Basketball-WM: Historisch schlechtes Abschneiden der USA

Die Amerikaner Donovan Mitchell (li.) und Kemba Walker

WM-Aus gegen Frankreich

Basketball-WM: Historisch schlechtes Abschneiden der USA

Das Viertelfinal-Aus bei der Basketball-WM in China passt überhaupt nicht ins Selbstverständnis der USA. Nach einer weiteren Niederlage im Platzierungsspiel wird das Team historisch schlecht abschneiden. Für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio werden die Rufe nach den Superstars lauter.

"Debakel", "Weckruf", "Quittung" - das mediale Echo auf den krachenden K.o. des Teams USA fiel deutlich aus. Zum Selbstverständnis als Basketball-Supermacht passt das Viertelfinal-Aus bei der WM in China so gar nicht. "Das Leben geht weiter", hatte Trainer Gregg Popovich nach der 79:89-Pleite gegen Frankreich gesagt. Für den ursprünglichen Turnierfavoriten ging es am Donnerstag (12.09.2019) mit der zweiten Niederlage binnen 24 Stunden weiter: Diesmal setzte es ein 89:94 (40:44) gegen Serbien.

"Zerrissenes amerikanisches Team"

Den bisherigen Tiefpunkt in der WM-Historie aus dem Jahr 2002 mit Rang sechs werden die USA in Fernost noch einmal unterbieten, eine Partie steht am Samstag noch an. Doch die große Frage, die auch die sportaffine Öffentlichkeit zwischen New York und Los Angeles bewegt, ist: Wie geht es weiter für das Aushängeschild des Basketball-Mutterlandes? Kehren nach dem Ende der 58 Siege währenden Erfolgssträhne bei FIBA- und Olympiaturnieren zu den Sommerspielen in Tokio Superstars wie LeBron James, Steph Curry oder James Harden zurück?

"Von der WM bleibt vor allem ein Weckruf", schrieb "ESPN": "Amerikas Topspieler müssen ihre Pläne für den kommenden Sommer überdenken. Die Welt ist mittlerweile voll von Nationalmannschaften, die ein zerrissenes amerikanisches Team entlarven können."

WM für Stars zu unattraktiv

Vor dem Start der Vorbereitung im August hatte es für Popovich Absagen gehagelt. Zu unattraktiv schien den Topspielern die WM ein Jahr vor Olympia, das eine stärkere Anziehungskraft ausübt. Zu groß war die Sehnsucht nach einer Pause vor dem Beginn der nächsten kraftraubenden Saison im Millionenzirkus in Übersee. Übrig blieben am Ende zwölf NBA-Profis, die nicht zur absoluten Elite gehören. "Zu sagen, dies ist ein B-Team, ist eine Untertreibung", schrieb "USA Today". In China spielt eher ein C-Team - und das reicht auf internationalem Level nicht mehr.

Die USA wirkten spätestens nach der Niederlage im Testspiel in Australien verwundbar, dann brauchte Popovichs Team in der Vorrunde eine Verlängerung gegen die Türkei, die das Turnier letztlich als 22. abschloss. Im K.o.-Duell war Deutschland-Bezwinger Frankreich, angeführt vom überragenden NBA-Profi Rudy Gobert, strukturierter, stärker. Das Level des europäischen Topteams war für einige US-Profis offenbar erstaunlich, dabei hatten die Amerikaner schon 2016 in Rio mit Kevin Durant, Kyrie Irving und Carmelo Anthony nur knapp (100:97) gegen die "Equipe Tricolore" gewonnen.

Keine weitere Pleite erlaubt

Nun räumte US-Profi Joe Harris ein, dass der Gegner die Partie von Beginn an dominiert hatte. Und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, laut eigenen Angaben ein "stolzer Anhänger" von "Les Bleus", kann auf das Halbfinale gegen Argentinien am Freitag hinfiebern.

Für Popovich, der in der NBA seit Urzeiten (1996) die San Antonio Spurs betreut, gilt es in den Platzierungsspielen dagegen, weitere Niederlagen zu vermeiden. Sein Start als Chefcoach erinnert schon jetzt an seine enttäuschende Zeit als Assistent beim Team USA von 2002 bis 2004 mit Platz sechs bei der WM und Olympia-Bronze.

sid | Stand: 12.09.2019, 13:30

Darstellung: