NBA - die Raptors hoffen auf Kawhi Leonard

Kawhi Leonard (am Ball) von den Toronto Raptors in Aktion.

Basketball

NBA - die Raptors hoffen auf Kawhi Leonard

Von Robin Tillenburg

Die Toronto Raptors haben in der NBA im sechsten Spiel der Final-Serie gegen die Golden State Warriors am Freitag (14.06.2019, 3 Uhr) ihren zweiten Matchball, um erstmals in der Geschichte der Franchise die Meisterschaft zu holen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Kawhi Leonard, der zur Klub-Ikone werden könnte - obwohl er möglicherweise nächste Saison schon wieder ein anderes Trikot trägt.

Um dieses Szenario zu erklären, muss man ein gutes Jahr zurückspringen. Leonard, damals 26 Jahre alt, stand im Clinch mit seinem Team, den San Antonio Spurs, für das er seit dem NBA-Draft 2011 spielte.

Obwohl er inzwischen Schlüsselspieler bei den Spurs war, was er auch 2014 schon unter Beweis gestellt hatte, als er mit San Antonio die Meisterschaft holte und zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, standen die Zeichen auf Abschied. Die Teamärzte hatten ihn nach einer Oberschenkelverletzung für gesund erklärt, er sah das jedoch anders, wollte noch nicht wieder spielen und wurde in kurzer Zeit vom Publikumsliebling zur "persona non grata".

Verpflichtung als Risiko für Toronto

Das Ende vom Lied: Leonard wurde mit Danny Green zu den Toronto Raptors transferiert, die trotz eines sehr tief besetzten Teams seit Jahren nicht den Sprung in die absolute Spitzenriege schafften. Die gaben dafür - und wurden teilweise harsch kritisiert - ihre Identifikationsfigur DeMar DeRozan ab.

Nun war Leonard auch schon zum damaligen Zeitpunkt ein hervorragender Basketballspieler, wahrscheinlich auch ein etwas besserer als DeRozan, doch seine Vertragslaufzeit betrug nur noch ein Jahr und der Gesundheitszustand des Small Forwards war fraglich.

Es hätte also sein können, dass die Raptors für einen ihrer zwei besten Spieler einen gesundheitlich angeschlagenen Profi bekommen würden, der seine Zeit in Kanada "absitzt", ehe er den schon länger kolportierten Wechsel in seine Heimatstadt zu den Los Angeles Clippers vollzieht.

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Keine Show - aber große Momente

Nun, ein Jahr später, muss man festhalten: Leonard ist der sportliche Anführer eines Teams, das sich anschickt, den haushohen Favoriten und Titelverteidiger Golden State in die Knie zu zwingen. Die Stadt hat ihn in sein Herz geschlossen, Teamkollegen, prominente Bürger und Fans setzen sich für seinen Verbleib ein. Ab und an sieht man "The Claw" (dt. die Klaue), wie er aufgrund seiner enorm großen Hände genannt wird, sogar öffentlich lachen - das ist bis heute eine Seltenheit beim Superstar, der die große Show gar nicht liebt.

Dafür liebt er die großen Momente. Schon im Ost-Halbfinale, im entscheidenden siebten Spiel gegen die Philadelphia 76ers traf er einen ganz schwierigen Wurf in letzter Sekunde. Der Ball tippte auf den Ring, tippte noch einmal auf und noch einmal und noch einmal und fiel dann durch die Reuse zum Sieg. Die Halle, die sekundenlang völlig still ausgeharrt hatte, schrie und jubelte. Und mittendrin, umringt von seinen Mitspielern, da schrie auch Leonard. Er schrie so laut und emotional, wie man ihn in der NBA eigentlich nie gesehen hatte. Der Moment war schnell wieder verflogen, doch es könnte der Moment gewesen sein, in dem ein Verbleib des Mannes mit der Nummer 2 in Toronto so nah war wie nie zuvor.

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Wie geht's weiter mit Leonard?

Noch näher könnte General Manager Masai Ujiri einem Deal mit Leonard kommen, wenn die Raptors eines der nächsten beiden Spiele gewinnen. Das sechste der Serie, aktuell steht es 3:2 für Toronto, findet in Oakland statt - der Heimspielstätte der Warriors. Dort hatte Toronto überraschend die dritte und vierte Partie der Serie gewonnen und sich somit drei Matchbälle erspielt.

Der erste wurde hauchdünn vergeben, weil der letzte Wurf von Leonards Co-Star Kyle Lowry von Draymond Green gerade noch leicht abgelenkt wurde. Leonard wurde gefragt, warum er nicht den letzten Wurf genommen habe. Die Antwort: "Weil zwei Typen auf mich zugestürmt kamen." Tatsächlich hatten Klay Thompson und Andre Igoudala gewusst, dass von Leonard die größte Gefahr ausging und ihn im entscheidenden Moment gedoppelt, so dass dieser den Ball abgeben musste.

Leonard hat in den aktuellen Playoffs nicht nur die meisten Minuten aller Spieler absolviert, sondern auch die meisten Punkte erzielt, die meisten Rebounds gesammelt, die meisten Steals geholt und die meisten Fouls gezogen (und Freiwürfe verwandelt). Diese Statistik zeigt eindrucksvoll, dass der 27-Jährige, der im Draft "nur" als 15. ausgewählt wurde, eine enorme Weiterentwicklung durchlaufen hat und nun an beiden Enden des Spielfeldes der X-Faktor sein kann, der Toronto in den letzten Jahren fehlte. Dass er dabei noch verhältnismäßig wenig verdient, dürfte sich im kommenden Jahr ändern. Egal, welches Trikot er trägt.

Stand: 12.06.2019, 10:57

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