Deutsche Basketballer setzen auf alte Stärke

Deutschlands Dennis Schröder steht mit gesenktem Kopf auf dem Feld. Deutschland verlor mit 79:100

Vor der WM-Qualifikation

Deutsche Basketballer setzen auf alte Stärke

Die deutschen Basketballer wollen die richtigen Lehren aus den Niederlagen beim Supercup ziehen. Bei den womöglich vorentscheidenden Spielen in der WM-Qualifikation setzen Dennis Schröder und Co. auch auf zuletzt vermisste Spieler.

Dennis Schröder ist kein Spieler, der sich groß mit Selbstzweifeln aufhält. Dementsprechend schnell hakte der NBA-Spielmacher die zwei deutlichen Niederlagen beim Supercup gegen die Türkei und Italien ab. "Das waren Testspiele. Jetzt geht es erst los", sagte der Starspieler der deutschen Basketballer vor dem Start in die entscheidende Phase der WM-Qualifikation: "Wir müssen die nächsten zwei Spiele gewinnen, und dafür werde ich alles geben", sagte Schröder mit Blick auf die beiden Partien in Estland am kommenden Donnerstag (13.09.2018) und gegen Israel am Sonntag.

Rödl: "Als Kollektiv einen Schritt weitermachen"

Nach den ersten Niederlagen unter Bundestrainer Henrik Rödl gab Schröder, der sich inzwischen selbst "das Gesicht der Mannschaft" nennt, gleich wieder den Anführer und versprach die Mannschaft aufzurichten. "Ich habe ihnen schon gesagt, sie sollen die Köpfe nicht hängen lassen." Der 24-Jährige von den Oklahoma City Thunder war beim Supercup mit 32 und 21 Punkten jeweils bester deutscher Werfer, insgesamt aber war das DBB-Team in der Offensive zu abhängig von den Geniestreichen des NBA-Spielmachers. "Ein Schröder alleine reicht nicht", sagte Ex-Nationalspieler Pascal Roller, beim Supercup als TV-Experte im Einsatz.

Auch der Bundestrainer nahm die anderen Spieler in die Pflicht: "Wir müssen als Kollektiv einen Schritt weitermachen", sagte Rödl, sprach "von einem schwierigen Fenster" und von "fehlender Energie" zu diesem Zeitpunkt der Saison, in dem die Klubs noch mitten in der Vorbereitung stecken.

Abgezockte Gegner zeigen Deutschen die Grenzen auf

Deutlich wurde beim Supercup in jedem Fall, dass die junge deutsche Mannschaft zwar über Leistungsstärke wie seit langem nicht mehr verfügt, dass sie aber auch auf ihr Grundgerüst an Führungsspielern und die bestmögliche Besetzung angewiesen ist. Vor allem, wenn es gegen Nationen wie Italien oder die Türkei geht, Teams aus der erweiterten europäischen Spitze. Die abgezockten Italiener und Türken mit vielen erfahrenen Akteuren aus der Euroleague zeigten dem jungen deutschen Team die Grenzen auf.

In der Offensive, beim aggressiven Attackieren des gegnerischen Korbes. Und vor allem in der Teamverteidigung, in beiden Spielen schaffte es das DBB-Team nicht, die starken Distanzschützen aus dem Spiel zu nehmen. Auf europäischem Top-Niveau lässt sich so schwerlich bestehen.

Vermisst wurden nicht nur die US-Profis Paul Zipser, derzeit auf Klubsuche, Isaiah Hartenstein (Houston Rockets) und der nach Verletzung noch nicht wieder fitte Daniel Theis, der in der Nach-Nowitzki-Ära gemeinsam mit Schröder das neue Führungsduo bildet. Auch den kurzfristigen Ausfall von Kapitän Robin Benzing, der zu seinem neuen Klub Besiktas abreiste, konnte das Team nicht kompensieren, war vor allem auf den großen Positionen anfälliger. Mit Maodo Lo fehlte ein weiterer Spieler, der das Spiel schnell machen und den Korb attackieren kann - beides wurde beim Supercup schmerzlich vermisst.

Gegen Estland und Israel in der WM-Qualifikation

Zu den anstehenden Qualifikationsspielen kehrt nun aber mit Johannes Voigtmann vom spanischen Vizemeister Vitoria ein absoluter Leistungsträger zurück. Auch Spanien-Profi Andreas Obst ist wieder dabei. Weiter unklar ist, ob auch Kapitän Benzing wieder eingreifen wird.

In der WM-Qualifikation hat das DBB-Team weiter eine makellose Bilanz - und reist am Dienstag als Favorit zum ersten Spiel der zweiten Qualifikationsphase nach Talinn. Weder Estland noch Israel erreichen die Qualität wie die Topteams Türkei oder Italien. Zwei weitere Siege - und dem DBB-Team wäre die Qualifikation zur WM 2019 in China wohl nicht mehr zu nehmen. Für Bundestrainer Rödl ist das Ziel klar: "In den Pflichtspielen bin ich noch immer ungeschlagen. Und das möchte ich auch bleiben."

dpa/sid/red | Stand: 11.09.2018, 08:30

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