NBA - Clevelands Absturz und die Hoffnung auf den Top-Pick

JR Smith von den Cleveland Cavaliers ärgert sich

Nach Smith-Vorwurf

NBA - Clevelands Absturz und die Hoffnung auf den Top-Pick

Von Robin Tillenburg

Die sich auf sportlicher Talfahrt befindenden Cleveland Cavaliers haben ihren Spieler J.R. Smith entlassen. Der hatte zuletzt den Verdacht geäußert, dass der Verein gar nicht gewinnen wolle. Da könnte etwas dran sein.

Tatsächlich haben die Cavaliers aktuell eine Bilanz von zwei Siegen und 13 Niederlagen - kein Team der NBA ist schlechter. In den vergangenen vier Jahren hatte die Franchise aus Ohio noch jedes Mal in den Finals gestanden und 2016 sogar den Titel geholt.

Dass der sportliche Niedergang natürlich in erster Linie mit dem Abgang von Superstar LeBron James zu den Los Angeles Lakers zu tun hat, liegt auf der Hand. Schon vor Beginn der vergangenen Saison war in Kyrie Irving (zu den Boston Celtics) ein mehrfacher All-Star aus Cleveland gewechselt, die Spieler, die man für Irving bekam, erwiesen sich letztendlich nicht als gleichwertig. James' Klasse sorgte jedoch dafür, dass die großen Baustellen, die der Kader ohne Zweifel schon in der vergangenen Spielzeit hatte, irgendwie kompensiert werden konnten und man bis in die Finals vorstieß.

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Kader hat einige Baustellen

Als der Abgang des großen Superstars feststand, sagte man den Cavaliers eine schwierige Zeit voraus - doch dass es so schlecht laufen würde, hätten nur wenige gedacht. Man könne in Cleveland froh sein, wenn man im nach dem LeBron-Abgang vermeintlich noch schwächer gewordenen Osten um die Play-offs mitspiele, unkten Experten. Aktuell könne Cleveland froh sein, wenn es nicht zur Lachnummer der Liga werde.

Im Aufgebot stehen einige in die Jahre gekommene Spieler wie Kyle Korver (37 Jahre), Smith (33) oder Channing Frye (35) und kaum hochkarätige Youngster. Der hoch gehandelte Rookie Collin Sexton (19) hat sein Potenzial zwar schon angedeutet, offenbart aber auch dem Alter geschuldete Schwächen, gleiches gilt für den Türken Cedi Osman (23). Dass der verbliebene Star im Team Kevin Love aktuell verletzt ausfällt, macht die Lage für die Cavaliers auch nicht besser.

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Neuaufbau nur über den Draft möglich

Es scheint jedoch so, als hätte man sich im Front Office des Champions von 2016 relativ schnell an die Lage angepasst - und hier kommt der Smith-Vorwurf ins Spiel. Trainer Tyronn Lue wurde entlassen, Larry Drew übernahm das Amt und alles scheint nun auf einen Neuaufbau ausgerichtet zu werden. Grundsätzlich überhaupt nicht verwerflich, doch für so einen Neuaufbau braucht es entweder vertragslose Superstars, die sich dem Team in der Sommerpause anschließen, oder man gibt eigene Spieler ab und "tauscht" sie mit denen der anderen Teams. Einen großen Gegenwert werden die Cavaliers aber für die meisten Spieler kaum bekommen. Smith ist einer von denen, für den nun aktiv noch ein Tauschgeschäft gesucht wird, und große Argumente für Superstars bietet die Franchise seit James' Abgang auch nicht.

Bleibt die dritte und "beliebteste" Möglichkeit für einen Neuaufbau: der Draft. Ein glückliches Händchen bei der jährlichen Talenteauswahl kann ein Team aus dem Tabellenkeller in zwei Jahren zu einer attraktiven Topmannschaft machen. Die Philadelphia 76ers haben das, auch wenn sie dafür etwas länger brauchten, zuletzt vorgemacht.

"Tanking" lohnt sich trotzdem noch

Damit es im Draft aber ein frühes Wahlrecht bekommt, braucht ein Team bei der dazugehörigen Lotterie etwas Glück. In welcher Reihenfolge die Teams ihr Talent wählen dürfen, wird nämlich mit "ungleichen" Chancen ausgelost. Diese Chancen lassen sich erhöhen - durch Niederlagen. Teams, die in der abgelaufenen Spielzeit schlecht abschnitten, erhalten eine höhere Chance, den ersten oder zweiten "Pick" zu bekommen. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Teams, die dafür das sogenannte "Tanking" - also absichtliches Verlieren - betrieben. Das ist eigentlich verboten, offiziell darf sich also niemand dazu bekennen. Gemacht wird es trotzdem. Und sei es nur dadurch, dass der Kader so "schlecht" aufgestellt wird, dass es eben Niederlagen hagelt.

Damit das nicht mehr passiert, hat die Liga für die kommende Lotterie erstmals die Wahrscheinlichkeiten angepasst: Hatte man in der Vergangenheit als schlechtestes Team der abgelaufenen Saison noch eine 25-prozentige Chance auf den ersten Pick, sind es nun nur noch 14. Das zweit- und drittschlechteste Team erhält ebenfalls eine 14-prozentige Wahrscheinlichkeit (vorher 19,9 und 15,6).

Williamson-Hype

Für Cleveland gelten diese Regeln auch - natürlich. Doch es ist noch etwas komplizierter. Fallen die Cavaliers nämlich aus den ersten zehn Plätzen für das Auswahlrecht, müssen sie das als Resultat eines früheren Tauschgeschäfts an die Atlanta Hawks abgeben und schauen in die Röhre. Das will man unbedingt vermeiden. Verlieren hilft dabei, auch wenn die Chancen auf den Top-Pick nicht so hoch sind wie früher. Die Hawks gehen übrigens gerade einen ähnlichen Weg.

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Zudem ist der Draftjahrgang extrem attraktiv: In Zion Williamson und RJ Barrett (beide Duke-College) werden zwei Spieler zur Auswahl stehen, die eigentlich jedes Team unbedingt haben will. Williamson wurde jüngst sogar immer mal wieder mit James verglichen. Und auch wenn dieser Vergleich natürlich wie immer viel zu früh kommt, kann man durchaus erkennen, warum er angestellt wird. Williamson oder Barrett könnten den Neuaufbau, den man in "the land" aktuell angeht, drastisch beschleunigen.

Stand: 21.11.2018, 15:03

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