Fitnessstudios öffnen wieder - mit Abstand, aber ohne Dusche

Fitnessstudios dürfen bald wieder öffnen

Erste Öffnungen im Mai

Fitnessstudios öffnen wieder - mit Abstand, aber ohne Dusche

Von Marco Schyns

Nach sieben Wochen Stillstand dürfen Fitnessstudios in Deutschland wieder öffnen. NRW macht den Anfang. Aber in der Corona-Krise werden nicht nur die Rahmenbedingungen anders sein, auch das Training wird sich verändern.

Lange war es ruhig um die Fitnessstudios. Dabei besuchen mehr als zwölf Millionen Deutsche die bundesweit mehr als 10.000 Klubs. Allerdings nicht in den vergangenen sieben Wochen - da waren die Studios dicht, Gewichte mussten woanders bewegt werden, das Spinning fiel aus.

Am Mittwoch (06.05.2020) verkündete die Politik dann die Nachricht: Fitnessstudios dürfen wieder öffnen - wann und wie ist Sache der Bundesländer. Baden-Württemberg zum Beispiel soll planen, die Studios an Pfingsten wieder zu öffnen. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, erlaubt das sogar bereits ab kommenden Montag, kündigt gleichzeitig aber Auflagen an.

Genaue Auflagen für die Öffnung noch unklar

Wie genau die aussehen, wird erarbeitet. Frank Böhme, Inhaber von Just Fit, und Martin Seibold, Deutschland-Chef von Fitness First, erwarten keine großen Überraschungen. "Man braucht keine große Kristallkugel dafür", sagt Seibold im Gespräch mit sportschau.de: "Die Abstandregelung ist wichtig, Gerätedesinfektion vor und nach der Nutzung und auch der Schutz der Mitarbeiter".

Eine Umfrage unter den Fitness-First-Mitgliedern habe ergeben, dass eine "überwältigende Mehrheit" selbst die Desinfektion von benutzten Geräten, zum Beispiel Spinning Bikes, übernehmen würde.

Geräte gesperrt, Duschen auch

Genau auf diese Bereitschaft hoffen die Studios in dieser "neuen Normalität", wie diese zweite Phase der Pandemie von Politikern und Wissenschaftlern gerne bezeichnet wird. Denn ähnlich wie im öffentlichen Raum und anderen Teilen des gesellschaftlichen Lebens wird auch der Besuch im Fitnessstudio nicht derselbe sein wie vor der Krise.

Viele Geräte werden gesperrt sein, ebenso wie Duschen, Umkleiden, Schwimmbäder und Wellnessbereiche. Kurse sollen möglich sein, wenn auch mit deutlich weniger Menschen. Weil auf einer bestimmten Quadratmeterzahl nur eine bestimmte Menge an Personen erlaubt sind, ähnlich wie im Supermarkt, werden Klubs nicht unbegrenzt Mitglieder reinlassen dürfen. Eine Möglichkeit: Online-Voranmeldung für einen bestimmten Zeitraum per App oder Webseite.

Und auch die Maske könnte zur Pflicht werden. Hier sind sich Böhme und Seibold noch nicht einig. "Ich glaube, es gibt eine Maskenpflicht", sagt Böhme. Seibold glaubt eher an eine Empfehlung, Pflicht soll sie nur für Mitarbeiter sein.

Veränderung beim Training - in vielerlei Hinsicht

Fitnessstudios dürfen bald wieder öffnen

Fitnessstudios dürfen bald wieder öffnen.

Die aktuelle Situation könnte auf der anderen Seite dafür sorgen, dass sich auch der Sport selbst ändern wird. "Wir arbeiten intensiv daran, dass unsere Mitarbeiter die Trainingspläne umstellen", sagt Seibold: "Weniger Intensität, mehr Stärkung der Haltungsmuskulatur." Weil nicht jedes Mitglied einen persönlichen Trainer nutzt oder nach Trainingsplan trainiert, steht zwar ein schweißtreibendes Training jedem zu - ohne eine Dusche hinterher könnte diese Form des Workouts für viele aber eher unattraktiv sein.

Dass das Fitnessstudio insgesamt an Reiz verloren hat, glauben Böhme und Seibold nicht - obwohl viele Hobbysportler in den vergangenen Wochen verschiedene, oftmals kostenlose Möglichkeiten des Home-Workouts entdecken konnten. Fitness-YouTuber freuen sich über Zuspruch, schließlich macht die Digitalisierung auch vor dieser Branche nicht halt. "Die Veränderung in der Branche wird durch die aktuelle Krise beschleunigt", glaubt Seibold.

Verschiedene Modelle für zahlende Mitglieder

Böhme und Seibold hoffen aber spätestens im Herbst wieder mit einer größeren Zahl von Neuanmeldungen. Dann wird sich auch zeigen, ob alle Fitnessstudios die aktuelle Krise wirtschaftlich überlebt haben.

Ein Worst-Case-Szenario, wie es Böhme Mitte April prognostizierte und von bis zu 70 Prozent Schließungen sprach, falls die Klubs bis zum Ende des Sommers geschlossen bleiben, wird es wohl nicht geben. Viele kleinere Klubs ohne große Rücklagen könnten trotzdem Schwierigkeiten bekommen.

Deutschland hat keinen Sportminister, Frankreich und Spanien schon

Dass die Fitnessstudios sowie der Breiten- und Vereinssport nicht früher auf der politischen Agenda waren, bedauern Böhme und Seibold gleichermaßen. Politiker hätten oftmals gar keinen Blick für den Sport. "Und da rede ich nicht von der Bundesliga", sagt Böhme, "sondern vom Breitensport."

Ein möglicher Grund für den Unternehmer: ein fehlender Sportminister. Während es in Frankreich und Spanien eigens Sportminister für solche Angelegenheiten gibt, fällt diese Aufgabe in Deutschland dem Innenministerium zu - als eine von vielen.

Stand: 07.05.2020, 09:35

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