NBA - Dallas und das Einhorn

Kristaps Porzingis

Nach Trade aus New York

NBA - Dallas und das Einhorn

Von Robin Tillenburg

Die Dallas Mavericks haben sich in Kristaps Porzingis von den New York Knicks einen Spieler gesichert, der sportlich ein Gesamtpaket mitbringt, das es eigentlich nicht geben kann. Solche Spieler werden in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA "Einhorn" genannt.

Warum Porzingis ein Einhorn ist? Der 23-Jährige misst ganze 2,21 m, ist dabei aber überraschend beweglich, trotz seiner auf den ersten Blick schlaksig wirkenden Erscheinung aber auch physisch inzwischen auf einem guten Level und verfügt über einen sehr gefährlichen Distanzwurf. Das (nahezu) komplette Paket.

Kaum zu verteidigen

Wie soll man so einen Spieler verteidigen? Entweder der Gegenspieler kann kräftemäßig nicht mithalten, oder er ist nicht beweglich genug, schließlich kann man es sich gegen den Letten auch nicht erlauben, ihn aus größerer Distanz mal "frei" stehen zu lassen, um bei einem Zug zum Korb einen kleinen Vorsprung zu haben. Mal abgesehen davon, dass es auch in der NBA nicht viele Spieler gibt, die groß genug sind, um den Letten, der meistens wie Dirk Nowitzki als Power Forward, also nicht einmal als Center unter dem Korb, eingesetzt wird, überhaupt an einem Sprungwurf zu hindern.

Porzingis hat 2017 beim All-Star-Game die "Skill-Challenge" gewonnen. Einen Wettbewerb, in dem man schnell dribbeln, genau werfen und passen muss und der bei 16 Austragungen bisher nur zweimal nicht von einem "kleinen" Guard gewonnen wurde, sondern nur von den beiden "Einhörnern" Karl-Anthony Towns und eben Porzingis.

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Vertragslage noch unsicher

Wie kommt es nun, dass sich die Mavericks in dem spektakulären Mehr-Spieler-Trade so einen Spieler überhaupt sichern konnten? Das hat mehrere Gründe. Porzingis erholt sich aktuell noch von den Folgen eines Kreuzbandrisses, die ihn in seiner dritten NBA-Saison im Februar 2018 ereilt hat. Ob er in dieser Spielzeit noch für Dallas auflaufen kann, ist nicht sicher.

Dass sein Vertrag im kommenden Jahr theoretisch endet und er "Restricted Free Agent" wird, ist ein Risiko: Wenn die Mavericks ihn halten wollen würden, müssten sie jedes noch so hohe Angebot der Konkurrenz mitgehen. Allerdings lassen Insider verlauten, dass Porzingis eine sogenannte "Qualifying Offer" unterschreiben wird, das bei Rookie-Verträgen dazu führt, dass er zu relativ geringen Bezügen noch ein Jahr beim Team bleibt. Nach Ablauf dieses letzten Vertragsjahres kann er dann ganz frei entscheiden, bei welcher Franchise er seine Zukunft verbringen will. Das zeigt, dass es für den "Latvian Gangbanger" eher um Erfolg und das Umfeld und weniger um das große Geld geht.

Talentiertestes Europa-Duo aller Zeiten?

Es würde für die Mavericks bedeuten, dass sie wohl in der Saison 2019/20 eine komplette Spielzeit haben, in der sie mit dem auf dem Papier talentiertesten europäischen NBA-Duo aller Zeiten, Luka Doncic und Porzingis, beweisen müssen, dass sie in der Lage sind, um die vorderen Plätze zu spielen. Denn ein Grund aus dem Porzingis aus New York "floh", ist die Tatsache, dass er die Franchise nicht in der Lage sah, ihm zeitnah ein konkurrenzfähiges Team an die Seite zu stellen. Der Lette will gewinnen, irgendwann auch den Titel.

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Wenn er daran am Ende der Spielzeit 2019/20 in Dallas zweifeln sollte, könnte er einfach weiter ziehen. Die Chancen sind neben Doncic und bei den Mavericks, die ja nachweislich wissen, wie man europäische Top-Spieler formt, allerdings nicht schlechter als in New York. Dallas hat das eigene Handeln schon seit einiger Zeit darauf ausgerichtet, in ein paar Jahren wieder ein Titelanwärter zu sein. Die Verpflichtung des Einhorns aus Liepaja ist nun eine leichte Beschleunigung des Plans, schließlich hat man in Dennis Smith Jr. und zwei zukünftigen Draft-Picks auch ein bisschen "Zukunft" für ihn geopfert.

Nowitzki als Vorbild - für beide Seiten

Der Weg ist aber trotzdem lang. Porzingis muss sich nach einer so langen Pause sicherlich erst einmal wieder langsam herantasten, Doncic ist genau wie der Lette selbst eben noch jung und auch die Bausteine drum herum müssen für den ganz großen Wurf stimmen. Für Nowitzki dauerte es schließlich auch viele Jahre, ehe er 2011 den einen großen Titel holen konnte.

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Nowitzki ist der Spieler, den Porzingis de facto beerben wird und er ist auch der Spieler, mit dem der Lette am häufigsten verglichen wird: ein (sehr) großer Europäer, der vielseitige Offensiv-Qualitäten mitbringt. Nowitzki hatte Porzingis vor einiger Zeit noch bescheinigt, sogar weiter zu sein, als der Deutsche es selbst in diesem Alter war. Wahrscheinlich stimmt das, auch wenn man erst einmal abwarten muss, wie der Körper des 23-Jährigen die Verletzung verkraftet. "Wenn du die Chance hast, einen Spieler solchen Kalibers zu holen, musst du es tun", lautete auch die Aussage, mit der Nowitzki den Wechsel seines neuen Teamkollegen kommentierte. "Dirkules" wird sicherlich, egal ob er nächste Saison noch aktiv spielt oder nicht, etliche Stunden auf dem Trainingsplatz mit Porzingis verbringen und ihm den ein oder anderen Tipp geben. Schon 2017 hatten die beiden in der Saisonvorbereitung zusammen trainiert.

Wertschätzung für Europäer

Porzingis, der vor seinem Eintritt in die NBA beim Draft 2015 in Sevilla schon Profi-Basketball gespielt hatte (ähnlich wie Doncic in Madrid), ist bei allem Talent und aller Größe ein sensibler Spieler. Dass er von den Knicks-Fans lautstark mit "Buh-Rufen" bedacht wurde, nachdem die Franchise ihn als vierten Spieler des Drafts ausgewählt hatten, schien er nie ganz vergessen zu haben. Auch wenn er wegen seiner sportlichen Qualitäten danach schnell vom Publikum akzeptiert wurde.

Die Fans hatten 2015 größtenteils noch lieber einen anderen Spieler in ihren Reihen gewusst, womöglich einen, der nicht aus Europa stammt. Allerdings ist der Lette neben "Einhorn-Kollege" Towns, der damals an erster Stelle von den Minnesota Timberwolves verpflichtet wurde, der einzige Akteur aus dem damaligen Draft, der schon ins All-Star-Team berufen wurde. Wie in Dallas die Wertschätzung für Europäer aussieht, dürfte ihm bewusst sein. Wenn die Mavericks und er etwas (Verletzungs-)Glück haben, könnte da in Texas etwas (auch wörtlich) Großes entstehen.

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Stand: 01.02.2019, 11:27

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