Wie die Dallas Mavericks ohne Nowitzki zurechtkommen

Delon Wright im Spiel gegen die Boston Celtics

NBA

Wie die Dallas Mavericks ohne Nowitzki zurechtkommen

Von Heiko Oldörp

Bei den Dallas Mavericks hat die Zeitrechnung nach Dirk Nowitzki begonnen. Mit einer jüngeren Mannschaft wollen die Texaner wieder konkurrenzfähig werden. Doch Nowitzki ist immer noch allgegenwärtig.

Rick Carlisle steht nach dem Training der Mavericks an der Seitenlinie des Bostoner TD Garden. Er beantwortet rund einem Dutzend Journalisten Fragen zum bevorstehenden Spiel bei den Celtics. Carlisle spricht über Spielmacher Luka Doncic und erklärt, warum der Gegner auch nach dem Handbruch von Gordon Hayward immer noch gefährlich sei. Carlisle redet ohne große Unterbrechung. Doch dann gerät er ein wenig ins Stocken, sucht nach Worten. Nun geht es um Dirk Nowitzki.

 "Eine feste Größe, jeden Tag"

Und da will Carlisle sicher gehen, dass er den Würzburger genau so beschreibt, wie er ihn in der elfjährigen Zusammenarbeit erlebt hat. "Dirk war einfach eine feste Größe, jeden einzelnen Tag", betont Carlisle. Dass er überhaupt über den Deutschen redet, der vor sieben Monaten seine Karriere beendet hat, sagt viel über dessen Vermächtnis aus. Carlisle erwähnt Nowitzkis "hohes Niveau an Beständigkeit", schwärmt von dessen Spielvorbereitung, der Art, wie er mit den Mitspielern umging oder dessen Aufmerksamkeit für Details: "Und du wusstest einfach, er geht auf's Spielfeld und bereitet dem Gegner ganz viele Probleme."

In den Gesprächen mit Spielern und Verantwortlichen wird deutlich, wie allgegenwärtig Nowitzki bei den Mavericks noch ist. "Wir vermissen ihn", sagt Vereinsbesitzer Mark Cuban. "Es ist schon irgendwie komisch, dass er nicht mehr dabei ist. Ich glaube, auch für die Fans, denn eigentlich kennt man die Mavericks nur mit Dirk Nowitzki", sagt Maxi Kleber im Gespräch mit sportschau.de.

Maxi Kleber: "Egal wo man hinguckt, man sieht Dirk Nowitzki" Sportschau 12.11.2019 03:44 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 Das Erste

Komödiantisches Talent verkannt? 

21 Spielzeiten hat Nowitzki das Mavericks-Trikot getragen, in 1667 Partien. Er hat den Verein auf der NBA-Landkarte positioniert und ihn 2011 zur Meisterschaft geführt. Neben Coach Carlisle ist J.J. Barea der einzige Maverick, der aus dem Titelteam noch über ist. Der Puerto Ricaner stand beim entscheidenden 105:95-Sieg in der Finalserie bei den Miami Heat am 12. Juni 2011 zusammen mit Nowitzki auf dem Parkett. "Zu wissen, dass ich mit ihm rausgehe, mit ihm Pick and Roll spiele, hat mein Leben um vieles einfacher gemacht", betont Barea.

 Es ist nicht nur der Ausnahme-Basketballer Dirk Nowitzki, der jetzt fehlt, oder der Anführer des Teams, sondern auch der Freund und Spaßvogel. Dwight Powell beispielsweise ist davon überzeugt, dass Nowitzki trotz diverser witziger Auftritte auf der Internetseite des Vereins in mitunter aberwitzigen Rollen und Kostümen immer noch nicht genug Wertschätzung für seine komödiantischen Fähigkeiten bekomme. "Er ist ein sehr lustiger Typ, macht ständig Späße und lacht", sagt Powell: "Und es ist sogar noch grandioser, wenn dieser Kerl, der einfach immer gewinnen will und alles dafür tut, nach einem harten Spiel im Flieger plötzlich einen raushaut."

 Doncic und Porzingis in den Fußstapfen

Powell telefoniert "ein- bis zweimal pro Woche" mit Nowitzki. Hin und wieder schaut Nowitzki auch beim Training vorbei. An seiner alten Wirkungsstätte wurde Ende Oktober ein Teil der Olive Street in "Nowitzki Way" umbenannt. Auch in den Fanshops der Arena gibt es immer noch Nowitzki-Utensilien aller Art.

Die neuen tragenden Säulen bei den Mavericks sind nun Luka Doncic und Kristaps Porzingis. Spielmacher Doncic hat nach seiner starken Rookie-Saison den nächsten Karriere-Schritt gemacht, in den ersten zehn Saisonspielen schon vier "Triple Doubles" verzeichnet, also zweistellige Werte in den Kategorien Punkten, Rebounds und Assists. Und Porzingis erinnert mit seiner Größe und seiner Wurfvielfalt durchaus an Nowitzki.

Die NBA nach Nowitzki - mehrere Deutsche am Start

Sportschau 22.10.2019 02:41 Min. Verfügbar bis 22.10.2020 ARD

"Eine Ewigkeit zum Umziehen" 

Als Nowitzki im April sein Karriere-Ende verkündete, hatte ihm Mark Cuban eine Statue vor der Halle versprochen. Derzeit, so Cuban gegenüber sportschau.de, sei er auf der Suche nach einem Bildhauer. Der Mavericks-Besitzer ist oft bei den Auswärtsspielen seines Teams.

Zuletzt saß er in Boston hinter der Ersatzbank und flog anschließend zur nächsten Partie nach New York. So traurig er über das Karriere-Ende von Nowitzki auch war, eine gute Sache habe die Sache trotzdem: "Wir sind jetzt bei Auswärtsspielen viel schneller aus der Umkleide raus. Denn Dirk hat immer eine Ewigkeit gebraucht, um sich umzuziehen."

NBA: Kleber überzeugt bei "Mavs"-Sieg Sportschau 07.11.2019 00:51 Min. Verfügbar bis 07.11.2020 Das Erste

Stand: 12.11.2019, 10:57

Darstellung: