Boxen: AIBA-Ausschluss und die sportlichen Auswirkungen

Olympia 2020 in Tokio - IOC schließt Boxweltverband aus Sportschau 30.06.2019 05:29 Min. Verfügbar bis 30.06.2020 Das Erste

Der Ausschluss der AIBA

Boxen: AIBA-Ausschluss und die sportlichen Auswirkungen

Das IOC hat einen seiner Verbände, den Amateurbox-Weltverband AIBA, von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ausgeschlossen. Für Boxerin und Athletensprecherin Nadine Apetz ist die Hauptsache, dass Boxen auch 2020 olympisch bleibt.

Nach zahlreichen Skandalen schließt das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Boxweltverband AIBA endgülltig von den Olympischen Spielen in Tokio aus. Die Olympia-Qualifikation organisiert das IOC selbst. Am Mittwoch (26.06.2019) folgte die Vollversammlung des IOC auf der 134. Session in Lausanne einstimmig einer Empfehlung der Exekutive. Zudem wird der AIBA auch die finanzielle Unterstützung durch das IOC in Höhe von rund 17 Millionen Dollar im olympischen Zyklus verwehrt. Am 15. November soll ein neuer Präsident gewählt werden.

Boxen bleibt olympisch

Das wichtigste für die Athleten: Boxen bleibt auch 2020 in Tokio olympisch. Der Boxwettbewerb, der seit 1904 jedes Jahr im olympischen Programm steht, wird nun vom IOC organisiert. Außerdem scheinen vor allem Boxerinnen auf den ersten Blick zu profitieren. Während in Rio noch 250 Männer und 36 Frauen um Medaillen boxten, werden es in Tokio 186 Männer und 100 Frauen sein.

"Keine große Rolle"

Für die Boxerinnen und Boxer spielt der Auschluss der AIBA laut Athletensprecherin und Boxerin Nadine Apetz keine entscheidende Rolle. Im deutschen Boxteam, welches aktuell in Minsk bei den European Games um Medaillen kämpft, werde laut Apetz nicht viel über die Entscheidung des IOC gesprochen. "Ich glaube, uns geht es weniger darum, ob unser Weltverband die Turniere ausrichten darf oder nicht, sondern darum, ob Boxen olympisch bleibt oder nicht. Es bleibt olympisch und das ist für uns das Allerwichtigste", sagte die 33-jährige Apetz im Interview mit der Sportschau.

Boxerin Nadine Apetz: "Keine große Rolle" Sportschau 28.06.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 28.06.2020 Das Erste

Wie es nach den European Games weitergeht, weiß noch keiner, auch nicht Apetz. Aktuell steht noch nicht fest, wann und wo sich die Athleten qualifizieren können. Dies spiele momentan jedoch für Apetz und ihre Teamkollegen, neben der Tatsache, dass Boxen olympisch bleibt, die größte Rolle. "Uns interessiert, welche Turniere anstehen, wann und wo diese stattfinden und wie viele Plätze es gibt. Das wird ja jetzt alles nochmal vom IOC aufgekrempelt".

Große Ungewissheit

Nach den European Games ist vor der Qualifikation für Olympia. Ende Oktober will das IOC in Tokio ein erstes Test-Turnier für die Qualifikation austragen. "Ende Oktober wäre theoretisch unsere Weltmeisterschaft gewesen. Jetzt weiß ich gerade auch überhaupt nicht, ob wir zu dem Vorbereitungsturner fahren und ob die WM überhaupt stattfindet. Da herrscht momentan auf jeden Fall so ein bisschen Unwissenheit", sagt Apetz.

Ungewissheit herrscht laut Apetz nicht nur im Boxlager. "Ich glaube, nicht einmal das IOC ist so ganz sicher, was da wie und wo passieren wird". Dennoch kann die Boxerin die Aufregung und Ungewissheit verdrängen. "Es gibt immer das nächste Ziel, das gerade am Wichtigsten ist und da blendet man manchmal das Große und Ganze aus".

Änderung durch den AIBA-Ausschluss

Ungewiss ist auch, welche Athleten bei der Qualifikation für Olympia nominiert werden. Die endgültigen Nominierungen werden nun vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorgenommen. Vor allem bei den Männern könnte es da zu knappen Entscheidungen kommen. Nadine Apetz hofft, dass sich der DOSB bei der Entscheidung fachlichen Rat holt.

Jürgen Kyas, Vorstand des Deutschen Boxsport-Verbandes und Mitglied des Exekutivkomitees der AIBA, möchte die Athleten beruhigen und erklärt im Interview: "Wir werden alles dafür tun, dass niemand unsere Athletinnen und Athleten verunsichert. Hier geht es um das erfolgreiche Wohl unserer Athletinnen und Athleten und um nichts anderes." Kyas betonte zudem, es gäbe keine Zweifel, dass die Box-Weltmeisterschaft im Herbst, unabhängig von dem AIBA-Ausschluss, wie geplant stattfinden werde.

DBV-Präsident Jürgen Kyas: „Wir werden mit einer vollen Mannschaft zur WM fahren“ Sportschau 28.06.2019 00:32 Min. Verfügbar bis 28.06.2020 Das Erste

Froh über eine Entscheidung

Die Athleten im deutschen Boxlager sind froh, dass in Sachen AIBA eine Entscheidung getroffen wurde und man sich nun erst einmal auf den Sport konzentrieren kann, auch wenn vieles noch offen und nicht geregelt ist. "Es ist schon ganz okay so, wie es jetzt ist", sagte Apetz. Wie die Qualifikationsturniere für Olympia genau aussehen werden, wird sich noch zeigen. Fest steht: Die AIBA wurde voerst von dem IOC aus dem Verkehr gezogen und das IOC entscheidet alleine, wie, wann und wo die Qualifikationsturniere für Olympia 2020 ausgetragen werden.

Nadine Apetz: "Ganz okay so, wie es ist" Sportschau 28.06.2019 00:53 Min. Verfügbar bis 28.06.2020 Das Erste

red/sid/dpa | Stand: 29.06.2019, 12:01

Darstellung: