Tasten statt Tokio: Borger/Sude mit ganz neuem Spielrhythmus

Karla Borger (links) und Julia Sude.

Beachvolleyball | Olympia

Tasten statt Tokio: Borger/Sude mit ganz neuem Spielrhythmus

Die Stuttgarter Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude sind es gewohnt, auf der großen Bühne zu performen. Wegen der Olympia-Absage harmoniert das Duo nun nicht nur im Sand, sondern auch an den Instrumenten.

A-Moll statt Angriffsschlag, Blasintrument statt Block und Tasten statt Tokio: Not macht erfinderisch - das hat das Stuttgarter Beachvolleyball-Duo Karla Borger und Julia Sude bereits im Corona-Tagebuch für SWR Sport bewiesen. Doch dass die Beiden nicht nur auf dem Sandplatz prächtig harmonieren, hätten sie wohl beide nicht gedacht. Aber von vorne...

Die Musikschule Kornwestheim an einem heißen Sommertag im Juli. Julia Sude sitzt am Klavier, Karla Borger steht daneben mit ihrem Saxophon. Tabea Booz, Musiklehrerin an der Musikschule Kornwestheim, beschwichtigt zunächst: "Wir machen das mal gaaaanz, ganz langsam!" Booz hat sich für die beiden Profisportlerinnen den Alltime-Klassiker "Hit the road Jack" von Ray Charles rausgesucht. Nach einem ersten Anstimmen und der Suche nach den richtigen Akkorden, harmonieren die beiden immer besser.

Musik statt olympisches Beachvolleyball-Turnier 04:34 Min. Verfügbar bis 23.07.2021

Schwitzen am Bauchnabel als Training für Olympia 2021

"Es ist witzig; also es ist eine gute Abwechslung: Musik und Sport gehören für mich irgendwie zusammen. Und da kann man mal seine Teamfähigkeit auf einer anderen Ebene testen", sagt Julia Sude, die 2019 mit Karla Borger ihren dritten deutschen Meistertitel im Beachvolleyball gewinnen konnte. Karla Borger spielt seit der 6. Klasse Saxophon, Julia Sude nimmt seit der 3. Klasse Klavierunterricht. Im Konzert der Großen spielen - das wollten Julia Sude und Karla Borger eigentlich im Sand von Tokio. Doch wegen der corona-bedingten Olympia-Absage mussten sie sich andere Zeitfüller suchen.

Doch auch das Musizieren funktioniert, und ganz nebenbei ist Musik dann auch irgendwie Training für die verschobenen Spiele. "Ich hab geschwitzt eben beim Spielen", scherzt Borger nach der Duett-Premiere. "Ich hab tatsächlich am Bauchnabel geschwitzt, weil es sehr aufregend war und sehr anstregend für mich mit dem tiefen H."

Endlich mal den Kühlschrank füllen, Zeit für die Familie

Zunächst war die Olympia-Absage ein Schock für die beiden. Doch Zeit für andere Dinge zu haben, wurde zur willkommenen Abwechslung. Für die 31-jährige Borger stand die Zeit in den eigenen vier Wänden und das Ankommen im Mittelpunkt: "Man kann es das einfach mal genießen, den Kühlschrank füllen zu können, ohne das man dann wieder weg ist. Vor allem auch dieses Koffer ein und auspacken - das ist dann schon manchmal ein bisschen lästig." Bei etwa 350 Reisetagen im Jahr ist das ansonsten kaum möglich. Auch die ein Jahr ältere Julia Sude kann der Absage etwas Positives abgewinnen: "Ich bin öfter bei meiner Familie. Ich konnte Ostern mit meiner Familie verbringen - seit langem mal wieder."

Musik und Sport - mehr Gemeinsamkeiten als gedacht

Gemeinsames Training und die ersten Turniere für das Team Borger/Sude inzwischen wieder möglich. Doch ob im Sand, am Saxophon oder am Klavier - das Duo weiß nun: Sport und Musik ergänzen sich. "Ich denke, es geht eher so um das Kognitive. Und wenn man zusammen spielt, auch um die Teamfähigkeit, dass man sich abstimmt, dass man da eine Ebene findet. Wenn ich Noten lerne, was auswendig spielen muss, hilft das natürlich auch im Sport, sich auf längere Sicht zu konzentrieren." Und Konzentration ist nötig - für das Langzeitziel Olympia 2021. Durch den Ausflug in die Musik haben Julia Sude und Karla Borger jedenfalls einen ganz neuen Spielrhythmus gefunden.

SWR | Stand: 25.07.2020, 12:42

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