Generation Dennis Schröder

Dennis Schröder im Trikot der deutschen Basketballnationalmannschaft

Deutsche Basketballer vor der WM

Generation Dennis Schröder

Von Christian Mixa

Dennis Schröder hat gezeigt, dass er die Rolle des Anführers in der Nationalmannschaft ausfüllen kann. Einen Spielertypen wie ihn gab es selten im deutschen Basketball - er prägt die neue, junge Generation im DBB-Team.

Dennis Schröder ist nicht der neue Dirk Nowitzki. Das gilt es festzuhalten, denn Basketball-Deutschland war sehr lange Nowitzki-Land. Dies war zuletzt im Mai zu besichtigen, als der große Blonde aus Dallas seine Karriere in der NBA beendete - und tagelang auf allen Kanälen abgefeiert wurde. Immer wenn ein hoch veranlangter, junger deutscher Basketballer in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Bühne betrat, wurde er mit der Sehnsucht der Fans nach einem neuen Nowitzki konfrontiert.

Schröder - Superstar und neuer Spielertyp

Und natürlich bekam auch Schröder dieses belastende wie sinnlose Etikett angeheftet, spätestens als er als 19-Jähriger beim NBA-Draft von den Atlanta Hawks verpflichtet wurde. Aber einen wie Nowitzki, der mit den größten Basketballern aller Zeiten auf einer Stufe steht, gibt es wohl nur alle 50 Jahre einmal. Vor allem aber ist Schröder ein ganz anderer Spielertyp, ein Spielmacher mit herausragenden Qualitäten, der sich auch in der Profiliga NBA durchgesetzt hat, dank seiner Schnelligkeit, seiner Athletik und vor allem dank seines immens großen Selbstvertrauens.

"So einen Spielertypen wie ihn hatten wir noch nicht", sagt Pascal Roller, einer von Schröders Vorgängern im Nationalteam und inzwischen TV-Experte bei "Magentasport". "Er hat die Fähigkeit, die Mannschaft mitzureißen, mit seiner Energie. Für die anderen Spieler wiederum bedeutet es mehr Ruhe und Freiheiten, einen Superstar wie ihn im Team zu haben. An dem sie sich orientieren können, der aber auch den Fokus auf sich lenkt. Und Dennis ist jemand, der mit dieser Situation auch gut umgehen kann."

Unter Rödl unumstritener Anführer

Das war nicht immer so. Bei Schröders erstem großen Auftritt im Nationalteam, 2015 bei der Heim-EM noch an der Seite des altgedienten Anführers Nowitzki, fremdelte der damalige Jungstar noch mit seiner Rolle im DBB-Team und den Mitspielern, stellte öffentlich Entscheidungen des Trainers infrage und sah sich nach dem frühen Aus Egoismus-Vorwürfen ausgesetzt.

Basketballspieler Dennis Schröder (l.) und der Bundestrainer Henrik Rödl (r.) bei einem Vorbereitungsspiel zur WM 2019.

Gegenseitiger Respekt: Schröder (l.), Bundestrainer Rödl

Seit Henrik Rödl vor zwei Jahren den Chefposten als Bundestrainer übernahm und Schröder zum Chef des Teams machte, auch für die kommenden Jahre, hat er in der Nationalmannschaft seinen Platz gefunden - und das DBB-Team auf ein neues Level gehoben. Der Bundestrainer weiß, wie man mit dem NBA-Spielmacher umgehen muss, betont immer wieder dessen Führungsrolle im Team.

Schröder zahlt ihm dieses Vertrauen zurück: "Er hat meinen Respekt, ich bin sehr glücklich dass er unser Coach ist", sagte er dem Magazin "BIG" vor dem WM-Start. Immer wieder stellt sich Schröder demonstrativ in den Dienst der Mannschaft, betont seinen Anspruch, das Team anführen zu wollen und übernimmt Verantwortung, wenn es nicht rund läuft, wie bei der verkorksten ersten Halbzeit im Testspiel gegen Polen: "Ich habe meinem Team nicht genügend Energie gegeben."

Schröder prägt die neue Generation im Basketball

Schröder weiß, dass der Erfolg der Nationalmannschaft zwar nicht an ihm alleine hängt, aber ohne seine Führungsqualitäten ausgeschlossen ist. Mit seinem unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke - schon als 16-Jähriger gab er seinem Vater das Versprechen, dass er es in die NBA schaffen würde - prägt er auch die junge Generation im deutschen Basketball. Er selbst gab das hohe Ziel aus, mit der Nationalmannschaft die Qualifikation für Olympia zu schaffen und irgendwann eine Medaille gewinnen zu wollen.

Bundestrainer Rödl vor WM-Start: "Machen alles, um Frankreich zu schlagen" Sportschau 20.08.2019 03:58 Min. Verfügbar bis 20.08.2020 Das Erste

Seit seinem Wechsel nach Oklahoma City, wo er mit Russell Westbrook einen der größten Stars der NBA an seiner Seite hat, ist auch sein etwas ungestümes Spiel deutlich gereift, als Spielmacher trifft er bessere Entscheidungen. Schröder kann immer selbst den Abschluss suchen und mit seinem schnellen ersten Schritt zum Korb ziehen, inzwischen weiß er aber auch besser, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Auch in der Verteidigung und bei seinem Wurf aus der Distanz hat er sich verbessert.

"Man spürt, dass mehr Ruhe, Abgeklärtheit und Erfahrung hinzugekommen ist, gerade in engen Situationen, die er besser liest", sagt auch Pascal Roller. "Er hat einen weiteren Schritt nach vorne gemacht."

Familienmensch Schröder

Auch privat ist Schröder, der in den Anfangstagen seiner Karriere auch mal Schlagzeilen in Boulevardzeitungen fabrizierte, ruhiger geworden. Im Juli heiratete er seine Freundin und Mutter seines einjährigen Sohnes. Überhaupt gibt sich der 25-Jährige als Familienmensch, reiste mit riesiger Entourage zum Länderspiel in seiner Heimatstadt Braunschweig an, seinen alten Klub unterstützt er auch finanziell. "Es ist komplett anders, wenn du Vater bist, das ist das Beste, was mir passieren konnte", hatte Schröder nach seiner Ankunft beim DBB-Team vor der WM gesagt. "Ich stehe hier, weil meine Familie mir alles ermöglicht hat."

Stand: 28.08.2019, 06:00

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