NBA - Boston Celtics überraschen die Konkurrenz

Jubel bei den Boston Celtics

NBA-Play-offs

NBA - Boston Celtics überraschen die Konkurrenz

Von Lovis Binder

Die Boston Celtics spielen in den Play-offs der nordamerikanischen Basketballliga NBA ohne ihre beiden Stars Kyrie Irving und Gordon Hayward und stehen trotzdem in den Conference Finals. Viele junge Spieler haben sich etabliert - Boston könnte auf Jahre das stärkste Team im Osten werden.

Rookies machen vermeidbare Fehler. Das ist normal. Es passiert oft, dass ein Spieler in seiner ersten NBA-Saison schlechte Würfe nimmt oder den Ball verliert, weil ihm das Gefühl fürs Spiel fehlt. Bei Rookie Jayson Tatum von den Boston Celtics ist diese Schwäche kaum bemerkbar.

Der 20-jährige Forward spielt abgeklärt. Das Spiel drei gegen die Philadelphia 76ers ist im vierten Viertel und in der Overtime extrem knapp. Die Boston Celtics können mit einem Sieg einen riesengroßen Schritt Richtung Conference Finals machen. Druck und Anspannung sind spürbar.

Jayson Tatum trifft die richtigen Entscheidungen

Tatum bekommt mehrmals den Ball auf dem Flügel zugespielt und trifft dann jeweils gute Entscheidungen. In einer Situation realisiert er, dass ihm sein Gegenspieler eine Seite anbietet und die beiden tieferen Gegenspieler weit außen an der Dreierlinie stehen und nicht helfen können. Durch seinen schnellen ersten Schritt zieht er am Verteidiger vorbei und schließt mit einem Dunk ab.

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Ein bisschen später zieht er wieder zum Korb, erkennt, dass der Verteidiger gut steht, stoppt abrupt kurz vor der Zone, springt mit viel Körperkontrolle gerade ab und wirft den Ball in den Korb. Kurz vor Ende des Spiels hat er Center Joel Embiid als Gegenspieler. Er nutzt seine Schnelligkeit und zieht vorbei. Weil er aber weiß, dass Embiid ein ungewöhnlich beweglicher Center ist, schließt er nicht direkt ab, sondern täuscht den Abschluss nur an. Embiid springt vorbei, kann den Ball nicht blocken und Tatum punktet.

Junges Trio bekommt unerwartet viel Spielzeit

Tatum kommt in den Play-offs bisher auf 18 Punkte im Schnitt, Terry Rozier ebenfalls auf 18 und Jaylen Brown auf 16. Beide spielen erst ihre zweite Saison. Drei junge und unerfahrene Spieler führen die Celtics in die Conference Finals - das ist eine große Überraschung.

Es mag unangebracht klingen, aber die Verletzungen von Irving und Hayward könnten den langjährigen Masterplan der Celtics noch besser machen. Die beiden sind Stars, spielen viele Minuten und sind vor allem dann auf dem Feld, wenn es eng und spannend wird. Mit Irving und Hayward im Kader hätten Rozier, Tatum und Brown viel weniger gespielt.

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So steht das Trio in den entscheidenden Momenten auf dem Platz und wird immer selbstbewusster und effektiver. Wenn Irving und Hayword nächste Saison zurückkommen und das Zusammenspiel funktioniert, haben die Boston Celtics ein extrem gutes Team. Als Ergänzungsspieler wird dann wahrscheinlich auch der aktuell verletzte Daniel Theis zurückkehren.

Bostons Masterplan geht auf

Der Masterplan der Celtics fing 2013 an. Das Team war gut, aber nicht mehr gut genug für einen Titel. Die Celtics schickten ihre Stars in einem spektakulären Deal zu den ambitionierten Brooklyn Nets. Im Tausch gab es dafür vor allem mehrere Draft-Rechte.

Mit diesen Rechten holten sich die Celtics Jaylen Brown und Jayson Tatum vom College und Kyrie Irving in einem Tausch mit den Cleveland Cavaliers. Durch andere kleine Deals in der Vergangenheit hat Boston in den nächsten zwei Jahren weitere aussichtsreiche Draft-Rechte.

Die Celtics können sich also noch mit guten Spielern aus dem College oder Ausland verstärken, oder sie tauschen die Rechte für einen etablierten Spieler, der direkt weiterhelfen kann.

Brad Stevens – einer der besten Trainer der NBA

Dass die Celtics trotz Verletzungspech so weit kommen, liegt auch an Trainer Brad Stevens. Er hat die jungen Spieler ins System integriert und so eingesetzt, dass sie ihre Stärken ausnutzen können. Und er ist ein Taktikfuchs. Es gibt mehrere Blogs und YouTube-Kanäle, die ihn als "ATO-Genius" feiern. ATO steht für "After Time Out". Es geht um Spielzüge, die Stevens seinen Spielern in Auszeiten aufzeichnet.

Ein gutes Beispiel sind die letzten Punkte der Boston Celtics in Spiel drei gegen Philadelphia. Boston liegt acht Sekunden vor Schluss mit einem Punkt hinten. Nach einer Auszeit haben die Celtics in der gegnerischen Hälfte Einwurf. Boston stellt mehrere Blöcke, so dass Center Al Horford am Ende in der Zone einen deutlich kleineren Gegenspieler hat.  

Der alles entscheidende Spielzug

Alle anderen Celtics-Spieler machen das Spielfeld extrem breit und binden ihre Verteidiger an sich. Horford steht alleine mit seinem kleineren Verteidiger in der Zone, der Ball wird hoch reingespielt, so dass nur er ihn fangen kann - und Horford punktet fast ungehindert.

Horford bezeichnete Stevens nach dem Spiel ebenfalls als Genie und gab zu, dass er manchmal selbst nicht glaube, dass diese Spielzüge funktionieren - bis sie es dann tun.

Mit Trainer Stevens, Star-Spielern, jungen Talenten und zukünftigen Draft-Rechten könnten sich die Bostons Celtics in Zukunft als bestes Team im Osten etablieren.

Stand: 10.05.2018, 08:43

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