Favoriten, Deutsche, Superstars - die NBA-Saison

Kevin Durant (l.) gegen LeBron James

Zum Saisonstart

Favoriten, Deutsche, Superstars - die NBA-Saison

Von Robin Tillenburg

Die NBA-Saison startet in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (17.10.2018) mit den Top-Partien Boston Celtics gegen die Philadelphia 76ers und den Golden State Warriors gegen die Oklahoma City Thunder.

Die Favoritenfrage stellt sich eigentlich nicht. Der Top-Titelanwärter sind wie auch in den vergangenen Jahren die Golden State Warriors. Das Team, das drei der jüngsten vier Meisterschaften gewann, wurde im Sommer in der Spitze noch einmal durch die Verpflichtung von Center DeMarcus Cousins verstärkt. Der Big Man wird nach einem Achillessehnenriss zwar erst im späteren Saisonverlauf beim Team erwartet, doch auch ohne ihn haben Stephen Curry, Kevin Durant und Co. ja bereits mehrfach bewiesen, dass sie wohl zu den besten NBA-Teams aller Zeiten gehören.

Stark besetztes Boston

Natürlich gibt es aber auch Teams, die sich die Hoffnung machen, Golden State vom Thron stoßen zu können. Da in den Finals traditionell ein West-Team (Golden State?) auf ein Ost-Team treffen wird, dürfen hier die Boston Celtics als realistischster Kandidat gelten. Der Rekordchampion hat ein extrem junges Team, das schon in der vergangenen Spielzeit im Ost-Finale nur am alles überragenden LeBron James und dessen Cleveland Cavaliers scheiterte.

Nun sind die damals verletzten Superstars Gordon Hayward und Kyrie Irving wieder dabei - wohl kein Team hat einen in der Breite so hochkarätig besetzten Kader. Stimmt die Chemie zwischen Hayward, der die komplette vergangene Spielzeit verpasste, und den jungen Kollegen, und machen die Talente ihren nächsten Entwicklungsschritt, sind die Celtics ein Titelkandidat.

Philadelphia und Raptors auch mit Chancen?

Dahinter stehen im Osten nicht die Cavaliers, die nach dem Abgang von James wohl eher um eine Play-off-Teilnahme anstatt um den Titel spielen, sondern möglicherweise die Philadelphia 76ers. Ähnlich wie bei Boston sind die Topspieler (Ben Simmons, Joel Embiid, Dario Saric und - wenn er denn wieder voll einsatzfähig ist - Markelle Fultz) noch jung und dürften in den nächsten Jahren, sofern sie ihre bereits prall gefüllte Krankenakte jetzt endlich mal geschlossen haben, für Furore in der Stadt der brüderlichen Liebe sorgen.

Möglicherweise sprechen auch die Toronto Raptors, die zwar ihre Identifikationsfigur DeMar DeRozan abgegeben, aber dafür in Kawhi Leonard einen absoluten Superstar bekommen haben, ebenfalls noch ein Wörtchen mit. Hinter diesen drei Teams dürfte aber aus dem Osten keines in der Lage sein, die Warriors zu gefährden.

Houston, Oklahoma, Portland

Im hochkarätig besetzten Westen ist das Feld hinter Golden State etwas größer. Titelchancen haben die Houston Rockets, die in den vergangenen West-Finals das einzige Team der Saison waren, das dem späteren Champion wirklich gefährlich wurde. Funktioniert das Team um MVP James Harden und Chris Paul weiterhin so gut wie zuletzt und schlägt Neuverpflichtung Carmelo Anthony auf seine alten Tage noch einmal ein, ist einiges möglich. Die Abgänge von den starken Verteidigern Trevor Ariza und Luc Mbah a Moute tun allerdings weh.

Während sich die Oklahoma City Thunder mit dem neuen Point-Guard-Tandem aus Russell Westbrook und Dennis Schröder und die Portland Trail Blazers auch durchaus Titelchancen ausrechnen, müssen an dieser Stelle erstmals seit Jahren auch noch die Los Angeles Lakers genannt werden. Ein Team, das LeBron James verpflichtet, ist zu fast allem in der Lage.

Spektakuläre Lakers als Stolperstein?

Schaut man auf den sonstigen Kader der Lakers, muss man zwar sagen, dass dieser zwar vielversprechend ist, aber eigentlich nicht mit dem der anderen "echten" Titelanwärter mithalten kann. Das war vergangene Saison in Cleveland aber auch so und der "King" hievte die Truppe trotzdem bis in die Finals. Mit Brandon Ingram, Lonzo Ball und Kyle Kuzma bekommt James drei Rohdiamanten an die Seite, die er weiter formen soll, mit Rajon Rondo einen der erfahrensten und besten Passgeber der Liga. Und auch sonst bietet der Kader, in dem in Moritz Wagner und Isaac Bonga auch zwei Deutsche stehen, durchaus Potenzial für spektakulären und erfolgreichen Basketball.

