Mehr Öffnung gefordert - "Die Politik hat den Sport null im Fokus"

Ein leerer Sportplatz

Schleswig Holstein lockert - andere Bundesländer riegeln weiter ab

Mehr Öffnung gefordert - "Die Politik hat den Sport null im Fokus"

Von Christian Hornung

Nach Hessen und Niedersachsen nimmt jetzt auch Schleswig-Holstein Lockerungen im Sport vor.

So öffnen Sportanlagen im Innen- und Außenbereich für den zugelassenen Individualsport alleine, zu zweit oder im eigenen Hausstand. "Dies schließt etwa auch Personal Trainings in Fitnessstudios ein", erklärte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen riegeln weiter alles ab.

In Baden-Württemberg hatte der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, Wolfgang Drexler, in der Vorwoche gegenüber dem SWR eine stufenweise Lockerung im Vereinssport gefordert: "Jetzt, wo die Infektionszahlen erfreulicherweise seit Tagen stabil sinken, erwarten wir, dass entsprechende Lockdown-Lockerungen zeitnah und schrittweise vorgenommen werden. Schließlich hat uns das die Politik zu Beginn des Lockdowns vor drei Monaten so zugesichert."

Für den Publikumsverkehr untersagt

Doch von dieser Zusicherung ist nichts übriggeblieben. In der neuen Corona-Verordnung, die ab dem 11. Februar gilt, steht unter Paragraf 1 d: Der Betrieb aller Einrichtungen nach § 13 Absatz 1 wird für den Publikumsverkehr untersagt. Darunter fallen die Sportanlagen. Ausnahmen gibt es nach wie vor nur für den Spitzen- und Profisport sowie beispielsweise für medizinisch verordneten Rehasport.

In Nordrhein-Westfalen bleibt ebenfalls alles dicht. Das macht Johannes Gathen ziemlich fassungslos. Gathen ist seit Jahrzehnten Leichtathletik-Trainer, er ist Geschäftsführer des Stadtsportbundes Mönchengladbach und Jugendausschuss-Vorsitzender im Leichtathletik-Verband Nordrhein.

"Das ist komplett kontraproduktiv"

Zur Sportschau sagt er am Donnerstag (11.02.2021): "Was Schleswig-Holstein jetzt macht, ist sehr ermutigend und positiv. Genau wie das, was in Hessen und Niedersachsen schon möglich ist - das würde ich mir jetzt ganz dringend auch von unseren Politikern in NRW wünschen: eine Perspektive!"

Gathen erläutert seinen Standpunkt: "Die Politik hat den Sport bei uns null im Fokus. Man hört immer nur, dass die Kontakte beschränkt werden müssen. Aber so verdrängt man beispielsweise die Menschen, die auf einer großen Leichtathletikanlage Sport kontrolliert und mit den vorgeschriebenen Abständen treiben wollen, um gesund zu bleiben, in die Parks. Dort treffen sie dann dicht gedrängt auf Spaziergänger, Radfahrer und Leute, die ihre Hunde ausführen. Das ist komplett kontraproduktiv, es wird genau das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war."

Weitreichende Folgen befürchtet

Dass Kontaktsportarten wie Fußball oder Handball weiterhin untersagt bleiben, versteht Gathen: "Es ist klar, dass wir uns da alle noch gedulden müssen, bis die Infektions- und Ansteckungszahlen sinken. Aber die Idee, die Leute zu Hause auf die Couch zu verbannen, ist einfach schlimm. Ich habe zuletzt einen Spot gesehen, in dem man mit einer Tüte Chips auf dem Sofa als 'Alltags-Held' gefeiert wurde. Das ist unfassbar für mich."

Gathens Appell: "Wir hören doch jetzt schon, dass viele Kinder adipöser werden. Mit der heute vielfach verbreiteten Taktik des Zu-Hause-Einsperrens produzieren wir aus meiner Sicht die Kranken und Pflegebedürftigen von morgen - mit unabschätzbaren Folgen für das Gesundheitssystem."

Auch Hessen ist unzufrieden

Große Enttäuschung herrscht auch in Hessen - obwohl dort immerhin Einzelsportler auf die Anlagen dürfen. Der Sportkreis Frankfurt, die Dachorganisation der Frankfurter Turn- und Sportvereine und damit Interessenvertretung von rund 420 Turn- und Sportvereinen mit über 265.000 Mitgliedern will mehr Öffnung: "Es ist paradox, wenn wir in einer Gesundheitskrise wie der Corona-Pandemie hauptsächlich über die Öffnung von wirtschaftlichen Bereichen sprechen und der Sport außen vor bleibt, der sonst allerorts für seine präventive Leistung gelobt wird“, sagt der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn auf der Homepage des Verbandes.

Frischkorn: "Wir verlieren einen Stabilisator"

Der Sportkreis hat ein Konzept erarbeitet, um Bewegungsangebote in Gruppen bis zehn Personen durchführen zu können, solange die Inzidenz unter 150 liegt. Frischkorns Begründung: "Die politische Einordnung von Sport als Freizeitbeschäftigung wird seiner Wirkung nicht gerecht, er gleicht psychische Leiden und körperliche Beschwerden aus oder lässt sie erst gar nicht entstehen. Wir verlieren durch den Stillstand einen Stabilisator, auf den wir nicht verzichten sollten. Während der Öffnung ab Mai 2020 ist der Sport nicht als Infektionsherd aufgefallen. Dass eine erneute Öffnung nicht einmal diskutiert wird, stößt in der Vereinslandschaft auf Unverständnis."

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Stand: 11.02.2021, 18:40

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