Wie die NBA-Klubs ihre Erfolge planen

NBA Team Philadelphia

Saisonstart im Basketball

Wie die NBA-Klubs ihre Erfolge planen

Von Lovis Binder

In der NBA haben alle 30 Teams nur ein Ziel: Champion werden. Um das zu erreichen, verfolgen sie extrem unterschiedliche Strategien. Die einen gehen hohes Risiko und setzen auf direkten Erfolg, die anderen denken langfristig und nehmen lange Durststrecken in Kauf.

Fans der Philadelphia 76ers haben es nicht leicht. Seit drei Jahren wird ihr Team vom Rest der Liga vermöbelt und landet immer auf einem der letzten Tabellenplätze. Die Sixers konnten in der Zeit nur 47 von 246 Spielen gewinnen. Das ist wirklich schlecht und eine Zumutung für die Anhänger. Aber auch wenn diese teilweise nicht mehr daran glauben: Hinter dieser Durststrecke steckt ein Plan.

Denn die Sixers haben sich für ein langfristiges Modell entschieden. Die Verantwortlichen hätten längst mit gezielten Transfers das Team verbessern können. Aber es hätte ihnen nicht viel gebracht. Jahrelang Mittelmaß wäre wahrscheinlich die trostlose Aussicht gewesen. Deswegen kalkulieren die Sixers die schlechten Saisons ein, damit sie in der Zukunft ganz oben mitspielen können.

Junge Talente zu Stars formen

NBA Team Ben Simmons

Ben Simmons beim Draft

Diese Strategie kann funktionieren, weil das System der NBA schlechte Teams belohnt. Die Sixers durften sich auf Grund ihrer schlechten Platzierungen beim Draft jeweils bei den besten Nachwuchsspielern aus dem College und Ausland bedienen. Mit Ben Simmons, Jahil Okafor und Joel Embiid hat Philadelphia mittlerweile ein Kernteam, das jung ist und sehr viel Potential hat. Der Grundstein ist also gelegt.

Aber Philadelphia ist noch weit davon entfernt, oben mitzuspielen. Die jungen Spieler müssen sich erstmal zu Stars entwickeln und die Verantwortlichen im Verein dafür sorgen, dass um das Trio herum ein gutes Team zusammengestellt wird.

Ob die Sixers in ein paar Jahren ein Top-Team sind? Schwierig zu sagen. Klar ist aber: Die Formkurve wird ab dieser Saison nach oben zeigen.

Alles auf eine Karte gesetzt

Die Brooklyn Nets haben vor drei Jahren eine eine ganze andere Strategie gewählt. Nach einer mittelmäßigen Saison inklusive frühem Playoff-Aus hat sich der Verein für die Alles-oder-nichts-Karte entschieden. Die Nets fädelten einen gigantischen Trade ein und verpflichteten die etablierten Stars Paul Pierce und Kevin Garnett aus Boston, ohne dafür einen guten Spieler abzugeben. Auf Papier gehörte Brooklyn damit direkt zu den Titel-Favoriten.

NBA Brooklyn Nets

Kevin Garnett im Trikot der Brooklyn Nets

Der Plan ging allerdings nicht auf. Das Team harmonierte nicht und schnitt nur unwesentlich besser ab als in der Saison davor. Weil offensichtlich keiner davon überzeugt war, dass dieses Projekt noch funktionieren könnte, verließen nacheinander der Trainer, Pierce und Garnett das Team.

Brooklyn muss ganz von vorne anfangen

Das große Problem bei dieser Strategie: Die Nets haben sich so ihre Zukunft verbaut. Um Pierce und Garnett zu bekommen, mussten sie für mehrere Jahre ihre Rechte an Nachwuchsspielern aus dem Draft an Boston abgeben. 2014 und 2016 hat sich Boston also einen Nachwuchsspieler gesichert, der ursprünglich Brooklyn gehörte, und 2018 dürfen sie dies nochmal tun.

Drei Jahre nach der riskanten Entscheidung befinden sich die Nets aktuell im Niemandsland. Fast alle Stars sind weg, und es gibt kaum junge, starke Spieler. Brooklyn bleibt jetzt nichts anderes übrig, als sich über die nächsten Jahre Schritt für Schritt ein neues Team zu formen.

Brookyln und Philadelphia sind extreme Beispiele, aber sie zeigen sehr gut, wie die Erfolgsplanung in der NBA funktioniert. Die meisten Teams müssen in Intervallen planen: Auf mehrere Jahre Aufbau und Umstrukturierung folgen mit ein bisschen Glück mehrere Jahre, in denen der Titelgwinn als Ziel ausgegeben ist.

Dauerbrenner San Antonio

Es gibt nur wenige Mannschaften, die auf Dauer Erfolg haben. So zum Beispiel die San Antonio Spurs. Seit zwölf Jahren spielen sie immer wieder um den Titel mit. Das funktioniert unter anderem, weil sie es als einer der wenigen Teams geschafft haben, ihre Star-Spieler und ihren Star-Trainer über einen langen Zeitraum zu binden. Außerdem konnten sie immer wieder junge Spieler über den Draft oder Trades verpflichten, die sich extrem gut entwickelt haben (Kawhi Leonard).

Die NBA-Saison startet am 25. Oktober.

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