Grundsätzlich dürften die Lakers (noch) nicht bereit für den Titel sein. James unterschrieb langfristig in der Stadt der Engel und soll dabei helfen, das Team, das seit 2012/13 nicht mehr die Play-offs erreichen konnte, mittelfristig wieder zu einem echten Contender zu machen. In dieser Spielzeit dürften die Lakers zumindest die Play-offs wieder erreichen und dort das West-Team sein, gegen das keiner der Topfavoriten antreten will. Stichwort: Stolperpotenzial.

Die Rolle der Deutschen

Noch nie spielten übrigens so viele deutsche Spieler in der Liga. Sieben sind es insgesamt. Ihre Rollen und die Lage ihrer Teams ist unterschiedlich.

Dirk Nowitzki und Maxi Kleber (beide Dallas Mavericks): Superstar Nowitzki spielt seine 21. NBA-Saison für die Mavericks - Liga-Rekord. Erstmals wird er allerdings wohl meist von der Bank ins Spiel kommen. Die ersten Spiele fehlt er ohnehin verletzt. Als Mentor und Franchise-Ikone ist seine Rolle dennoch weiterhin wichtig. Kleber ist ebenfalls eher als Rotationsspieler eingeplant, dürfte nach seiner soliden Debüt-Saison aber auf seine Minuten kommen.

So viele Deutsche wie noch nie in der NBA

Sportschau 16.10.2018 02:41 Min. Verfügbar bis 16.10.2019 ARD

Generell dürfte bei den Mavericks nach den zuletzt verpassten Play-offs und einer schwachen Saison nun wieder Aufbruchsstimmung herrschen: In "Wunderkind" Luka Doncic hat man den spannendsten Spieler des Drafts verpflichtet und sich möglicherweise den Nachfolger Nowitzkis als langfristige Identifikationsfigur gesichert. Dazu wurde in DeAndre Jordan ein athletischer und erfahrener Center verpflichtet. Vielleicht reicht es sogar für die Play-offs.

Dennis Schröder (Oklahoma City Thunder): Schröder wollte nicht mehr der einzige Star in einem Team sein, das sich im absoluten Neuaufbau befindet und am unteren Ende der Tabelle spielt. Sein Wechsel von den Atlanta Hawks zu den Thunder ist somit logisch. In Oklahoma wird er meist der Backup von Superstar Westbrook sein, der allerdings zu Saisonbeginn ausfällt. Wenn Schröder mit dem Star und seiner eigenen Rolle zurechtkommt, könnte diese Zweckgemeinschaft aber durchaus fruchtbar für beide Seiten werden.

Daniel Theis (Boston Celtics): Verletzungsbedingt fehlte Theis in den vergangenen Play-offs bei den Celtics, nun ist er wieder gesund und wird sich dem Konkurrenzkampf im breiten Kader stellen. Als einer der Publikumslieblinge und mit seinem sehr energiegeladenen Spiel dürfte er aber eine ähnlich solide Rolle von der Bank kommend spielen wie vergangene Saison.

Moritz Wagner und Isaac Bonga (beide Los Angeles Lakers): Wagner und Bonga sind Teil eines der spannendsten NBA-Teams und dürfen vom absoluten Superstar James lernen. Die Lakers sicherten sich an beiden Talenten im Draft die Rechte und während der jüngere Bonga wohl viel Zeit im Farmteam verbringen wird, um nach und nach ans NBA-Niveau herangeführt zu werden, könnte Wagner, wenn er denn seine aktuelle Verletzung überwunden haben wird, durchaus zur Rotation gehören und Minuten sehen.

Isaiah Hartenstein (Houston Rockets): Hartenstein hat die vergangene Saison im Kader des Rockets-Farmteam Rio Grande Valley Vipers verbracht und seine Sache dort so gut gemacht, dass die Rockets ihn für diese Spielzeit in den Kader beriefen. Ein Jahr nach seinem Draft hat sich der 20-Jährige offenbar so weit verbessert, dass man ihm zutraut, in der NBA zu bestehen. In entschiedenen oder weniger wichtigen Spielen, dürfte Coach Mike D'Antoni den Deutschen durchaus ab und an testen.

Stand: 16.10.2018, 13:23

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