Tibor Pleiß greift nach Europas Basketball-Krone

Tibor Pleiß (r.) mit Shane Larkin nach dem Finaleinzug mit Anadolu Efes

Euroleague Final Four

Tibor Pleiß greift nach Europas Basketball-Krone

Von Christian Mixa

Tibor Pleiß steht mit Anadolu Efes im Final Four der Euroleague und könnte der erste deutsche Basketballer nach 16 Jahren sein, der den Titel in der europäischen Königsklasse gewinnt.

Tibor Pleiß ist schon gut herumgekommen, in seinem Basketballer-Leben: Köln, Bamberg, Barcelona, Vitoria, Valencia. Auch in der nordamerikanischen Profiliga NBA hat er schon gespielt, bei Utah Jazz. Aktuell erwischt man ihn im Mannschaftsbus von Anadolu Efes auf der türkischen Autobahn, irgendwo zwischen Izmir und Istanbul. Klingt nach grauem Liga-Alltag - in Wahrheit aber ist es die letzte Etappe vor der vielleicht größten Partie seiner Laufbahn: Pleiß hat sich mit Anadolu Efes für das Final Four der Euroleague qualifiziert, das Finalwochenende der vier besten Teams Europas, die um die wertvollste Trophäe im europäischen Basketball kämpfen.

Pleiß im Final Four: "Das Größte in Europa"

"Das Final Four ist das Größte und Wichtigste für jeden Basketballer in Europa, da möchte jeder hin. Es gibt so viele gute Teams in der Euroleague, die um den Titel mitspielen wollen. Ich bin stolz und sehr froh, dass ich das geschafft habe", sagt Pleiß gegenüber sportschau.de. "Die drei Meisterschaften mit Bamberg waren etwas ganz Besonderes, aber das Final Four ist vielleicht noch ein Stück darüber anzusiedeln."

Anadolu Efes ist so etwas wie die Überraschungsmannschaft der Euroleague. Im Vorjahr beendeten sie die reguläre Saison als Tabellenletzter - eine Schmach für den Renommierklub aus dem europäischen Teil Istanbuls, jahrelang der erfolgreichste Klub in der Türkei, bevor das finanzkräftigere Fenerbahce vorbeizog. Im Sommer tauschte Anadolu Efes fast die komplette Mannschaft aus, es kamen viele erfahrene Spieler von europäischen Top-Klubs wie Adrien Moerman oder Vasilije Micic, außerdem mit Shane Larkin ein langjähriger NBA-Profi.

Eine Mischung aus einheimischen Talenten und gestandenen Euroleague-Veteranen - die aber erstaunlich schnell zu einem schlagkräftigem Team zusammenfanden. Sicherlich auch ein Verdienst von Coach Egin Ataman, einem der erfolgreichsten türkischen Trainer überhaupt. Ataman führte Anadolu Efes in der Euroleague auf Platz vier und in die Playoffs, wo sie den FC Barcelona ausschalteten und sich für das Final Four im spanischen Vitoria qualifizierten.

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Lieblingsspieler von Efes-Coach Ataman

Pleiß gilt als einer der Lieblingsspieler von Ataman, der Trainer kennt ihn schon aus der gemeinsamen Zeit bei Galatasaray. Bei Anadolu Efes kommt Pleiß meistens von der Bank, ist aber einer der effektivsten Spieler im Team. Coach Ataman schätzt die Defensiv-Stärke des Centers, der mit seiner Körperlänge von 2,18 Meter und seiner enormen Spannweite den Abwehrschirm vor dem eigenen Korb bildet.

Tibor Pleiß (r.) im Trikot von Anadolu Efes im Euroleague-Spiel gegen den FC Bayern

Tibor Pleiß (r.) im Euroleague-Spiel gegen den FC Bayern

Aber auch in der Offensive kommt ihm das Spiel von Anadolu Efes entgegen, häufig werden die großen Spieler wie Pleiß gesucht für das Pick-and-Roll-Spiel, um Wurfchancen zu kreieren und den Weg freizublocken für die vielen Scharfschützen im Team. Keine Mannschaft hat in dieser Euroleague-Saison so viele Dreipunktewürfe versenkt wie Anadolu Efes.

"Ich habe ein sehr gutes Verständnis mit den Point Guards", sagt Pleiß und lobt die gute Kommunikation im Team. "Wir haben sehr gute Pass-Spieler, viele Spieler mit Führungsqualitäten. Wir haben auf jeder Position einen oder zwei Spieler, die europäisch hochklassig sind. Diese Vielseitigkeit zeichnet uns aus, wir finden fast immer eine Lösung auf dem Feld."

Comeback auch im DBB-Team?

Der 29-Jährige spielt bereits seine achte Saison in der Euroleague, er hat sich einen Namen gemacht bei den Top-Klubs in Europa. Inzwischen hat er 186 Partien in der europäischen Königsklasse absolviert, mehr als in der Basketball-Bundesliga. Wohl auch deshalb war er in Deutschland zuletzt etwas vom Radar verschwunden.

Seit 2016 hat der Kölner auch nicht mehr für die Nationalmannschaft gespielt, der damalige Bundestrainer Chris Fleming hatte ihn nicht mehr berücksichtigt, aus Enttäuschung darüber, dass der seinerzeit vereinslose Pleiß während der EM-Qualifikation zu Vertragsgesprächen abgereist war.

Der Zwist sei inzwischen abgehakt, wie beide Seiten versicherten, einem Comeback im DBB-Team steht nichts mehr im Wege. Bundestrainer Hendrik Rödl hat ihn erst vor kurzem wieder in Istanbul besucht, erzählt Pleiß, der wegen des Streits der europäischen Verbände um Länderspiel-Abstellungen auch die Qualifikation für die WM im September nicht mitgemacht hat. "Ich wäre gerne bei der WM dabei, ich war immer stolz darauf, den Adler auf der Brust zu tragen", sagt der 105-fache Nationalspieler. "Aber am Ende ist es eine Trainerentscheidung, das respektiere ich auch." Die Konkurrenz ist inzwischen groß im Nationalteam, auch auf den großen Positionen, wo unter anderem mit Johannes Voigtmann ein weiterer Nationalspieler mit Vitoria in den Euroleague-Playoffs stand.

Anadolu Efes als Underdog gegen Fenerbahce

Ins Final Four der Königsklasse hat es allerdings noch keiner der aktuellen Nationalspieler geschafft. Pleiß könnte als erster deutscher Spieler nach Patrick Femerling, der 2003 mit Barcelona Euroleague-Sieger wurde, wieder den höchsten europäischen Titel gewinnen.

Dafür muss Anadolu Efes im Halbfinale am Freitag (17.05.2019) zunächst Fenerbahce aus dem Weg räumen, den Dauer-Favoriten und auch in dieser Saison wieder das beste Team der Euroleague. Doch in der türkischen Liga liegt Anadolu Efes vorn, zweimal konnten sie in dieser Saison schon gegen "Fener" gewinnen. "Wir sind der Underdog, es war ein Riesenschritt für uns, ins Final Four zu kommen", sagt Pleiß. "Aber wir sind weiter hingrig, wir wollen noch mehr." An einem amtierenden Euroleague-Champion käme dann wohl auch der Bundestrainer nur schwer vorbei.

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Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 17.05.19, ab 22.50 Uhr

Stand: 16.05.2019, 11:26

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