BBL-Saisonfinale - Abenteuer mit vielen Unbekannten

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Basketball in der Coronakrise

BBL-Saisonfinale - Abenteuer mit vielen Unbekannten

Die Basketball-Bundesliga hat ihren Willen bekräftigt, die Saison zu Ende zu führen. Doch vor dem geplanten Finalturnier mit zehn Mannschaften gibt es noch viele offene Fragen.

Die Basketball-Bundesliga feiert sich zurzeit ein bisschen selbst, und dafür gibt es auch durchaus Gründe: Als einzige der großen deutschen Profiligen hinter dem Fußball hat sich die BBL in der Corona-Pandemie dazu entschlossen, die Saison nicht abzubrechen. Die Liga will weiterspielen, wenn auch im krisenangepassten Modus, und einen deutschen Meister küren. In einem Finalturnier ohne Zuschauer mit zehn Klubs in zwei Fünfergruppen und anschließenden K.o.-Spielen - mehr dazu auch am Sonntag, ab 18.30 Uhr in der Sportschau.

BBL hofft auf Imagegewinn

Eine mutige Lösung und "eigentlich wirtschaftlicher Unsinn" (Berlins Manager Marco Baldi), denn viele BBL-Klubs brauchen die Zuschauereinnahmen am Spieltag zum Überleben. Dennoch kam die Entscheidung für das Turniermodell am Ende einvernehmlich zustande, wie man aus der Liga hört. Abgesegnet auch von den sieben Vereinen, die aus finanziellen Gründen keinen Sinn darin sahen, die Saison mit Geisterspielen fortzusetzen.

Den Ausschlag gab am Ende auch die Hoffnung auf einen Imagegewinn für die gesamte Liga, die der Coronakrise trotzt und anders als Handball und Eishockey versucht, zu retten, was zu retten ist. Das Finalturnier sei eine "große Chance, ins Scheinwerferlicht zu rücken", sagte BBL-Chef Stefan Holz.

BBL - Konzept zur Saison-Fortsetzung in Turnierform Sportschau 27.04.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 27.04.2021 Das Erste

Angst vor Regressforderungen in der BBL

Daneben gab es für die Klubs aber wohl auch handfeste Gründe, sich in das Abenteuer zu stürzen, von dem noch keiner absehen kann, ob es überhaupt zustande kommt - denn das von der BBL vorgelegte Konzept muss erst noch von Politik und Gesundheitsbehörden abgesegnet werden. Stefan Niemeyer, Klubchef von Rasta Vechta, sprach auch von "sehr, sehr hohen Regressforderungen", etwa von Sponsoren, die den Klubs bei einem vorzeitigen Saisonabbruch gedroht hätten: "Hätte es keine zehn Teams gegeben, die dieses Turnier spielen wollen, dann flögen allen Klubs Rechnungen um die Ohren, bei denen dem ein oder anderen Hören und Sehen vergeht."

Die Ausrichtung eines Finalturniers bietet deshalb auch die Möglichkeit, das finanzielle Übel so gering wie möglich zu halten, so Niemeyer - ähnliche Argumente hört man auch aus anderen kleineren Liga-Standorten, etwa aus Göttingen. Auch die sieben Vereine, die nicht mehr mitspielen, sollen etwa anteilig Geld aus den TV-Einnahmen erhalten, die das Turnier einspielen soll.

Berlin, Frankfurt, München als Bewerber

Doch neben dem Finanziellen gibt es noch mehr Unwägbarkeiten - die erste Frage soll am kommenden Montag (04.05.2020) geklärt werden, wenn das BBL-Präsidium den Ort bekannt gibt, der das Finalturnier ausrichten soll. Berlin, Frankfurt und München haben sich offiziell bei der BBL beworben, auch Bonn und Köln sind noch interessiert. München gilt als Favorit. Doch auch die anderen Kandidaten hätten ausreichend Hotel- und Trainingskapazitäten, um zehn Mannschaften samt Betreuerstab unterzubringen, dazu Schiedsrichter, Zeitnehmer, und sonstige Offizielle, die es für ein Basketballspiel braucht, mit einem Tross aus 250 bis 300 Leuten eine relativ überschaubare Menge, vor allem im Vergleich zum Fußball.

Baskets Bonn - solidarisch durch die Krise Morgenmagazin 29.04.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 29.04.2021 Das Erste

Offene Fragen um US-Profis und Spielerverträge

Offen ist aber weiterhin, mit welchen Spielern die Mannschaften auflaufen werden - die Situation mit den Verträgen ist kompliziert und vor allem je nach BBL-Standort sehr unterschiedlich. Die meisten US-Profis sind in die Heimat abgereist. Bei einigen wurden die Verträge längst aufgelöst, bei anderen nur ausgesetzt - mit der Option, den Vertrag wieder aufleben zu lassen, sollte die Saison tatsächlich fortgesetzt werden. Doch selbst bei schriftlich festgelegten Vereinbarungen könne man die Spieler während der Corona-Pandemie, die vor allem in den USA schwer wütet, nicht einfach zwingen, wieder nach Deutschland zu kommen, sagte Göttingens Geschäftsführer Frank Meinertshagen bei Magenta Sport: "Die Spieler wollen grundsätzlich wieder spielen. Aber es hängt auch von der einzelnen Situation ab, ob sie zurückkommen, zum Beispiel auch was die Familien vor Ort sagen. Das könnte bei dem einen oder anderen schwierig werden."

Bei einigen Klubs, vor allem bei jenen, die nicht unbedingt die Teilnahme an den Playoffs einkalkuliert hatten, laufen Spielerverträge spätestens Ende Mai aus, zum Teil schon früher. Auch die Spieler von den sieben Vereinen, die die Saison beendet haben, sind wieder auf dem Markt, wenn das Finalturnier tatsächlich wie geplant bis spätestens 30. Juni über die Bühne gehen sollte. Theoretisch könnten die zehn Finalteilnehmer ihre Kader dann mit Profis aus Würzburg, Bonn oder Bayreuth oder mit anderen Spielern auffüllen, die keinen Vertrag mehr besitzen. Auch darüber sollen sich die sportlichen Leiter der Klubs nun in einer Arbeitsgruppe abstimmen.

Entscheidung über Bundesliga hat Signalwirkung

Alle Planspiele hängen aber von der behördlichen Zustimmung zum Hygiene- und Infektionsschutzkonzept ab, das die BBL für ihr "Geisterturnier" erarbeitet, und sich dabei stark an der Vorlage der DFL orientiert. Geschäftsführer Stefan Holz hat den 18. Mai als "Point of no Return" benannt, bis dahin müsste es grünes Licht von der Politik geben. Doch schon die Beratungen am kommenden Mittwoch zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten über die mögliche Fortsetzung der Fußball-Bundesliga dürften richtungsweisend sein: Verweigert die Politik der DFL die Zustimmung, könnte es auch für die Basketballer schwierig werden.

red/dpa/sid | Stand: 01.05.2020, 17:25

3. Mai, 18:30 - 19:20 | Das Erste

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