Bastian Doreth - Anführer auch neben dem Parkett

Basketball-Nationalspieler Bastian Doreth

Deutschlands Basketballer in der WM-Qualifikation

Bastian Doreth - Anführer auch neben dem Parkett

Von Christian Mixa

Die erfolgreiche WM-Qualifikation von Deutschlands Basketballern hat viele Gesichter: Eines davon ist Bastian Doreth. Der erfahrene Co-Kapitän ist ein wichtiger Vertrauter des Bundestrainers und auch abseits des Parketts ein Anführer.

Auf Doreth kam vor dem Länderspiel gegen Griechenland einiges an Arbeit zu. Gleich vier Neulinge hat Bundestrainer Henrik Rödl für die WM-Qualifikationsspiel (84:92) berufen. Für Doreth, neben Robin Benzing Kapitän der Nationalmannschaft, bedeutete dies, dass er sich auch wieder ein paar Willkommensrituale für die Neuen ausdenken musste. "Es gibt für die Rookies immer ein paar schöne Aufgaben, um die Mannschaft zu bespaßen", erzählt Doreth. Beim letzten Mal wurden die Neulinge zu einer Musikeinlage verdonnert. "Aber es wird keiner gedemütigt, alles bleibt auf einer witzigen Ebene", so Doreth. "Alle Jungs machen toll mit, darum geht es."

Gute Stimmung im DBB-Team

Die Stimmung im Nationalteam, seit Bundestrainer Rödl im vergangenen Jahr übernommen hat, sei ohnehin etwas ganz Besonderes, betont der erfahrene Spielmacher aus Bayreuth. Und dies trotz der schwierigen Begleitumstände in der WM-Qualifikation: Wegen des festgefahrenen Streits zwischen dem Weltverband und den europäischen Spitzenklubs, die ihre Nationalspieler während der neu eingeführten Länderspielfenster nicht freigeben, musste das DBB-Team in der Qualifikation immer wieder mit wechselndem Personal antreten. Bei den Länderspielen während der Saison fehlten die Spieler aus der NBA und der Euroleague komplett.

Bastian Doreth (l.), Bundestrainer Henrik Rödl

Doreth mit Bundestrainer Rödl: "Absolute Loyalität"

Dass sich Deutschlands Basketballer dennoch vorzeitig für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr qualifiziert haben, erstmals seit mehr als zehn Jahren, das schreibt Doreth auch dem Bundestrainer zu: "Er versteht die Spieler einfach, kann sich super in sie hineinversetzen. Es ist eine tolle zwischenmenschliche Basis, gleichzeitig ist er mit viel Herzblut dabei. Wir haben großen Respekt vor ihm", sagt Doreth über den Europameister von 1993. Als Co-Kapitän ist Doreth, den Rödl schon aus seiner Zeit als Coach in Trier kennt, auch ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Mannschaft und Trainer. "Er erwartet, dass ich im Training helfe, die Intensität hochzuhalten, die Mitspieler auch mal zu pushen, wenn es sein muss."

Statement gegen Fremdenfeindlichkeit - "Alle sofort dabei"

Die Rolle als Anführers übernimmt der 29-Jährige auch abseits des Spielfelds. Beim vorherigen Länderspielfenster im September, als zeitgleich die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz die Nachrichten dominierten, setzten die Basketball-Nationalspieler ein deutliches Statement gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Als Videobotschaft, versendet über die sozialen Kanäle, versehen mit dem Hashtag #wirsindmehr. Der Anstoß dazu kam aus der Mannschaft, von Co-Kapitän Doreth: "Wir wollten uns als Nationalmannschaft klar positionieren, nach den Ausschreitungen in Chemnitz, auch um mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu errreichen. Wir haben Spieler verschiedener Herkunft bei uns in der Mannschaft. Wir wollten einfach zeigen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bei uns keinen Platz hat. Und dass sich etwas ändern muss."

Für Doreth, dessen Frau afrikanische Wurzeln hat, hat das Thema Rassismus in Deutschland auch einen starken persönlichen Bezug. "Was mich besonders stolz macht: Alle waren sofort dabei, keiner hat gesagt: 'Ich finde das gut, möchte mich aber nicht politisch bekennen.' Auch der Verband hat uns keine Steine in den Weg gelegt."

Große Konkurrenz auf Doreths Position

Als einer der wenigen im Team hat Doreth alle Spiele in der Qualifikation mitgemacht. Dass der Spielmacher aus Bayreuth, mit der Erfahrung aus 84 Länderspielen, dennoch um seinen Platz im Kader für die WM im kommenden Jahr bangen muss, hat mit der besonderen Talentfülle im deutschen Basketball zu tun. Es gibt so viele hoch veranlagte Spieler wie noch nie, die in der NBA und bei europäischen Spitzenklubs spielen. Das gilt auch für Doreths Position, wo NBA-Profi Dennis Schröder als unumstrittener Anführer gesetzt ist. Mögliche Stellvertreter von der Bank sind der Münchner Maodo Lo, Ismet Akpinar, Joshiko Saibou - oder eben Doreth. Schon bei den zwei vergangenen großen Turnieren wurde der Bayreuther in der Vorbereitung aus dem Kader gestrichen.

"Ich weiß, dass mir das auch wieder blühen kann, wir haben ganz einfach so viele gute Spieler", sagt Doreth. Der 29-Jährige darf aber auch auf seine besondere Rolle im Team hoffen - und auf das Verhältnis zum Bundestrainer: "Er weiß, dass er auf meine absolute Loyalität zählen kann, das gibt er mir auch zurück. Er gibt mir immer das Gefühl, dass ich ein wichtiger Teil der Nationalmannschaft bin. Bis 2019 kann noch viel passieren. Ich hoffe einfach, dass es am Ende für mich gut ausgeht. Die WM wäre auf jeden Fall das Highlight meiner Karriere."

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Stand: 30.11.2018, 08:30

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