1993 - Basketballer sorgen für das erste Sommermärchen

Re-live: Das Finale der Basketball-EM 1993 zwischen Deutschland und Russland Sportschau 27.03.2020 00:21 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 Das Erste

EM-Finale Deutschland gegen Russland

1993 - Basketballer sorgen für das erste Sommermärchen

Von Dirk Burkhardt

Vom Außenseiter zum Titelträger - die deutsche Basketball-Nationalmannschaft sorgte bei der Europameisterschaft 1993 im eigenen Land für eine echte Sensation und für das erste Schlaglicht auf eine Randsportart. Die Höhepunkte der Partie auf Sportschau.de.

Sportlich war für deutsche Basketball-Fans die Landschaft im Sommer 1993 sehr überschaubar. Bayer 04 Leverkusen hatte gerade den dritten Meistertitel in vier Jahren geholt. National war das Team um Henning Harnisch, Hansi Gnad und Co. nahezu konkurrenzlos.

Weil es standardmäßig nur fünf Fernsehprogramme gab - und das Internet bei der Einwahl mit den ersten Personal-Computern wenn überhaupt etwas, dann mehr Pling-Pling machte, als Daten transportierte - war die NBA mit ihren Superstars Michael Jordan oder Charles Barkley ein Universum entfernt.

Stirnband, Hip Hop, Nerd-Faktor

Basketball war eine Rand-Rand-Sportart. Stirnband und Hip Hop begleiteten die Hobbyspieler genauso bei den Versuchen, ein Pick-and-Roll zu spielen oder einen Rebound zu holen wie einen damals 15 Jahre alten Dirk Nowitzki in den Sporthallen rund um Würzburg. High-five war cool, hohe Basketballschuhe mit diesem Haken waren ein Luxus.

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft? Eigentlich nicht der Rede wert. In der Welt spielte das Team überhaupt keine Rolle. In Europa gehörte Deutschland zum Mittelmaß. Platz fünf bei der EM 1985 im eigenen Land war das bis dahin beste Ergebnis. Der mit den einzigen NBA-erfahrenen Profis Detlev Schrempf und Chris Welp erspielte Platz sieben bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona war schon eine Sensation.

Mannschaft im besten Alter

Und dann kam der Sommer 1993. Europameisterschaft, zum dritten Mal in Deutschland. Die Dauersieger aus der Sowjetunion und Jugoslawien hatten sich nach dem politischen Frühling in Klein-Nationen aufgespalten. Davon profitierte auch die deutsche Nationalmannschaft, die mit Svetislav Pesic einen Trainer bekam, der sich in Jugoslawien schon einige Meriten verdient hatte.

Seine Mannschaft für das Heimturnier mit den Spielorten Karlsruhe, Berlin und München war eine im besten Alter. Die Guards Kai Nürnberger und Michael Koch, die damals noch Aufbauspieler genannt wurden, hatten genauso einige internationale Erfahrung wie der aus der NBA zurückgekehrte Chris Welp oder Nationalmannschaftskapitän Hanis Gnad auf der Center-Position.

"Flying" Henning Harnisch

Dazu kam mit Henning Harnisch ein Blickfang. Lange Haare, Stirnband, scheinbar schwerelose Flugaktionen Richtung Korb brachten ihm den Spitznamen "Flying" ein. Eine gute Mannschaft. Aber Favorit? Das waren die anderen. Griechenland, Kroatien, Spanien und natürlich Russland.

Henning Harnisch erinnert sich an das Sommermärchen von 1993 Sportschau 28.03.2020 06:22 Min. Verfügbar bis 29.03.2021 Das Erste

Zunächst verlief das Turnier nicht gut. Gegen Außenseiter Estland gab es vor leeren Rängen in Karlsruhe eine krachende Niederlage. Aber ein Pflichtsieg gegen Belgien und eine überzeugende Leistung gegen Geheimfavorit Slowenien brachten die deutsche Auswahl bei der ersten 16er-EM in die Zwischenrunde.

Gerade so ins Viertelfinale

Dort stand nach Niederlagen gegen Frankreich und Kroatien der Sprung in die K.o.-Runde auf der Kippe. Im entscheidenden Spiel gegen die Türkei lag die deutsche Mannschaft immer wieder hinten. Am Ende bedeutete ein 77:64 aber den Einzug ins Viertelfinale. Gerade so geschafft. O.k., aber bis dahin normal. Doch dann entstand Stück für Stück das, was in Sportgeschichte enden sollte.

Das Viertelfinale, ein Drama. In der Verlängerung schlug Deutschland Spanien mit 79:77. Halbfinale. Unglaublich. Die kleine Basketball-Gemeinde, die sich bis dahin mit Kurzberichten im Fernsehen über Wasser halten musste, konnte sich auf einmal zum Semi-Public-Viewing im Wohnzimmer vor einem 20 Zoll Fernseher versammeln, dessen Röhre keine HD-Pixel sondern zerfaserte Schlieren produzierte. Aber das Erlebnis stimmte.

Die DBB-Auswahl trotzte im Halbfinale Favorit Griechenland. Beim Stand von 73:73 hatte Deutschland den letzten Angriff - und Welp, der Sekunden vor der Sirene mit einem wilden Wurf zum 76:73 traf. Deutschland hatte sein Sommermärchen, viele Jahre, bevor der Fußball den Begriff für sich beanspruchte.

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Und dann kam der 4. Juli 1993. Das Finale, das all das Drama, die Emotionen noch einmal toppen, Welp wieder zum Helden und eine ganze Nation zu Basketball-Enthusiasten werden lassen sollte. In der Olympiahalle München würde sich deutsche Basketball-Geschichte grundlegend ändern.

Sehen Sie hier die lange Zusammenfassung des mitreißenden, dramatischen Endspiels mit der Entscheidung in der letzten Sekunde zwischen Deutschland und Russland mit dem Originalkommentar von Fritz von Thurn und Taxis.

Das Finale der Basketball-EM 1993 zwischen Deutschland und Russland Sportschau 29.03.2020 49:58 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 Das Erste

Stand: 27.03.2020, 13:49

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