NBA-Trade - Marc Gasol vor Wechsel, Anthony Davis bleibt

Marc Gasol

Spielerwechsel mitten im Spiel

NBA-Trade - Marc Gasol vor Wechsel, Anthony Davis bleibt

Von Robin Tillenburg

In der NBA ging es kurz vor der Trade-Deadline noch einmal drunter und drüber. Anthony Davis wechselte nicht mehr, dagegen steht Marc Gasol vor einem Last-minute-Trade. Eine Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse.

Traditionell werden in den letzten Tagen und Stunden vor Erreichen der Deadline noch einige mehr oder weniger spektakuläre Trades eingefädelt. So auch diesmal. Jüngstes und vielleicht auch kuriosestes Beispiel: Harrison Barnes, seit zweieinhalb Jahren ein durchaus wichtiger Spieler bei den Dallas Mavericks, wurde mitten im Spiel gegen die Charlotte Hornets zu den Sacramento Kings "getradet". Im Gegenzug erhielten die Mavericks, die vor einigen Tagen erst durch die Verpflichtung von Kristaps Porzingis Schlagzeilen gemacht hatten, Justin Jackson und Routinier Zach Randolph.

Barnes reagiert professionell

Barnes erfuhr während der Partie von seinem Vereinswechsel und wurde nach Bekanntgabe dann auch nicht mehr eingesetzt. Böses Blut gab es von seiner Seite nicht, Barnes bedankte sich via Twitter bei der Franchise und wurde von all seinen Teamkollegen und den Mavericks-Verantwortlichen für sein vorbildliches Verhalten gelobt. "Er ist ein besserer Mann als ich, so viel ist sicher. Jeder andere wäre abgehauen. Er ist ein guter Junge", sagte sein nun Ex-Teamkollege Dirk Nowitzki,

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Solche Reaktionen sind tatsächlich nicht unbedingt die Regel. Weil die Spieler bei den Trades so gut wie kein Mitspracherecht haben, sind verbales Nachtreten, Wut und Enttäuschung nicht selten Nachwirkungen von solchen Tauschgeschäften. Diesmal blieben Reaktionen dieser Art bisher eher aus, obwohl etliche Spieler wie die Chicago-Bulls-Akteure Jabari Parker und Bobby Portis relativ überraschend noch kurzfristig nach Washington abgegeben wurden, während Otto Porter Jr. dafür in die "Windy City" wechselt.

"Trades" zwischen zwei (oder mehr) Teams in der NBA funktioniern - vereinfacht ausgedrückt und ungeachtet einiger besonderer Ausnahmen - nach einem Tausch-System. Spieler (oder "Pakete" aus mehreren Spielern), deren Gehälter in etwa zueinander passen, können getauscht werden. Der Richtwert liegt bei etwa 25 %, die die Gehälter auseinander liegen dürfen. "Draft-Picks" (also das Auswahlrecht aus dem jährlichen Talentepool beim Draft) können als Dreingabe zu Spielern hinzugefügt werden, genau wie "kleinere" Geldbeträge. Durch den "Salary Cap", eine Gehaltsobergrenze, die die Teams mit ihren Kadern nicht überschreiten dürfen, ist das System gedeckelt. Letzten Endes gibt es aber diverse Sonderregelungen für gewisse Spielerverträge und -Verpflichtungen, mit denen die Grenze dennoch etwas überschritten werden kann. Das betreffende Team muss dann aber eine nicht unerhebliche Luxussteuer zahlen.

Das "Drama" um Davis

Bei den Los Angeles Lakers hing der Haussegen schief, weil die Franchise um Superstar LeBron James wohl etliche Spieler geboten hatten, um Anthony Davis von den New Orleans Pelicans loszueisen. Die Lakers hatten dem Vernehmen nach nach so gut wie alle ihre talentierten jungen Spieler (Kyle Kuzma, Brandon Ingram, Lonzo Ball) zusammengekratzt und den Pelicans ein durchaus ansehnliches Paket geschnürt, das diese aber ablehnten. Die Forderungen der Franchise sollen exorbitant hoch gewesen sein, zu einem Trade für All-Star Davis kam es dann in den letzten Stunden vor Ende der Deadline nicht mehr.

Anthony Davis auf einer Fensterbank

Heiß umworben: Anthony Davis

"The Brow" hatte den Pelicans zuvor bereits mitgeteilt, dass er nicht plant, nach seinem Vertragsende im Jahr 2020 weiter für sie zu spielen. Somit suchen diese spätestens im Sommer nach einem Trade-Partner, um ihren Superstar nicht 2020 ohne Gegenwert zu verlieren.

Davis wurde für seine öffentliche Bekanntgabe seines Trade-Wunsches von der Liga mit einer Geldstrafe von 50.000 Dollar bedacht und öffentlich kritisiert. Nach dem jüngsten Barnes-Wechsel meldete sich niemand Geringeres als James bei Instagram zu Wort. Der 34-Jährige kritisierte die Doppelmoral, bei der die Teams die Spieler hin- und her tauschen könnten, wie sie wollten - Spieler hingegen als Egoisten bezeichnet werden, wenn sie einem Team den Rücken kehren wollen. Mit einem "Like" versehen wurde dieser Beitrag übrigens unter anderem von Davis.

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Porzingis, Gasol und Harris sind die "Top-Trades"

Rein sportlich ist der Barnes-Trade zwar keineswegs unbedeutend, Barnes (26) wurde 2016 immerhin Olympiasieger mit dem Team USA, doch die sportlich relevantesten Trades in den Tagen vor der Deadline waren andere. Der Porzingis-Transfer war wohl der größte (und er kam sehr überraschend), der jüngste Wechsel von (unter anderem) Tobias Harris von den Los Angeles Clippers zu den Philadelphia 76ers ist aber nicht minder bedeutend.

Die 76ers haben sich durch den Tausch von Wilson Chandler, Landry Shamet, Mike Muscala und zwei ihrer zukünftigen Zweitrunden-Draft-Picks gegen Harris, Boban Marjanovic und Mike Scott zumindest auf dem Papier zu einem der besten Teams der Liga aufgeschwungen und wollen ihre nun vier Starspieler (Ben Simmons, Joel Embiid, Jimmy Butler und Harris) langfristig halten - und schon kurz- bis mittelfristig im Titelrennen dabei sein.

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Kurz vor Ende der Deadline wurde dann bekannt, dass der frühere Basketball-Weltmeister Marc Gasol die Memphis Grizzlies offenbar nach mehr als zehn Jahren Richtung Kanada verlassen wird. Laut US-Medienberichten steht der spanische Center vor einem Trade zu den Toronto Raptors. Im Gegenzug erhalten die Grizzlies demnach unter anderem den Litauer Jonas Valanciunas.

Gasol war 2008 zu den Grizzlies gewechselt und stieg in den vergangenen elf Jahren zum "Franchise Player" des Teams auf. 2006 gewann er mit seinem Bruder Pau Gasol und der spanischen Nationalmannschaft WM-Gold, 2013 wurde er als bester Defensivspieler der NBA ausgezeichnet. In Toronto schließt sich Gasol einem Titelkandidaten an: Die Raptors sind Zweiter im Osten, während Memphis die zweitschlechteste Mannschaft im Westen ist.

Deadline als Zäsur

Generell ist die Trade Deadline in der Mitte der Saison ein bisschen der Moment, in dem die Teams entscheiden, wie sie ihre Saisonziele anpassen wollen. Philadelphia geht beispielsweise mit dem Trade "All-In" und schaltet in den Angriffsmodus. Andere wie die Washington Wizards verschaffen sich durch den Porter-Trade und den zusätzlichen Wechsel von Markieff Morris nach New Orleans (für Wesley Johnson) etwas mehr Gehaltsspielraum für die Zukunft, da der Vertrag von Portis und Parker beispielsweise ausläuft, während Porters Laufzeit (und seine Gehaltszahlungen) noch länger in den Büchern steht.

Die Mavericks haben sich mit der Verpflichtung des in dieser Saison eventuell gar nicht einsatzfähigen Porzingis dafür entschieden, um den jungen Letten und den noch jüngeren Luka Doncic herum eine Dynastie aufzubauen, die in etwa zwei Jahren titelreif sein soll. Dazu passt auch, dass sie durch den Barnes-Deal ebenfalls Gehalt einsparen, um ihren europäischen Toptalenten im Sommer den ein oder anderen starken vertragslosen Spieler (Free Agent) an die Seite stellen zu können.

Stand: 07.02.2019, 21:35

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