürfte. Auch Köln hat nun zugesagt.

Die Deutsche Eishockey Liga will endgültig raus aus ihrem Schattendasein. Nach monatelangem Stillstand deutet vieles darauf hin, dass die Rückkehr des deutschen Erstliga-Eishockeys bevorsteht. Am Donnerstag (19.11.2020) wollen die 14 Klubs auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung über den Saisonstart für 2020/21 entscheiden und Modus sowie Starttermin festlegen, der bislang für den 18. Dezember angedacht ist. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz angekündigt worden.

Reimer: Hätte mehr Mut erwartet

Anders als die Handball-Bundesliga, die allerdings nun mit einem Termin-Chaos aufgrund von Corona-Fällen nach der Länderspiel-Pause kämpft, und der Basketball-Bundesliga hatte sich die DEL lange nicht in der Lage gesehen zu starten - und den erhofften Auftakt schon zweimal verschoben. Und sie hat dafür viel Kritik eingesteckt.

"Ich hätte mir von Anfang an ein bisschen mehr Mut erwartet", sagte der Olympia-Zweite Patrick Reimer, einer der Initiatoren der Spielergewerkschaft, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Dass man von Anfang an gesagt hätte: 'Wir wissen, was für Probleme auf uns zukommen, aber wir werden auf jeden Fall eine Saison spielen.' Da hat man sich doch sehr bedeckt gehalten, und zum Teil hatte man das Gefühl, dass es vielleicht nicht immer das Ziel war. Aber jetzt steht im Vordergrund, dass es eine Saison geben wird, so wie es aussieht."

Kölner Zögern ist vorbei

Ein drohendes Fiasko von eineinhalb Jahren ohne DEL-Spiele scheint abgewendet. Immer mehr Wackelkandidaten gaben bekannt, dass sie dabei seien. Reimers Nürnberger zählen dazu. Auch Ingolstadt und Dienstag Augsburg, Straubing und Iserlohn teilten mit, bereit zu sein.

Lukas Podolski auf der Eisfläche

Lukas Podolski auf der Eisfläche

Von den Teams, die nicht am Vorbereitungsturnier teilnehmen, zögerten nur die Kölner aufgrund der finanziellen Probleme bis zum Schluss. Wie sie am Mittwochmittag mitteilten, erreichten die Haie mit dem Verkauf von imaginären Eintrittskarten, organisiert um eine Etatlücke von einer Million Euro zu schließen, die angestrebte 100.000er-Marke.

Damit habe man "einen wichtigen Baustein" geschaffen, um in die Saison zu starten, teilte der Topclub noch mit. Man habe ein "tragfähiges Konzept für einen verantwortungsvollen Start in den Ligabetrieb" aufgestellt. Es herrsche nun "große Erleichterung und tiefe Dankbarkeit", sagte Haie-Geschäftsführer Philipp Walter: "Dem Schritt, in den Ligabetrieb starten zu können, liegt eine große Gemeinschaftsleistung zugrunde." Sogar Lukas Podolski hatte für den Verkauf von symbolischen Eintrittskarten geworben, um den Standort Köln zu sichern. Mit Erfolg.

Großer Gehaltsverzicht

Andere Clubs hatten mit ihrer Zusage zum Testturnier, das zeigen soll, dass die DEL in Pandemie-Zeiten funktionieren kann, ihre Bereitschaft signalisiert. Das Krefelder-Team boykottierte allerdings am Dienstag vor dem 3:1 gegen Wolfsburg das Aufwärmen, Berichten zufolge offenbar nach einer weiteren Forderung zum Gehaltsverzicht.

Generell ließen sich Spieler auf einen Gehaltsverzicht von bis zu 60 Prozent ein. Die Klubs sind stark von den Zuschauereinnahmen abhängig. Sie mussten sich aber inzwischen von der Hoffnung verabschieden, dass Geisterspiele nur eine kurzzeitige Übergangslösung sein dürften.

Wie viele Vereine setzen auch die Haie, bei denen die Fallhöhe bei den Zuschauereinnahmen besonders hoch ist, zudem auf die 800.000 Euro aus dem Hilfspaket des Bundes. Einzig der EHC Red Bull München hatte von den DEL-Clubs keinen Antrag gestellt. Diese Hilfe sei ein "entscheidender Faktor", erklärte Straubings Geschäftsführerin Gaby Sennebogen.

Nord-Süd-Aufteilung als Option

Am 10. März hatte die DEL als erste deutsche Profiliga ihre Saison abgebrochen. Nun steht sie vor einer ungewöhnlichen Spielzeit. Als eine Option gilt, die Liga in Nord und Süd aufzuteilen. "Die bayerischen Clubs mit uns, München, Nürnberg, Ingolstadt und Straubing sowie Schwenningen und Mannheim, bilden die Südgruppe, der Rest den Norden", erklärte Augsburgs Vereinschef Lothar Sigl ein Modell. "Die Gruppen spielen eine Doppelrunde, um auch die Reisen und Hotelaufenthalte in Corona-Zeiten in Grenzen zu halten. Gegen die Teams aus der anderen Gruppe wird eine Einfachrunde gespielt."

Eine gelungene Spielzeit werde es, wenn es gelinge, "eine Saison darzustellen mit vielleicht auch kleinen Playoffs und so gut es geht ohne coronabedingte Ausfälle", sagte Reimer: "Es ist gut, dass man versucht, eine gewisse Normalität aufzubauen."

dpa/sid/red | Stand: 19.11.2020, 08:42

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