IOC will Box-Weltverband AIBA ausschließen

Gaibnazarov (l.) gegen Collazo bei den Olympischen Spielen in Rio

Entscheidung über Ausrichter

IOC will Box-Weltverband AIBA ausschließen

Boxen bleibt im olympischen Programm, aber der Weltverband AIBA muss einen K.o.-Schlag hinnehmen: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will den Verband nach einer Reihe von Skandalen von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ausschließen.

Einen entsprechenden Vorschlag machte die IOC-Exekutive unter der Leitung von Präsident Thomas Bach der IOC-Vollversammlung, die auf ihrer Sitzung vom 24. bis 26. Juni in Lausanne wohl das endgültige Aus beschließen wird. Seit Monaten lieferten sich beide Verbände einen Streit, jetzt sprach das IOC ein Machtwort und stützte sich dabei auf die Ergebnisse einer IOC-Kommission.

Das Gremium unter der Leitung des serbischen Ringerweltverbands-Präsidenten Nenad Lalovic kam zu dem Ergebnis, dass es bei der AIBA zu viele Ungereimtheiten auf den Gebieten Good Governance, Finanzen und Ethik gibt. Zudem haben skandalöse Entscheidungen der Ringrichter bei den jüngsten beiden Olympischen Sommerspielen 2012 in London und 2016 in Rio das Ansehen der AIBA stark beschädigt.

IOC: Das Problem hat einen Namen

Das größte Problem aus Sicht des IOC ist allerdings wohl der umstrittene ehemalige AIBA-Präsident Gafur Rachimow. Der Usbeke, der von US-Behörden als einer der führenden Kriminellen seines Landes eingestuft wird, soll trotz seines Rücktritts im März und der Wahl von Mohamed Moustahsane (Marokko) zum Interimspräsident weiter im Hintergrund die Strippen ziehen.

"Die heutige Entscheidung wurde im Interesse der Athleten und der Sportart Boxen getroffen. Wir wollen sicherstellen, dass die Athleten ihren Traum von der Teilnahme an Olympischen Spielen leben können", sagte Bach, "gleichzeitig bieten wir einen Weg, die Suspendierung wieder aufzuheben, aber es sind weitere fundamentale Änderungen notwendig."

AIBA könnte vor den CAS ziehen

Präsident Jürgen Kyas vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV) rechnet mit einer Klage der AIBA vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. "Es ist davon auszugehen, dass die AIBA die Suspendierung nicht hinnehmen wird", sagte Kyas, Mitglied der 25-köpfigen Regierung der AIBA. Wie das IOC weiter erklärte, werde eine Task Force unter dem Vorsitz des japanischen IOC-Mitglieds Morinari Watanabe sowohl die Qualifikationsturniere als auch das olympische Turnier organisieren. Es soll acht Männer- und fünf Damengewichtsklassen geben. Nach Tokio 2020 soll geprüft werden, ob die AIBA den alten Status zurückerhält.

Die AIBA war vor der Sitzung der Exekutive der Überzeugung gewesen, alle Auflagen des IOC erfüllt zu haben. Das Kampfrichterwesen wurde reformiert, zwei zusätzliche Aufpasser sollen die Ringrichter und fünf Punktrichter in Zukunft kontrollieren. Die Finanzen wurden konsolidiert. Ein russisches AIBA-Exekutivmitglied ist bereit, für die 16 Millionen US-Dollar Schulden des Verbandes einzustehen, auch weil Boxen in Russland eine große Nummer ist und dort in diesem Jahr die Weltmeisterschaften stattfinden.

Schon früher Turbulenzen

Die AIBA war allerdings schon vor der Zeit von Rachimow in Turbulenzen geraten. Unter dem früheren Präsidenten Wu Ching-Kuo (Taiwan) liefen Schulden in Höhe von 40 Millionen US-Dollar auf. Wu ist bei der AIBA auf Lebenszeit gesperrt, gehört aber weiterhin dem IOC an - ein Umstand, den die AIBA heftig kritisiert.

dpa | Stand: 22.05.2019, 20:36

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