Basketball-WM - Letzte Mission für "Coach Pop"

US-Coach Gregg Popovich

Team USA

Basketball-WM - Letzte Mission für "Coach Pop"

Von Christian Mixa

Gregg Popovich hat als Trainer in der NBA alles erreicht. Wenn es einen gibt, der das zusammengewürfelte US-Basketballteam auf der schwierigen WM-Mission anleiten kann, dann der Erfolgscoach aus San Antonio.

Donovan Mitchell von den Utah Jazz gab vor wenigen Tagen einen Einblick in den Trainingsalltag der US-Amerikaner bei dieser Basketball-WM. Die Einheiten beginnen oft mit einem kleinen Quiz, in der Art von "Wer wird Millionär": Trainer Gregg Popovich pickt sich einen Spieler heraus und stellt ihm Fragen aus allen möglichen Wissensgebieten. Mal geht es um den amerikanischen Bürgerkrieg, mal um die chemischen Elemente und das Periodensystem.

Weiß der Spieler die Antwort nicht, muss er einen Teamkollegen als Hilfe benennen - was wie man hört, häufig der Fall ist: "Es geht darum, dass man sich von seinen Mitspielern helfen lässt, dass man lernt, den anderen zu vertrauen", sagte Mitchell gegenüber "nba.com" zur ungewöhnlichen Teambuilding-Maßnahme des Trainers. Auch Brook Lopez von den Milwaukee Bucks zeigte sich angetan: "Es hilft auf jeden Fall, den Zusammenhalt im Team zu stärken."

Fünf Meisterschaften mit den Spurs unter "Coach Pop"

Wahrscheinlich hätte Popovich die Spieler aber auch zu einem Kochkurs über die Sichuan-Küche schicken können, oder in die berühmte Peking-Oper - und sie wären hinterher begeistert zurückgekehrt. Denn "Coach Pop", wie er in den USA genannt wird, ist eine echte Autorität. Er wäre nicht der dienstälteste Trainer der NBA, und einer der erfolgreichsten, wenn er es in seinen 23 Jahren in der besten Basketball-Liga der Welt nicht geschafft hätte, einen besonderen Draht zu seinen Spielern zu finden, und etwas Besonderes aus ihnen herauszuholen. Fünf NBA-Titel hat Popovich mit den San Antonio Spurs gewonnen, nur Phil Jackson und der legendäre Celtics-Coach Red Auerbach haben mehr Meisterringe geholt.

Gregg Popovich mit Team USA

Schwierige WM-Mission: Coach Popovich mit Team USA

Als Popovich Headcoach bei den Spurs wurde, im Jahr 1996, waren die Chicago Bulls gerade Meister geworden, mit Michael Jordan als MVP. Und ein gewisser Kobe Bryant machte sein erstes Spiel bei den Los Angeles Lakers. Popovich hat NBA-Dynastien kommen und gehen sehen. Mit den Spurs war er über viele Jahre erfolgreich, auch weil er es schaffte, Stars wie David Robinson, Tim Duncan oder auch Kawhi Leonard seine Idee vom Team-Basketball zu vermitteln. Mit natürlicher Autorität und der gewissen Aura eines Basketball-Großmeisters an der Seitenlinie. Aber auch mit viel Leidenschaft: "Egal ob es mitten in der Saison war, oder nur in einem Vorbereitungsspiel - mich hat es immer beeindruckt, wieviel Feuer er hatte", sagte der langjährige Spurs-Center Duncan über "Coach Pop".

Rassismus, Waffenkontrolle - Popovich und die US-Politik

Seinen Status als lebende Trainer-Legende nutzt Popovich auch, um sehr deutlich zu den gesellschaftlichen Problemen in den USA Stellung zu beziehen. Dabei lässt er keinen Zweifel daran, auf wessen Seite er im tief gespaltenen Amerika unter Donald Trump steht: Popovich spricht von der USA als "rassistischem Land", er hat den "Women's March" gegen sexuellen Diskriminierung unterstützt, ebenso wie NFL-Footballer Colin Kaepernick und dessen Hymnen-Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Er doziert über "White Privilege", die in der amerikanischen Gesellschaft tief verankerten Privilegien der weißen Bevölkerung, vor allem gegenüber Afro-Amerikanern:  "Es ist wie ein 100-Meter-Rennen, das du von der 50-Meter-Marke startest. Es gibt diesen Vorsprung, nur allein deshalb, weil du als Weißer in den USA geboren bist. Dies ist über Jahrhunderte zementiert worden, in unserer Kultur, in unseren Köpfen, in unserem System."

Das Team USA bei der Basketball-WM Sportschau 29.08.2019 01:10 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 ARD

Während der Vorbereitung auf die WM, nach den Amokläufen in El Paso und Dayton, forderte Popovich die Regierung in Washington auf, endlich die Waffenkontrolle zu verschärfen: "Es wäre besser, sie würden ihren Hintern hochkriegen und etwas unternehmen", sagte er bei "ESPN" und schob noch einen sarkastischen Kommentar hinterher: "Im Moment sind sie ja im Urlaub. Aber ich bin mir sicher, gleich nach ihrer Rückkehr gehen sie das Problem mit den Waffen an. Und all die anderen Dinge auch: Klimaschutz, gleiche Bezahlung."

Kritik an Trump: "Wie eine dunkle Wolke über dem Land"

Popovichs Worte haben umso mehr Schlagkraft, weil sie von einem 70 Jahre alten, weißen Mann kommen, aufgewachsen in einem bürgerlichen Teil Chicagos, ausgebildet in der Akademie der US Air Force - und nicht etwa von einer US-Fußballerin wie Megan Rapinoe, die der LGBT-Bewegung nahesteht.

Auch den Präsidenten hat Popovich schon direkt attackiert: Er bezeichnete Donald Trump unter anderem als "seelenlosen Feigling", seine Präsidentschaft hänge wie eine dunkle Wolke über dem Land, Trumps Politik sei eine "Schande für die Welt". Man darf schon jetzt gespannt sein, was Popovich einer möglichen Einladung aus dem Weißen Haus entgegnet, sollten die USA mit Gold von der WM zurückkehren.

Der alte Traum von Olympia

Dass er der richtige Mann für die schwierige WM-Mission der US-Basketballer ist, die in China mit vielen Absagen zu kämpfen haben, das hat der, von einem Wackler gegen die Türkei mal abgesehen, bislang weitgehend souveräne Turnierverlauf von Team USA bewiesen. Für den Coach, der eigentlich alles erreicht hat, dürfte es dabei auch um die Erfüllung eines persönlichen Traums gehen: Im Trainingscamp vor der Abreise nach China erzählte Popovich den Reportern die Geschichte, wie er 1972, als junger vielversprechender Guard des Air-Force-Teams, kurz vor den Olympischen Spielen aus dem Kader des US-Teams gestrichen wurde. "Wir haben tagelang Party gemacht, bis wir umgefallen sind", erinnerte sich Popovich, machte aber auch deutlich, wie sehr ihm die Ausbootung immer zu schaffen machte: "Ich war am Boden zerstört."

Als Headcoach der US-Amerikaner kann er sich seinen Traum von Olympia nun doch noch erfüllen: Denn das WM-Gold in China soll nur Zwischenstation sein - auf dem Weg zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Tokio.

Stand: 10.09.2019, 06:00

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