Olympiakos Piräus: Keine Lust mehr auf griechischen Basketball

Kostas Papanikolaou, Nikola Milutinov, Augustine Rubit (v.l.n.r.) von Olympiakos Piräus

Basketball-Euroleague

Olympiakos Piräus: Keine Lust mehr auf griechischen Basketball

Von Christian Mixa

Olympiakos Piräus, Gegner von Alba Berlin in der Euroleague, spielt in dieser Saison nur im europäischen Wettbewerb. Der griechische Spitzenklub ist damit Vorreiter für die Entwicklung im europäischen Basketball.

Das stramme Programm in der Basketball-Euroleague ist nach wie vor einzigartig im europäischen Wettkampfkalender. Von Oktober bis April reißen die Topteams aus der Königsklasse fast ohne Unterbrechung englische Wochen ab, zusätzlich zum normalen Ligabetrieb in ihren Ländern spielen sie unter der Woche in der Euroleague. Weil in diesem Jahr erstmals 18 Teams am Start sind, sind es sogar nochmal vier Spieltage mehr als sonst, bevor es in die Playoffs geht.

Bislang konnten sich die Euroleague-Teams damit trösten, dass die Belastung für alle gleich ist. Doch das ist seit dieser Saison anders: Denn Olympiakos Piräus, einer der ganz großen Namen des europäischen Basketballs, tritt nur in der Euroleague an. Und nicht in der heimischen Liga - dort sind sie gesperrt, beziehungsweise boykottieren die Spiele, je nach Perspektive.

Rivalität zwischen Olympiakos und Panathinaikos

Damit ist man auch schon mittendrin in der völlig vergifteten Atmosphäre zwischen den zwei großen griechischen Traditionsvereinen: Olympiakos, der Klub aus der Hafenstadt, und Panathinaikos, der Nachbar aus den traditionell besser gestellten Vierteln Athens. Eine der aufgeladensten Rivalitäten im europäischen Sport, die von den Fans nicht nur im Fußball ausgetragen wird, sondern auch bei direkten Duellen der beiden Klubs in anderen Sportarten.

Auch im griechischen Basketball streiten Olympiakos und Panathinaikos seit Jahren um die Vorherrschaft - wobei es vor allem auf Seiten von Piräus ein gewachsenes Misstrauen gibt gegenüber dem griechischen Verband und angeblich von dort gelenkten Schiedsrichtern, die es mit dem Erzrivalen aus Athen halten.

Beim jüngsten Pokal-Halbfinale eskalierte der schon lange schwelende Konflikt. Piräus fühlte sich einmal mehr von den Schiedsrichtern benachteiligt - und blieb nach der Halbzeit aus Protest einfach in der Kabine. Auf der Olympiakos-Bank lag dafür irgendwann ein roter Damenslip, den Panathinaikos-Eigner Dimitris Giannakopoulos höchstpersönlich dorthin gelegt haben soll. Ob er ihn spontan organisierte, oder ob er für solche Fälle immer Damen-Unterwäsche in den Farben des Erzrivalen mit sich führt, ist nicht überliefert.

Seifenoper aus Athen

In jedem Fall passte die Aktion zum reichen Pharmaunternehmer, der gerne provoziert und über die sozialen Medien austeilt, am liebsten gegen den kleinen Nachbarn aus Piräus. Giannakopoulos und seine Gegenparts bei Olympiakos, die Reeder Panagiotis und Giorgos Angelopoulos, verbindet eine tief gewachsene, persönliche Abneigung, die sie sogar schon vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ausgetragen haben.

Die Angelopoulos-Brüder gingen nach dem ominösen Pokalspiel voll auf Konfrontationskurs mit dem griechischen Verband. Als es in den Playoffs erneut gegen Panathinaikos ging, trat Piräus auf Geheiß der Klubbosse gar nicht erst an, auch da ging es um die angesetzten Schiedsrichter. Der Verband reagierte und versetzte Olympiakos zur Strafe in die 2. Liga.

"Für die Menschen außerhalb Griechenlands mag das alles wie eine Seifenoper aussehen", sagt Aris Barkas, Chefredakteur des Basketball-Portals Eurohoops aus Athen: "Aber den Leuten hier, die den Basketball in Griechenland verfolgen, war eigentlich schon lange klar: Es war nur eine Frage der Zeit, dass so etwas passiert."

Olympiakos mit Nachwuchsteam in der 2. Liga

Olympiakos hat der griechischen Liga inzwischen demonstrativ den Rücken gekehrt. Die Stars um Spielmacher-Idol Vassilis Spanoulis treten nur in der Euroleague an. Zu den Spielen der 2. Liga schickt Olympiakos eine komplett andere Mannschaft, mit eigenem Trainerteam und Nachwuchsspielern.

Fans von Olympiakos Piräus bei einem Spiel der Basketball-Euroleague

Fans von Olympiakos: Fokus auf die Euroleague

Auch die Olympiakos-Fans unterstützen nach anfänglichen Zweifeln inzwischen den Boykott und die Strategie des Vereins, sich voll auf die Euroleague zu konzentrieren, sagt Basketball-Journalist Barkas: "Es deutet aktuell nichts daraufhin, dass Olympiakos in der kommenden Saison wieder in der ersten griechischen Liga spielt, selbst wenn sie den Aufstieg schaffen."

Euroleague als europäische Superliga

Ob freiwillig oder nicht - Olympiakos ist damit Vorreiter einer Entwicklung, die im europäischen Basketball auch mit Argwohn betrachtet wird. Der Expansionskurs der Euroleague, mit immer mehr Spielterminen, bringt die nationalen Ligen in Bedrängnis. Vor kurzem hat die Euroleague angekündigt, dass eher früher als später nur noch 16 Mannschaften mit einem festen, garantierten Startplatz in der Euroleague spielen sollen. Es wäre der letzte Schritt in Richtung einer geschlossenen europäischen Superliga, nach dem Vorbild der US-Profiliga NBA.

Zwar hat Euroleague-Boss Jordi Bertomeu immer wieder betont, den Spielkalender der nationalen Ligen nicht gefährden zu wollen. Doch die Frage wird sein, wie sich die mit einer Euroleague-Lizenz ausgestatteten Topklubs künftig gegenüber ihrer heimischen Liga positionieren. Auch der FC Bayern, der ambitionierte deutsche Euroleague-Klub, sah sich schon mit dieser Frage konfrontiert, mehrmals gaben die Bayern-Bosse ein Bekenntnis zur BBL ab. Doch schon jetzt unterhalten die Münchner einen Kader, der voll auf den internationalen Erfolg abzielt, aber zugleich so tief besetzt ist, dass es für die Doppelbelastung und für die heimische Liga reicht.

Angst vor den B-Teams

Befürchtet werden aber weitere Absetzbewegungen der Klubs hin zur europäischen Königsklasse, die in Zukunft weitaus lukrativere Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen könnte, befreit von den Fesseln und Terminbeschränkungen nationaler Ligen und Verbände. Bei Maccabi Tel Aviv etwa soll es Überlegungen geben, ob man künftig nur noch in der Euroleague startet - und für die israelische Liga ein B-Team unterhält. Auch den spanischen Schwergewichten Real Madrid und FC Barcelona werden ähnliche Gedankenspiele nachgesagt. In Piräus ist man schon einen Schritt weiter.

Stand: 14.01.2020, 08:00

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