So bereiten sich Sportvereine auf die Rückkehr vor

Die Fußballer von Germania Hackenbroich (hier in einem Kreisliga-A-Spiel gegen den VfR Neuss)

Nach der Empfehlung der Sportminister

So bereiten sich Sportvereine auf die Rückkehr vor

Von Christian Hornung

Die Vereinssportler an der frischen Luft dürfen sich nach der Empfehlung der Sportminister auf eine schrittweise Rückkehr in den Trainingsbetrieb einstellen - und zwar nicht nur Golfer, Reiter oder Tennisspieler. Wie sehr fordert das einen kleinen Mehrsparten-Klub?

André Heryschek hat sich gerade zum ersten Mal Joggingschuhe gekauft. Als Kreisliga-Fußballer und gleichzeitig 1. Vorsitzender des TuS Germania Hackenbroich, einem Mehrsparten-Verein in Dormagen bei Köln, ist er bisher so gar kein Fan von einsamen Laufeinheiten gewesen. Aber Corona macht aus Teamsportlern gerade Einzelsportler. Hoffentlich nicht mehr lange.

Vom Babyalter bis zur Urne

Findet Heryschek, und genau so sieht es Michael Erke, der den TV Rheindahlen in Mönchengladbach führt. Beide Vereine haben gemeinsam, dass sie für ihren Stadtteil eine enorm große Bedeutung haben. In Rheindahlen sind es rund 1.300 Mitglieder, in Hackenbroich 1.200 - das ist jeder siebte Einwohner des Dorfs. Beide Vereine sind ein Zuhause für sehr viele Familien, hier sind viele vom Babyalter (Mutter- und Vater-Kind-Schwimmen oder Eltern-Kind-Turnen) bis zum Leitsatz von Turnvater Jahn aktiv: Turne bis zur Urne.

Die Leichtathleten des TV Rheindahlen (Startgemeinschaft: LAZ)

Die Leichtathleten hoffen, bald wieder loslegen zu dürfen

Aber wer turnt und läuft schon gern allein? Die beiden Ehrenamtler freuen sich deshalb aktuell über jeden Wink aus der Politik, dass es bald endlich wieder losgeht mit dem Vereinssport, auch wenn es nach der Kanzlerin- und Ministerpräsidentenrunde am Donnerstag (30.04.2020) noch ein paar Tage länger dauern könnte. Michael Erke sagt im Gespräch mit sportschau.de: "Wir planen natürlich mehrgleisig. Unsere große Schwimmabteilung beispielsweise, ebenso unsere Volleyballer, Trampolinspringer oder Turner werden ja offensichtlich von der ersten Lockerung noch nicht profitieren, weil ihr Training an die Halle gebunden ist. Aber bei den Leichtathleten, Nordic Walkern kann es ja vielleicht im Mai wieder losgehen, ebenso bei unseren Bogenschützen."

"Keine Spielformen mit Kontakt"

So ist es auch in Hackenbroich: "Bei uns sind die Judokas erstmal noch raus, ebenso die Breitensportabteilung, wo viele kleine Kinder Sport gemeinsam mit den Eltern treiben", erzählt André Heryschek: "Aber beim Hockey und Fußball ist die Zeit der Einsamkeit hoffentlich bald vorbei. Wir wissen, dass die Umkleiden, Duschen und unser Vereinsheim natürlich erstmal noch geschlossen bleiben und es noch keine Spielformen mit Kontakt geben darf. Aber wenn wir uns allein alle mal in Sportklamotten wiedersehen, ein paar Passformen oder Torschüsse trainieren können - wäre das schon ein toller Fortschritt."

Die Sportminister der Länder hatten zu diesem Thema am Mittwoch Leitlinien in Abstimmung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund herausgegeben. Darin wurde festgehalten: "Der Sport leistet auch und gerade in angespannten Zeiten seinen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Erhaltung von Gesundheit und Mobilität und damit zur Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Er muss daher in für die Gesamtsituation verantwortlicher Form schrittweise wieder ermöglicht werden."

Aus der Halle in den Garten

Konkrete Vorgaben sind unter anderem, dass der Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport in einem ersten Schritt wieder erlaubt werden, wenn "die Sportangebote an der 'frischen Luft' im öffentlichen Raum oder auf öffentlichen oder privaten Freiluftsportanlagen stattfinden, wenn ein ausreichend großer Personenabstand gewährleistet ist (1,5 bis 2 Meter), wenn die Sportarten kontaktfrei durchgeführt werden und insbesondere bei Kontakt- und Mannschaftssportarten ohne Wettkampfsimulationen trainiert wird." Dazu wurde noch festgeschrieben, dass Umkleiden und Nassbereiche ebenso wie die Gastronomiebetriebe geschlosen bleiben.

Die Schwimmer des TV Rheindahlen

Dürfen höchstens auf Fitnesstraining im Vereinsgarten hoffen: die Schwimmer des TV Rheindahlen

Bei den Vereinen ist nun Kreativität gefragt. Michael Erke: "Wir haben in unserem Vereinsheim eine kleine Halle, in der wir bisher Kurse wie Tai Chi, Yoga oder Aerobic angeboten haben. Da prüfen wir jetzt, ob wir die nicht in unseren Garten verlegen können. Der Übungsleiter steht dann auf der Terrasse, und auf dem Rasen davor können wir die nötigen Abstände sicherlich einhalten. Und da können dann möglicherweise auch unsere Schwimmer wieder etwas für ihre Fitness tun."

"Vielen das private Umfeld entrissen"

Sowohl in Hackenbroich als auch in Rheindahlen und sicherlich in tausenden Breitensportvereinen in ganz Deutschland werden nun die Übungsleiter informiert, wie sie demnächst mit der Situation umzugehen haben. André Heryschek sagt: "Die Politiker haben natürlich keinen leichten Job, weil es für all das, was gerade passiert, noch keine Blaupause gibt. Aber man muss eben auch mal sehen, wie viele Menschen für so einen Sportverein leben, da wird vielen einfach das ganze private Umfeld entrissen. Allein, dass wir uns dann bald mal wiedersehen und ein paar Runden gemeinsam um den Platz drehen, wird schon unheimlich viel bringen." Zur Not eben auch in Joggingschuhen.

Stand: 30.04.2020, 19:19

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