FC-Bayern-Dominanz - jetzt auch im Basketball

Die Bayernspieler bejubeln den Sieg im letzten Finalspiel gegen Alba Berlin

BBL-Finale

FC-Bayern-Dominanz - jetzt auch im Basketball

Von Christian Mixa

Nach dem erneuten Meistertitel des FC Bayern steht dem deutschen Basketball wohl eine ähnliche Alleinherrschaft bevor wie im Fußball. Doch Alba Berlin ist den Münchnern immerhin als ein ernsthafter Herausforderer gewachsen.

Nihad Djedovic, wertvollster Spieler der Finalserie, bekam die Aufgabe, den Durchmarsch der Münchner in der Finalserie gegen Alba Berlin zu erklären. Der glatte 3:0-Erfolg täuscht ein wenig darüber hinweg, wie eng und umkämpft die Serie in Wahrheit war.

Dreimal entschieden die Münchner äußerst knappe Spiele erst in der Schlussphase. Dreimal hätte es nach dem Spielverlauf am Ende auch genauso gut zugunsten der Berliner ausgehen können, die im dritten Spiel 35 von 40 Minuten der regulären Spielzeit in Führung lagen. Bayerns Anführer Djedovic aber sagte bei Magentasport: "Es musste einfach so sein."

Typische Mentalität der Bayern

Dies war nicht etwa überheblich gemeint. Djedovic beschrieb einfach jene Mentalität, die man auch der erfolgreichen Fußballabteilung nachsagt. Das berühmt-berüchtigte Bayern-Gen, das inzwischen auch die Basketballer fest in ihre DNA eingepflanzt haben - und das am Ende dazu führt, dass der Meisterpokal auf schon fast logische Weise nach München geht.

Bayerns Dominanz zeichnet sich aus durch individuelle Extraklasse, auf allen Positionen. Dazu kommen Nervenstärke, Abgebrühtheit und ein schwer zu erschütterndes Vertrauen in die eigene Stärke.

Auch die Bayern machten Fehler in einer über weite Strecken mit offenem Visier geführten Finalserie. Aber der Herausforderer aus Berlin machte sie eben immer in den entscheidenden Momenten - als der Meister wiederum entschlossen zupackte und die Siegchance ergriff. Auch dank erfahrener Führungsspieler wie eben Djedovic, Nationalspieler Danilo Barthel, Matchwinner im dritten Spiel oder Vladimir Lucic.

Liga droht Langeweile

Für die Liga verheißt das wenig Gutes - vor allem für jene Fans, die sich mehr Spannung wünschen. Im deutschen Basketball droht künftig eine ähnliche Langeweile wie im Fußball, mit einem Meister-Abo für den FC Bayern. Doch durch Alba Berlin, dies ist die zweite Erkenntnis aus der Finalserie, ist den Münchnern ein ernsthafter Rivale erwachsen, der ihnen auch in den kommenden Jahren Paroli bieten kann.

BBL - Bayern gewinnt die Meisterschaft in der Verlängerung Morgenmagazin 24.06.2019 01:04 Min. Verfügbar bis 24.06.2020 Das Erste

Im Finale durfte sich Alba auf Augenhöhe fühlen, trotz unterschiedlicher Klub-Philosophie und des geringeren Etats, wie sie in Berlin oft und gerne betonen. Doch auch die Berliner waren bis zum Endspiel ohne eine Niederlage durch die Playoffs gefegt und hatten unter anderem den hoch gehandelten Oldenburgern im Halbfinale keine Chance gelassen. Und das, obwohl sie wie die Bayern mehr als 60 Spiele in den Knochen hatten, wegen der hohen Belastung im Europapokal.

Bayern und Alba auf internationalen Pfaden

Dies zeigt, wie weit beide Klubs mittlerweile dem Rest der Liga enteilt sind. Mit Kadern, die voll auf den internationalen Erfolg ausgerichtet sind. Der FC Bayern hat für die kommenden zwei Jahre bereits eine Wildcard für die Euroleague. Für die Zeit danach, so die Signale aus der Euroleague-Zentrale, ist ein fester Platz als Lizenzklub in der europäischen Königsklasse reserviert.

Dies erhöht wiederum die Chancen für die Berliner, künftig auch in der europäischen Beletage zu spielen. Die Euroleague hält ab der kommenden Saison einen zweiten Platz für einen Klub aus der BBL frei, der sich über das Abschneiden in der Liga qualifiziert. Mit dem Einzug ins Endspiel hatte Alba sich bereits das Euroleague-Ticket gesichert, neben den mit einer Wildcard automatisch teilnehmenden Bayern. Auch für die Zukunft sind die Berliner erster Kandidat für die Euroleague. Deren Präsident Jordi Bertomeu hatte zuletzt im Frühjahr bekräftigt, wie gerne er die Metropole Berlin in Europas Topliga sähe.

Deutscher "Basketball-Clasico"

Dies dürfte auch in der BBL die Stellung der Berliner als zweite Kraft hinter dem Platzhirsch aus München zementieren. Alba dürfte auf absehbare Zeit der einzige Verfolger der Bayern bleiben, mögliche Konkurrenz von den Klubs dahinter ist jedenfalls nicht in Sicht. Bamberg, die Mannschaft, die die Ära vor dem FC Bayern prägte, steckt in einem großen Umbruch, schwächte sich zuletzt selbst durch Führungsquerelen und hat sich zudem einen Sparkurs auferlegt.

Auch Oldenburg ist strukturell längst nicht so gut aufgestellt wie Alba. Die Finalpaarung der zwei vergangenen Spielzeiten wird es wohl deshalb noch häufiger geben. Und damit auch im Basketball fest terminierte Festtage, wenn Bayern auf Alba trifft - ein deutscher "Basketball-Clasico". 

Stand: 24.06.2019, 11:30

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