DOSB: Neues Hygienekonzept soll Sportbetrieb sichern

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Vereine in Not

DOSB: Neues Hygienekonzept soll Sportbetrieb sichern

Ein Hygienekonzept soll den Vereinen helfen, durch die Coronakrise zu kommen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann will damit die noch funktionierende Vielfalt im deutschen Sport erhalten - und verlangt den Abbau bürokratischer Hürden, um an die Hilfsgelder zu kommen.

Rund 89.000 Vereine versammeln sich unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Mit 27 Millionen Mitgliedern vereint die Organisation ein Drittel der deutschen Bevölkerung.

Mit einem entwickelten nationalen Rahmen-Hygienekonzept für die Veranstaltung von Sportwettbewerben will der DOSB den Vereinen und Verbänden in der Pandemie eine Hilfestellung geben. "Zielstellung ist, dass wir gerade in der jetzt schwierigen Phase, die ansteht, für den Sport und das ganze Land Sicherheit bieten - Sicherheit auf der Vereinsebene wie im Spitzensport und für alle Sportarten", sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann.

Probleme bei den Hilfsprogrammen

Das vom TÜV Rheinland geprüfte Hygiene-Rahmenkonzept soll ein Basisbaustein für die Durchführung von Sportveranstaltungen sein. Je nach Art und Größe der Veranstaltung, vom Sportfest im Verein bis zur Durchführung einer Weltmeisterschaft, könnten die Veranstalter eigenständig sportart- und veranstaltungsspezifische Bausteine ergänzen.

DOSB stellt neues Hygienekonzept vor

Sportschau 23.10.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 23.10.2021 ARD Von Thorsten von Wege


Das Hygienekonzept basiert auf den zehn "DOSB-Leitplanken" aus dem Frühjahr zum Wiedereinstieg in den Spiel-und Wettbewerbsbetrieb nach dem Lockdown. Neben generellen Vorgaben würden die Basisstandards den Veranstaltern für Athlet, Trainer, Zuschauer oder Helfer eine sichere Begleitung durch alle Phasen einer Veranstaltung, von der Anmeldung und Anreise bis zum sicheren Verlassen des Veranstaltungsortes und einer dokumentierten Kontaktnachverfolgung bieten.

Keine Anträge trotz purer Existenzangst

Weiteres Problem: Der Bund hat einst 200 Millionen Euro für ein umfassendes Corona-Hilfsprogramm bewilligt, um auch Profivereine abseits des dominierenden Fußballs das Überleben zu sichern. Aber die bürokratischen Hürden sind offenbar zu hoch, beklagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

"Die Not ist sehr groß. Viele Vereine stehen vor dem Abgrund. Aber die sehr komplizierten Ausführungsbestimmungen aus diesem Soforthilfeprogramm ermöglichen es vielen nicht, obwohl Existenzangst pur, Anträge zu stellen", sagte Hörmann am Freitag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. "Wir hoffen, dass wir zu einer praxisbezogenen Umsetzung in den kommenden Monaten kommen werden."

Bisher seien nur rund 25 der 200 Millionen Euro von Vereinen der Bundesligen und 2. Bundesligen - außer Fußball - abgerufen worden. "Das Problem liegt in den besonderen Bestimmungen, aber die Regularien widersprechen zum Teil den Lizenzierungsverfahren", erklärte der DOSB-Chef. "So wie das Programm im Moment in den Ausführungsbestimmungen definiert ist, werden viele Vereine in die Insolvenz gehen, ohne die Chance zu haben, auf das Programm zurückzugreifen."

Das Hygienekonzept soll wiederum ein aktiver Beitrag sein, "dass Sportdeutschland weiterhin in Bewegung bleiben" könne, so Hörmann. Man wolle Hilfe zur Selbsthilfe leisten. "Gleichzeitig werben wir gegenüber Politik und Verwaltungen für die breite Akzeptanz dieser geprüften Standards". Denn die schönsten Konzepte können nur greifen, wenn die lokalen Behörden auch die Genehmigung erteilen.

Wird der Wert des Sports verkannt?

Nordrhein-Westfalen will vorerst grundsätzlich für keinen Proficlub, egal ob Fußball oder andere Sportarten, mehr Zuschauer zulassen. Während Fußball-Bundesligisten dank der üppigen Fernsehgelder und garantierten Sponsoringerlöse noch weiterleben, geht es für Sportarten, die auf jeden Cent der Ticketeinnahmen angwiesen sind, um die Existenz. Das setzt sich bis in die kleinen Vereine fort.

Die Lage ist deswegen dramatisch, da an der Basis nicht nur elementare Dinge des Sports vermittelt werden, sondern auch Grundelemente des Zusammenlebens. Wo kommen Kinder aller Altersklassen, unabhängig von der Herkunft, abseits der Schule so früh und so leicht miteinander in Kontakt wie beim Turnen, Fußball oder Handball? Es gibt wohl keine bessere Integrationsmaschine als den Sport - dieser Satz wird bei Sonntagsreden von Sportfunktionären wie Politikern oft verwendet.

red,sid, dpa | Stand: 23.10.2020, 12:05

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