Falcons-Trainer Junge - "Die BBL wollte Nürnberg nicht"

Nürnbergs Trainer und Geschäftsführer Ralph Junge

Interview mit dem Trainer der Nürnberger Falcons, Ralph Junge

Falcons-Trainer Junge - "Die BBL wollte Nürnberg nicht"

Der Lizenz-Antrag des BBL-Aufsteigers Nürnberger Falcons wurde endgültig abgelehnt. Trainer und Geschäftsführer Ralph Junge spricht im Interview über die Gründe und die Zukunft des Klubs.

Die Nürnberger Falcons sind sportlich in die erste Basketball Bundesliga (BBL) aufgestiegen. Dennoch wird der Klub in der Saison 2019/20 in der zweitklassigen ProA an den Start gehen.

Die BBL verweigerte die Lizenz, weil der Verein wesentliche Anforderungen nicht erfüllt habe. Dabei geht es um eine fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und eine nicht vorhandene Spielstätte.

Sportschau.de: Herr Junge, vor wenigen Tagen fiel die Entscheidung: Sie erhalten keine Lizenz für die BBL. Wie groß ist die Enttäuschung?

Ralph Junge: Natürlich groß. Vor allem, nachdem uns das Schiedsgericht kurz zuvor einen Vorschlag gemacht hatte, was die Lizenzerteilung angeht. Da kam die Ablehnung am Tag darauf doch sehr überraschend und hat nicht zu den vorherigen Gesprächen gepasst. Es ist jetzt einfach bitter, weil wir uns sowohl sportlich, moralisch und eigentlich auch juristisch im Recht fühlen und man dann doch der Willkür anderer ausgesetzt ist.

Können Sie die Entscheidung nachvollziehen?

Junge: Aufgrund der Absicherung der Stadt Nürnberg in Bezug auf Ticket-Einnahmen und Etat waren wir uns sicher, dass wir die notwendigen Auflagen erfüllen. Was uns überhaupt nicht passt, ist die Art und Weise, mit der unterschriebene Verträge mit dem Nürnberger Oberbürgermeister von der Liga nicht anerkannt worden sind. Wir waren uns in dem gesamten Verfahren aber auch bewusst, dass das Ziel der BBL ein anderes ist.

Die BBL wollte Nürnberg nicht in der Liga haben und das haben sie in dem gesamten Verfahren deutlich gemacht. Das ist das, was uns ärgert. Die Hoffnung hatten wir aber definitiv bis zum Ende, weil sie auch berechtigt war.

Nürnberg-Trainer Junge: "Die BBL wollte Nürnberg nicht"

Sportschau 10.07.2019 00:34 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 ARD

Haben Sie denn eine Begründung bekommen, warum die BBL die Verträge mit dem Oberbürgermeister in der Entscheidung nicht mit berücksichtigt hat?

Junge: Es gab nur die Begründung bezüglich des Baus der Spielstätte, 'der Politiker kann alles sagen aber der Berliner Flughafen steht auch noch nicht.' Das ist als Begründung meiner Meinung nach relativ vage. In dem Punkt sind wir vom Schiedsgericht sehr enttäuscht, weil das Schiedsgericht in gewissen Bereichen hätte sagen können: 'Wenn der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg etwas zusagt und sogar Stadtratsbeschlüsse existieren, dann ist der Nachweis der Spielstätte erbracht.' Das ist leider ausgeblieben.

Sie sagen, die BBL wollte Nürnberg von Anfang an nicht in der ersten Liga haben. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Junge: Die BBL möchte die Liga verkleinern. Die BBL wird es nie sagen, aber es ist ein offenes Geheimnis. Das ist ein ganz elementares Ziel, welches auch von großen Vereinen, die Euro League spielen, gefordert wird. Das ist sicherlich das Hauptargument.

War es im Nachhinein richtig, die Entscheidung mehrmals anzufechten?

Junge: Ja, wir haben durch das Verfahren viel gewonnen. Wir haben dadurch neue Sponsoren bekommen und die neue Halle wird gebaut. Das ist wichtig, um vielleicht auch perspektivisch in der BBL zu spielen. Somit war es definitiv richtig, in das Lizenzverfahren reinzugehen und es bis zum Ende durchzuziehen, auch wenn das Ergebnis nicht so ist, wie wir es wollten.

Ralph Junge: "Wir sind leider auf der Strecke geblieben"

Sportschau 10.07.2019 00:28 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 ARD

Werden Sie das Urteil jetzt hinnehmen?

Junge: Wir können diese Entscheidung in der Form nicht anfechten. Wir werden nächste Saison nicht BBL spielen, sondern ProA. Somit haben wir auch sofort begonnen mit entsprechenden Spielern und entsprechenden Sponsoren Gespräche zu führen, weil wir natürlich alles neu planen müssen. Das schließt aber dennoch nicht aus, dass wir vielleicht noch vor ein ordentliches Gericht gehen, weil einfach zu viele Dinge unsauber liefen und wir uns definitiv die Option rechtlicher Schritte vorbehalten.

Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison 2019/20?

Junge: Ich denke, dass die ProA sehr stark wird. Es gibt keinen Verein, der sagt, er befindet sich im Abstiegskampf. Es wollen alle um die Playoffs spielen. Das sagt eigentlich schon ziemlich viel aus. Deswegen muss das erste Ziel sein, den Klassenerhalt einzufahren. Wenn man dann am Ende die Playoffs erreicht, geht´s wieder nur mit Vollgas, da sind dann alle Chancen da.

Nürnberg-Trainer Junge: "Vollgas Richtung ProA"

Sportschau 10.07.2019 00:28 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 ARD

Aber das Ziel Aufstieg ist weiterhin im Hinterkopf?

Junge: Natürlich wollen wir die nächsten Jahre wieder um den Aufstieg mitspielen. Wenn sich die Mannschaft wieder so gut findet wie in diesem Jahr, werden wir auch wieder eine Chance haben. Mittelfristig wollen wir auf jeden Fall in der BBL spielen.

Das Interview führte Jakob Halbfas.

Stand: 11.07.2019, 14:12

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