BBL-Playoffs - Oldenburg und der Energiefaktor

Oldenburgs Spieler Will Cummings (l.), Ricky Paulding

Basketball-Bundesliga

BBL-Playoffs - Oldenburg und der Energiefaktor

Von Christian Mixa

Die EWE Baskets Oldenburg gehen als erster Herausforderer des Favoriten Bayern München in die BBL-Playoffs. Ein Faktor im Titelrennen könnten dabei die gut gefüllten Energiereserven der Oldenburger sein.

Von Leicester bis Nischni Nowgorod, vom finnischen Joensuu bis Teneriffa - das Zerwürfnis der großen Verbände im europäischen Basketball führte dazu, dass in dieser Saison auch in den entlegensten Winkeln des Kontinents jede Woche Europapokalspiele stattfanden.

Den EWE Baskets Oldenburg, die in dieser Saison nicht international spielten, blieben so einige Tausend Kilometer Reisestrapazen erspart. Während die halbe Liga meistens in irgendeinem der vier europäischen Wettbewerbe unterwegs war, stand
für die Oldenburger zuhause eine komplette Trainingswoche ohne Spiel auf dem Programm. Für Basketballer ist das eher ungewohnt - da könne es schon passieren, erzählte Flügelspieler Philipp Schwethelm bei Magenta Sport, dass sich die Spieler am Ende einer quälend langen Woche in der Halle an die Gurgel gehen.

Oldenburg als Zweiter in die Playoffs

So schlimm war es dann doch nicht, versichert Oldenburgs Trainer Mladen Drijencic. Aber es sei schon eine besondere Herausforderung gewesen, die Intensität hochzuhalten: "Wir haben versucht, immer wieder neue Reize im Training zu setzen, verschiedene Übungen, kleine Wettbewerbe", sagt Drijencic. "Aber jetzt reicht es auch langsam - es ist gut, dass die Playoffs losgehen."

Die Oldenburger, im Vorjahr nur Tabellensiebter, haben sich als Zweiter eine glänzende Position für den Kampf um den Titel erarbeitet. Coach Drijencic, dessen Vertrag kurz vor dem Playoff-Start verlängert wurde, hebt die gute Teamchemie in dieser Saison hervor: "Normalerweise haben Mannschaften, die mehr trainieren und weniger spielen, Probleme mit der Geschlossenheit. Sie sind weniger auf Reisen, am Flughafen, in Hotels - alles das schweißt sonst zusammen. Aber die Mannschaft hat sehr gut zusammengearbeitet und große Fortschritte gemacht, sie verstehen sich gut, trotz der Trainingsmonotonie."

Cummings als MVP, "Mr. Triple-Double" Mahalbasic

Der Kern des Teams ist zusammengeblieben, angeführt von Routinier Rickey Paulding, der schon bei Oldenburgs Titelgewinn 2009 dabei war. Dazu kamen Spieler in herausragender Form: Spielmacher Will Cummings wurde erst Liga-Topscorer und im Anschluss als "MVP", als wertvollster Spieler der BBL, ausgezeichnet. Unter dem Korb glänzte Rasid Mahalbasic als Abräumer und Ballverteiler: Der Österreicher schaffte gleich in drei Spielen ein "Triple-Double", eine zweistellige Punkteausbeute in drei verschiedenen Kategorien, und stellte damit sogar einen neuen BBL-Rekord auf.

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Profitiert haben die "Donnervögel" sicherlich auch von den gut gefüllten Energiereserven. Bei den vorentscheidenden Duellen in der Schlussphase der Saison gegen Berlin und Bamberg, die direkten Konkurrenten im Kampf um Platz zwei, wirkten die Oldenburger am Ende auch frischer und behielten jeweils die Oberhand. Vor allem bei den Berlinern, die im Eurocup bis ins Finale kamen und dort auch über die volle Distanz der Playoff-Serie gingen, schienen die Akkus zuletzt aufgebracht. Auch der FC Bayern, Topfavorit auf den Titel, hat wegen der Euroleague fast 70 Spiele in den Knochen.

