NBA - Wie die Clippers die Liga ärgern

Montrezl Harrell und Danilo Gallinari jubeln

Überraschend stark

NBA - Wie die Clippers die Liga ärgern

Von Robin Tillenburg

Das beste Basketballteam in Los Angeles haben - zumindest tabellarisch - aktuell nicht die Lakers mit Superstar LeBron James, sondern die Clippers. Die sind aktuell sogar Tabellenführer der Western Conference.

Die Clippers besiegten in der Nacht zu Donnerstag (29.11.2018) das Ligaschlusslicht Phoenix Suns mit 115:99 - soweit kein Grund für Jubelstürme, denn gegen Phoenix gewinnt so ziemlich jedes NBA-Team aktuell.

Doch die Clippers sind durch den Sieg nicht Zehnter, wie am Ende der vergangenen Saison, sondern weiterhin Primus im Westen - 14:6 lautet die Siegesbilanz des Teams von Coach Doc Rivers, und auch wenn das nach 20 von 82 ausgetragenen Spielen nur eine Momentaufnahme ist, so ist es doch mehr als bemerkenswert. Die meisten Prognosen hatten den Clippers im so ausgeglichen stark besetzten Westen vor der Saison maximal eine Außenseiterchance auf die Play-off-Plätze eingeräumt.

Kein Titelanwärter, aber große Zukunft?

Dass man auch jetzt kein ernsthafter Anwärter auf den Conference-Titel und die Meisterschaft ist, muss man im Umfeld der Clippers und in Zeiten der Golden State Warriors auch niemandem erklären. Aber die Zukunftsaussichten sind angesichts des kommenden Sommers, in dem die Franchise über extrem viel Gehaltsspielraum und nun offenbar ja auch ein bereits konkurrenzfähiges Team verfügt, gar nicht so schlecht. Free Agents dürften sich mit den Clippers dann jedenfalls genauer beschäftigen - in diesem Sommer scheiterte man dem Vernehmen nach noch an der Verpflichtung von Kawhi Leonard.

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Der aktuelle Höhenflug des Rivers-Teams, der durchaus auch zu einem Play-off-Platz am Saisonende führen kann, ist unter anderem dadurch zu erklären, dass man einige vermeintliche "Weisheiten" der "modernen" NBA auf den Kopf stellt.

Weisheit 1: Man braucht Superstars, die das Team tragen, um erfolgreich zu spielen

Die Clippers haben im Sommer 2017 angefangen, ihre langjährige "Big Three" aufzulösen und nacheinander ihre Superstars Chris Paul, Blake Griffin und DeAndre Jordan abgegeben oder ziehen lassen. Einen "schillernden" Namen bekamen sie seither nicht als Gegenwert, aber einige durchaus vielversprechende Spieler und Draft-Picks. Das starke Kollektiv ist der "Superstar" des Teams, in dem die Stimmung ohne Paul und Co., die sich laut Aussage von Coach Rivers teilweise auch einfach nicht mochten, hervorragend ist. Die Spielminuten werden gleichmäßiger als bei anderen Mannschaften aufgeteilt, und somit haben die Clippers auch in den Schlussphasen der Partien regelmäßig das bessere Ende für sich.

Um doch ein paar Namen zu nennen: Flügelspieler Tobias Harris, der mit seiner starken "Allround-Leistung" am nächsten an das Prädikat "Star" herankommt, Lou Williams, der schon zweimal den Award des besten Einwechselspielers gewann, "Shooter" Danilo Gallinari oder 2,22-Meter-Hüne Boban Marjanovic, der durch seine Physis, wenn er richtig eingesetzt wird, für viele Gegner eine unüberwindbare Hürde darstellt. Erleben durfte das gegen Phoenix auch dessen Top-Rookie DeAndre Ayton. Der Nummer-Eins-Pick des vergangenen Drafts hatte gegen den Hünen überhaupt keine Chance.

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Der junge Montrezl Harrell ist als großgewachsenes Energiebündel von der Bank ebenso eine der Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit. Dazu sicherte man sich im Draft auch Shai Gilgeous-Alexander, der sich mit erst 20 Jahren schon in die Startformation gespielt hat und zu den absoluten Säulen des Teams gehört.

Weisheit 2: In der modernen NBA muss man viele Dreipunktewürfe nehmen

Spätestens durch Stephen Curry und seine Teamkollegen bei den Golden State Warriors ist es in Mode gekommen, möglichst häufig aus der Distanz zu werfen, um drei statt zwei Punkte für einen Korberfolg zu bekommen. Die Anzahl der Dreipunktewürfe, die ligaweit pro Spiel genommen werden, hat sich seither drastisch erhöht. Die Houston Rockets werfen beispielsweise bisher 42 mal pro Spiel von jenseits der Dreierlinie auf den gegnerischen Korb. Das sogenannte "Spacing", also das Auseinanderziehen der gegnerischen Defensive, weil die eben auch die Spieler aus der großen Distanz eng verteidigen muss, ist ein Kernelement des modernen NBA-Spiels.

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Kein Team in dieser Saison erzielte bisher einen niedrigeren Anteil der Gesamtpunkte durch Dreipunktewürfe als die Clippers. Platz genug kreieren sie trotzdem. Denn die Weisheit sollte eher lauten: "Man muss seine Dreipunktewürfe treffen." In dieser Disziplin sind die Clippers nämlich das viertbeste Team der Liga, da macht es auch nichts, dass nur drei Mannschaften seltener aus der Distanz werfen als sie. Durch die Top-Quoten von Harris, Galinari und Co. müssen die Clippers für ihr Spacing gar nicht so oft werfen, sondern können stattdessen die Zone attackieren. Weil sie das so oft tun, bekommen sie viele Freiwürfe - mehr als alle anderen Teams der Liga. Aus etwas über vier Metern aus dem Stand lässt sich der Ball dann doch leichter versenken als aus etwas über sieben Metern aus dem Sprung.

Weisheit 3: Defense ist überbewertet

Nur weil in der NBA auch regelbedingt nicht mehr so viel Wert auf harte, körperliche Defense gelegt wird wie früher, heißt das nicht, dass man darauf verzichten sollte. Die Clippers haben in ihrem Team einige herausragende Defensiv-"Kletten". Avery Bradley, Patrick Beverley und auch der junge Gilgeous Alexander sind auf den "kleinen" Positionen für ihre Gegenspieler ein Albtraum. Dabei wird nicht großartig "spekuliert" - Beverley und Kollegen holen die wenigsten Steals der NBA - sondern im Kollektiv diszipliniert gearbeitet. Das Resultat: Gegen die Clippers trifft ein gegnerisches Team im Schnitt nur 43,5 Prozent seiner Würfe - Ligaspitzenwert.

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Stand: 29.11.2018, 14:09

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