Die Detroit Pistons und das Hamsterrad

Ausgeschieden: Andre Drummond von den Detroit Pistons

Nach Aus gegen Milwaukee

Die Detroit Pistons und das Hamsterrad

Von Robin Tillenburg

Für die Detroit Pistons bedeutet das glatte Erstrundenaus in den Playoffs der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA gegen die Milwaukee Bucks einen traurigen Ligarekord: Vierzehn Playoff-Partien hintereinander hat die Franchise nun verloren. Die Gründe sind irgendwie ehrenhaft und selbstverschuldet zugleich.

Acht Teams kommen aus jeder Conference - West und Ost - in die Playoffs. Der Tabellenachte der jeweiligen Conference spielt in der ersten Runde gegen den Ersten, der Siebte gegen den Zweiten usw. Gleichzeitig ist es so, dass die Schlusslichter der je aus 15 Teams bestehenden Conferences bei der jährlichen Talenteauswahl der NBA (dem "Draft"), die besten Chancen haben, früh aus den zur Verfügung stehenden Nachwuchsspielern zu wählen.

Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Die richtig guten Teams bleiben gut. Die richtig schlechten Teams bekommen die besten Nachwuchsspieler, um sich zu verbessern. Und die Teams in der Mitte schauen in die Röhre. Oder, noch einmal anders formuliert: Sie bleiben zu gut für die letzten Plätze und zu schwach für eine realistische Titelchance.

Zwei risikoreiche Alternativen - und der schleppende Mittelweg

Das hat zur Folge, dass sich viele Teams eigentlich im Hinblick auf ihre Planungen ständig mit zwei Alternativen befassen müssen: Bauen wir uns neu auf, indem wir einen jungen, günstigen, aber schwächeren Kader stellen - mit dem Risiko, dass aus ein paar dann doch richtig viele schlechte Jahre am Tabellenende werden, weil die Talente nicht zünden und kein vertragsloser Superstar zu uns kommen möchte?

Oder greifen wir ganz oben an und gehen dafür das Risiko ein, dass wir Starspielern so viel Geld bezahlen und langfristige Verträge verschaffen, dass uns bei Misserfolg jahrelang die Hände gebunden sind, weil wir keinen finanziellen Spielraum haben und unsere teuren, aber erfolglosen Spieler niemand haben möchte? Oder wollen wir einen Mittelweg?

Wallce, Billups und Co. - danach lange nichts

Genau in der Mitte dieser beiden Alternativen mit der Tendenz zur zweiten befindet sich unter anderem Detroit. Die traditionsreiche Franchise spielte Anfang der 2000er Jahre regelmäßig im Konzert der ganz großen NBA-Teams mit. Der Höhepunkt: der Titelgewinn 2004, den das unglaublich defensivstarke Team um Chauncey Billups und Ben Wallace gegen die Los Angeles Lakers eintütete. Auch danach blieben die Pistons relevant, standen erneut im Finale (2005) oder gehörten zumindest in ihrer Eastern Conference zu den besten Teams (bis 2008). Im Jahr 2009 wurde man in der Regular Season schließlich "nur" Achter. Es folgte das 0:4-Erstrundenaus gegen die Cleveland Cavaliers um LeBron James.

2004: Pistons-Star Richard Hamilton feiert bei der Stadtparade nach dem Titelgewinn

2004: Pistons-Star Richard Hamilton feiert bei der Stadtparade nach dem Titelgewinn.

Es sollte ein schneller Neuaufbau erfolgen - doch der gelang nicht wirklich. Sechs Jahre hintereinander fanden die NBA-Playoffs ohne Detroit statt - ein Zeitraum, in dem man genügend Talente hätte akquirieren können, um für die Zukunft ein schlagkräftiges Team mit dem ein oder anderen Superstar zu bauen. Doch bis auf Andre Drummond, der als Center auch heute noch eine der Säulen im Team, sportlich aber nicht bis ganz in die oberste Elite-Riege aufgestiegen ist, hatte man kein wirklich gutes Händchen.

Immer wieder gegen den Ostprimus

Verletzungen und missglückte Trades kamen dazu, sodass man erst 2016 als Achter wieder Playoff-Basketball in der "Motor City" zu sehen bekam. Wieder hieß der Gegner Cleveland, wieder war James beteiligt, wieder endete die Serie 0:4. Nach zwei folgenden Jahren auf Rang zehn und neun spielten die Pistons in diesem Jahr als Achter mal wieder gegen den Ost-Primus und wurden von den Bucks und Giannis Antetokounmpo versohlt. 14 Playoff-Niederlagen hintereinander gab es in der NBA noch nie für eine Franchise.

Griffin und Drummond sind teuer - und gebunden

Weil der Anfang 2018 akquirierte Blake Griffin und Drummond noch länger laufende, teure Verträge haben, sind personell im Sommer keine großen Sprünge für die Pistons möglich. Eines der Toptalente werden sie sich im Draft aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht sichern können, sie dürfen erst an 15. Stelle wählen. Indem man sich eben für eine Verpflichtung Griffins und im letzten Sommer dann auch für den stets siegeswilligen Dwane Casey als neuen Coach entschied, wurde Perspektive geopfert und ein glaubwürdiges "Tanking", das eigentlich verbotene absichtliche Verlieren, quasi unmöglich. Unter anderem gab man künftige Draft Picks und den bis dato besten Spieler Tobias Harris ab. Griffin ist immerhin schon 30 und verletzungsanfällig.

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Mentalität "verbietet" Tanking

Nun stehen also voraussichtlich mit einem Gerüst, das nicht mehr ganz so viel Potenzial nach oben, aber dennoch durchaus ordentliche NBA-Spieler und einen anfälligen Starspieler in den Reihen hat, noch mindestens zwei Saisons an. Auch in diesen dürfte Detroit wieder versuchen, in die Playoffs zu kommen. Und das möglicherweise auch als Siebter oder Achter schaffen.

Enttäuscht: Pistons-Star Blake Griffin

Enttäuscht: Pistons-Star Blake Griffin

Dass es für mehr reicht, ist unwahrscheinlich. Man ist in Detroit aber auch schlichtweg nicht willens, Spiele abzuschenken und somit durch Saisons am Tabellenende die Chance auf Toptalente zu erhöhen - harte Arbeit und unbedingter Siegeswille gehören zu den Attributen, mit denen die Stadt sich identifiziert. Es ist ein Hamsterrad, aus dem es - nicht nur für die Pistons - nur ein sehr mühsames Entkommen gibt.

Stand: 23.04.2019, 12:00

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