Oldenburgs Coach Mladen Dirjencic (l.) mit den Bankspielern

Große Geschlossenheit: Oldenburgs Bank mit Coach Drijencic

Die Frage ist, inwieweit die Energie auch ein Faktor sein kann, der im Titelrennen den Ausschlag für Oldenburg geben könnte: "Es ist sehr schwierig, das nur unter diesem Aspekt zu betrachten", sagt Drijencic. "Es kann sein, dass wir in den letzten zwei Minuten eventuell mehr Frische haben. Aber das würde auch bedeuten, dass wir in den 38 Minuten davor den kompletten Energievorrat des Gegners leerspielen müssten. Wichtig ist die mentale Stärke und die Trainingssteuerung insgesamt. Wir haben es über die Saison versucht, so zu steuern, dass wir in den Playoffs mehr herausholen können."

Die hohe Belastung für die Spieler, die zwischen Oktober und Mai ein strammes Pensum an nationalen und internationalen Spielen bewältigen müssen, bleibt aber ein großes Thema im deutschen Basketball. Vor allem die großen Klubs aus München, Bamberg und Berlin fordern schon seit längerem, die Liga zu verkleinern, auf 16 oder gar nur noch auf 14 Klubs.

Diskussion um Verkleinerung der Liga

Das BBL-Präsidium betonte im Vorjahr, zunächst an einer 18er-Liga festhalten zu wollen. Doch zugleich haben die Gesellschafter die Zutrittsschranken für die Bundesliga erhöht: Ab der kommenden Saison müssen die Vereine einen Mindestetat von drei Millionen Euro vorweisen können, eine Million mehr als bisher. Nach einer Erhebung des Wirtschaftsmagazins Sponsors vom vergangenen November gibt es in der BBL vier Klubs, die mit ihren Budgets unterhalb der neuen Grenze lagen. Auch die Gebühr für eine Wildcard wird mit 750.000 Euro deutlich erhöht. Für Absteiger aus der Bundesliga oder ambitionierte Zweitligisten wird es damit künftig teurer, sich das Startrecht für die BBL zu erkaufen.

Liga-Geschäftsführer Stefan Holz stritt gegenüber dem Magazin BIG ab, die Gremien würden damit die Verkleinerung auf 16 Klubs durch die Hintertür betreiben, indem sie an der Preisschraube drehten. Doch genau dieser Vorwurf hält sich hartnäckig, vor allem bei den Klubs aus dem Unterbau der Liga. Tatsächlich hat etwa Aufsteiger Nürnberg die wirtschaftlichen Auflagen für die Bundesliga im ersten Anlauf verfehlt. Auch Bremerhaven hat keine Lizenz für die kommende Saison bekommen - auch hier, so der Vorwurf aus Bremerhaven, sei es das wahre Motiv der BBL-Gremien gewesen, den ersten Schritt zu einer kleineren Liga zu machen. Die Bremerhavener verpassten dann allerdings auch sportlich den Klassenerhalt.

Drijencic: Hohe Belastung wegen FIBA-Streit

Für Oldenburgs Trainer liegt der eigentliche Grund für die hohe Belastung der Spieler sowieso im Streit auf europäischer Ebene - der dazu führt, dass es zu viele Wettbewerbe gibt: "Neun Mannschaften, mehr als die Hälfte der Bundesliga haben international gespielt - das ist einfach zuviel", sagt Drijencic. "FIBA und Euroleague müssten sich zusammensetzen und einen Plan entwerfen, von dem der Basketball profitiert, und nicht einzelne Wettbewerbe. Die Lösung des Problems liegt nicht auf der nationalen Ebene."

Oldenburg wird kommendes Jahr aller Voraussicht nach wieder international spielen, womöglich als Meister in der Euroleague - die langen Trainingswochen hätten dann definitiv ein Ende.

BBL: Bayern München startet als Top-Favorit in die Playoffs Sportschau 17.05.2019 01:50 Min. Verfügbar bis 17.05.2020 Das Erste

Stand: 17.05.2019, 11:04

Team S P
1. Alba Berlin 4 8:0
2. Crailsh. Merlins 4 8:0
3. FC Bayern 4 8:0
4. Bask. Oldenburg 4 6:2
5. Braunschweig 4 6:2
  ...    
15. Gießen 46ers 3 0:6
16. medi Bayreuth 4 0:8
17. BG Göttingen 4 0:8
Darstellung: