Frank Elstner: "Heute weiß jeder, dass Sport gesund ist"

Frank Elstner

50 Jahre "Trimm Dich" - Interview mit Frank Elstner

Frank Elstner: "Heute weiß jeder, dass Sport gesund ist"

Vor 50 Jahren startete der Deutsche Sportbund (DSB) die Breitensportkampagne "Trimm Dich". Der wichtigste Botschafter dafür war der Showmaster Frank Elstner. Im Interview mit Sport inside spricht der heute 77-Jährige darüber, wie "Trimm Dich" den öffentlichen Raum eroberte.

Sport inside: Herr Elstner, es gibt so ein Klischeebild der 70er Jahre: die dicken Deutschen vor dem Fernseher. Wie war denn die Atmosphäre damals?

Frank Elstner: Ich erinnere mich nicht daran, dass wir alle vor dem Fernseher saßen. Wir haben uns damals schon bewegt. Aber es gab etwas in jedem Dorf, in jeder Stadt, das uns überhaupt nicht gefallen hat: Auf jeder öffentlichen Grünfläche stand ein Schild "Rasen nicht betreten". Da haben wir gesagt: Warum eigentlich? Wozu macht man diese Rasenflächen? Man soll die dafür nutzen, dass die Familien ihre Ausflüge machen, dass sie ihre Kinderwagen abstellen können, dass man spielen kann. Wir haben in vielen großen Städten Hunderte von Tischtennisplatten aufgestellt, einfach um zu sagen: Wir protestieren dagegen, dass es heißt "Rasen nicht betreten". Das hat geholfen. Das war der Deutsche Sportbund, dessen Präsident früher übrigens mal Innenminister in Nordrhein-Westfalen war, der legendäre Willi Weyer. Als der gemerkt hat, dass wir ein bisschen Gas geben, hat er uns sehr stark unterstützt. Die ganze Aktion wurde damals im Sauerland eröffnet, mit dem Fahrrad. Eigentlich wollten wir damit angeben dass wir alle tolle Läufer sind. Und dann waren wir überrascht, dass da plötzlich so viele Fahrräder standen. Also haben wir halt mit Fahrrädern begonnen.

Sport inside: Wie ist denn das Engagement zustande gekommen?

Elstner: Ich war damals bei Radio Luxemburg Direktor und sportverrückt. Ich war befreundet mit den Kremers-Zwillingen, das waren Fußballspieler von Schalke 04. Ich habe auch mit Schalke ein paarmal trainiert, und das hat sich dann herumgesprochen: Der Elstner hat noch eine ganz gute Kondition. Und dann bin ich vom Präsidium des Deutschen Sportbundes gefragt worden: Möchtest du nicht unsere Leitfigur sein, für die Werbung? Ich hab gesagt: Das mache ich gerne. Und dann habe ich alle möglichen Feste moderiert. Da stand ich immer auf einem großen Turm und habe über einen Lautsprecher den Menschen zugerufen, was sie machen sollen. In Berlin zum Beispiel waren 38.000 Menschen. Da haben wir das größte Sofa der Welt gebaut, in dem sich jeder auf die Knie des anderen setzen musste. Es sind verrückte Sachen gewesen, unvergesslich.

Trimm Dich! sport inside 11.03.2020 10:13 Min. UT Verfügbar bis 11.03.2021 WDR

Sport inside: Sie also waren so eine Art Vorturner der Nation?

Elstner: Nein, das möchte ich so nicht sagen. Aber ein Anfeuerer der Nation war ich. Die Sendung "Montagsmaler" hatte mich damals verhältnismäßig populär gemacht. Und wenn man dann als Moderator sozusagen vom Sportbund verpflichtet wird, als sportlicher Moderator, dann ist das ein großes Kompliment. Ich habe es mir gefallen lassen, und meine Frau hat gesagt, dass ich trainieren soll, und das habe ich dann auch ein bisschen regelmäßiger gemacht. Ich bin ein Läufer, ein Jogger, und ich hatte einen Freund, der war mal Weltmeister im Eisschnelllauf, Günter Traub. Vielleicht erinnern sie sich noch an den. Mit dem habe ich sehr oft trainiert, auch in der Höhe in Sankt Moritz. An einem durchschnittlichen Trainingstag sah das so aus: 30 Kilometer Skilanglauf, fünf Kilometer Laufen und dann ein oder zwei Kilometer Schwimmen.

Sport inside: Glauben Sie, dass sie heute davon profitieren?

Elstner: Ja, natürlich. Ich bin davon überzeugt, dass zum Beispiel die Krankheit, die bei mir ausgebrochen ist, nämlich Parkinson, höchstwahrscheinlich milder verläuft, weil ich in einem ganz guten Zustand bin. Also ich finde es wunderbar, dass es in der Zwischenzeit so viele Studios gibt und dass jeder eigentlich die Möglichkeit hat, um die Ecke zu trainieren. Aber man sollte da auch ein bisschen vorsichtig sein. Nicht jeder Sportlehrer ist ein Sportlehrer. Ich würde mich da immer erkundigen, immer auch ein anderes Angebot einholen. Oder auch ein paar Beteiligte fragen: Wie sind denn die Strecken? Was bietet man an und wie sauber ist es dort? Wie ist die Hygiene? Die Auswahl ist riesengroß. Das Richtige zu finden, bedarf eben auch einer anstrengenden Suche.

Sport inside: Die Kampagne "Spiel mit" war ja dann auch Teil der Trimm-Bewegung.  

Elstner: Ja, das Ganze wurde angesteckt durch eine Bewegung in Kalifornien. Der damalige Verantwortliche beim Deutschen Sportbund, Jürgen Palm, hat gesagt: Was die da drüben können, das können wir auch. Und dann ist das Ganze, wenn man so möchte - Abklatsch ist ein böses Wort - eigentlich eine Kopie der "New Games" in Kalifornien geworden. Das hat so sehr angesteckt in Deutschland, dass auf einmal mehr Trainingshosen und mehr Joggingschuhe verkauft worden sind. Alles in dem Bewusstsein "mens sana in corpore sano". Das hat so funktioniert.

Sport inside: Aber die Amerikaner sind doch viel dicker als die Deutschen.

Elstner: Auf sowas sage ich immer: Guck bei den nächsten Olympischen Spielen auf den Medaillenspiegel. Die Amerikaner sind sehr sportlich und "die dicken Amerikaner", das ist eigentlich frech ausgedrückt. Wir haben auch "die dicken Deutschen", wir haben "die dicken Franzosen". Wenn jemand dazu neigt, dick zu werden, hat das nichts mit der Nationalität zu tun.

Sport inside: Sie waren also der Botschafter des Breitensports?

Elstner: Mich hat der Präsident des Deutschen Sportbundes zum Breitensport-Beauftragten ernannt, Werbung zu machen für "Schwitze einmal am Tag" oder "Laufen, ohne zu schnaufen". Das sind Dinge, die sind alle in mir drin, ich kann das jedem nur empfehlen: Tu was, es lohnt sich. Davon bin ich überzeugt. Heute ist es leichter als damals. Damals mussten wir die Leute überzeugen, dass es gesund ist, Sport zu treiben. Heute weiß jeder, dass es gesund ist.

Sport inside: Und das war alles ehrenamtlich?

Elstner: Bezahlt wurde ich dafür nicht, natürlich war es ein Ehrenamt. Aber ich hatte das große Glück, dass ich dadurch die tollsten Sportler kennengelernt habe und später davon profitieren konnte. Wenn ich Interviews hatte und ich brauchte einen guten Sportler, habe ich nie eine Absage bekommen.

Sport inside: Treiben Sie denn heute noch Sport?

Elstner: Ich gehe jeden Tag aufs Laufband. Ich trainiere, weil man ein bisschen aufpassen muss, dass die Muskeln nicht zu sehr erschlaffen. Aber von Sport kann da keine Rede sein. Ich nenne es immer vergnügliche Freizeitbewegung.

Das Interview führte Tom Theunissen

Stand: 13.03.2020, 15:51

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