Basketball-WM: Argentiniens neue goldene Generation

Luca Vildoza (r.), Luis Scola

Basketball-Weltmeisterschaft in China

Basketball-WM: Argentiniens neue goldene Generation

Von Christian Mixa

Argentiniens Basketballer stehen bei der WM überraschend im Halbfinale. 15 Jahre nach dem Olympia-Gold greift eine neue Generation wieder nach einem großen Titel.

Auch der berühmteste Basketballer des Landes fieberte mit, beim bislang größten Coup der Argentinier bei dieser WM. "Ich habe Gänsehaut", schrieb Manu Ginobili bei Twitter. Da hatten seine Nachfolger im weiß-blauen Dress gerade im Viertelfinale den hohen Favoriten Serbien ausgeschaltet. Ginobili gehört zu Argentiniens goldener Generation, die 2002 Vize-Weltmeister wurde und 2004 Olympiasieger. 2008 gewann das Team um den vierfachen NBA-Champion Ginobili bei den Spielen in Peking noch einmal Bronze.

"El Alma" im WM-Halbfinale

Jetzt greift "El Alma", die Seele Argentiniens, wie die Basketball-Nationalmannschaft am Rio de la Plata genannt wird, bei der WM in China erneut nach einer Medaille. "Das bedeutet uns sehr viel", sagte Luis Scola nach dem Erfolg über Serbien. Der Routinier stand schon an der Seite von Ginobili in den argentinischen Erfolgsteams der ersten Dekade. "Alle sprechen von einem Wunder, aber es ist kein Wunder. Wir sind 22 Leute, die Mannschaft, die Betreuer, die immer daran geglaubt haben, dass wir es so weit schaffen können. Und wir haben es verdient, weil wir wirklich ein gutes Basketball-Team sind."

In der Tat hatte vor dem Turnier - und auch vor den K.o.-Spielen - kaum jemand Argentinien als Medaillenkandidaten auf dem Zettel. Nicht nur, weil die Südamerikaner bei dieser WM ohne einen NBA-Profi antreten. Zu groß schien die Konkurrenz, mit den USA, den bärenstarken NBA-Auswahlen aus Frankreich und Australien - und vor allem mit den Serben. Die waren spätestens nach der Vorrunde zum Top-Favoriten aufgestiegen und ihr Weg ins Finale schien vorgezeichnet, mit den zwei Stars Nikola Jokic und Bogdan Bogdanovic, die als MVP-Kandidaten des Turniers gehandelt wurden.

Serbiens Dream-Team entzaubert

Doch die Argentinier entzauberten das serbische Dream-Team, mit bissiger Verteidigung, Schnelligkeit, exzellenten Entscheidungen in der Offensive und einer beeindruckenden Trefferquote. "Wir wussten, dass wir sie nicht alleine durch unsere Defensive schlagen können", sagte Coach Sergio Hernandez. "Die Offensive war der Schlüssel. Unser intelligentes Spiel. Und natürlich Campazzo."

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Anführer Scola: "Wir folgen ihm"

Gemeint ist Facundo Campazzo, der flinke Spielmacher von Real Madrid, der das argentinische Spiel tatsächlich im Stile eines Superhirns orchestrierte, mit Zauberpässen unter den Korb oder auf die starken Distanzschützen wie Patricio Garino oder Luca Vildoza. Zwölf direkte Korbvorlagen hatte Campazzo gegen Serbien am Ende im Boxscore stehen, dazu 18 Punkte selbst erzielt - ein sogenanntes Double-Double.

Der Anker im Team ist aber der 39-Jährige Luis Scola, der in China seine fünfte Weltmeisterschaft spielt. "Wenn er in der Kabine ist und spricht, hören alle auf zu reden. Mich eingeschlossen", sagte Coach Hernandez. "Er hat mir schon im letzten Jahr gesagt: 'Coach, unser Ziel muss das Halbfinale sein.' Er ist unser Anführer. Und wir folgen ihm."

Campazzo: "Wie genießen es"

Der Trainer wurde nach dem Serbien-Spiel auf der Pressekonferenz mit Applaus begrüßt, die Reporter stimmten den alten Hit "Argentina, vamos a ganar" an. Vor dem Halbfinale gegen Frankreich am Freitag (13.09.2019) ist auf einmal der Traum vom WM-Titel da, dem ersten nach 69 Jahren, manche Medien sprechen schon von einer neuen, goldenen Generation des argentinischen Basketballs: "Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben", entgegnete Spielmacher Campazzo. "Wir sind ein junges, ehrgeiziges Team. Wir wissen noch nicht, wie weit wir kommen. Wir genießen es einfach."

Stand: 12.09.2019, 13:00

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