Basketball-Bundesliga kämpft mit dem WM-Kater

Bayerns Trainer Dejan Radonjic

Saisonstart in der BBL

Basketball-Bundesliga kämpft mit dem WM-Kater

Das enttäuschende WM-Abschneiden von Deutschlands Basketballern überschattet auch den Start der neuen Saison in der Bundesliga. Die Topteams der Liga, allen voran der FC Bayern, haben sich aber ohnehin konsequent auf den internationalen Erfolg ausgerichtet.

Das enttäuschende Abschneiden der deutschen Basketballer hallt immer noch nach - und dämpft auch die Euphorie vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison. Auch wenn Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), die WM schnell abhaken wollte und den Blick stramm nach vorne richtete, in Richtung Heim-Europameisterschaft 2021. Verbunden mit einer allzu durchsichtigen, zum Teil gewagten Generalkritik ("Kübel voller Scheiße") an der medialen Berichterstattung über das Nationalteam.

Die Verantwortlichen der Liga aber möchten nicht so schnell zum Alltagsgeschäft übergehen. Das WM-Debakel sei "ein herber Rückschlag für unsere Bemühungen, die Bedeutung der Sportart wachsen zu lassen. Eine Sportart lebt immer auch erheblich von den Erfolgen der Nationalmannschaft", sagte Martin Geissler, Geschäftsführer beim Mitteldeutschen BC gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und kritisierte die mangelnde Aufarbeitung seitens des DBB: "Es helfe absolut nicht, diesen Misserfolg klein zu reden."

Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der auch im Basketball gerne den Lautsprecher gibt, bemängelte auf einem Medientermin der BBL "fehlende Leidenschaft und Empathie" bei der Mannschaft und bei den DBB-Verantwortlichen, was seiner Meinung nach auch auf die Liga abstrahlt: "Wir haben alle gehofft, dass die Nati einen zusätzlichen Push gibt. Das hat sich leider nicht bewahrheitet."

Weniger Zuschauer - stockendes Wachstum

Der Schub durch eine erfolgreiche WM wurde auch deshalb herbeigesehnt, weil die BBL sich, wirtschaftlich wie sportlich, durchaus an einem Scheideweg befindet. Zwar vermeldete die Ligazentrale zuletzt immer wieder gestiegene Umsätze, der TV-Vertrag mit der Telekom spült den Klubs laut Medienberichten jährlich knapp fünf Millionen Euro aufs Konto.

Doch bei den Zuschauern sind die Zahlen rückläufig, das Magazin "BIG" vermeldete am Ende der vergangenen Saison bei den aggregierten Zuschauerzahlen aller Klubs einen Rückgang von zehn Prozent, über die vergangenen fünf Jahre gesehen. Auch Branchenprimus FC Bayern hatte seine Halle zuletzt nur zu 80 Prozent ausgelastet. Mehr Wachstum, so die Rechnung vieler Klubmanager, ist nur durch neue Multifunktionsarenen zu erreichen, sofern es sie an den Standorten noch nicht gibt. Auch der FC Bayern plant für 2021 den Umzug in eine neue, größere Arena.

Kaum Identifikationsfiguren in der BBL

Langjährige Beobachter und erfahrene Manager wie Wolfgang Heyder, lange Jahre in Bamberg tätig, bemängeln aber auch immer wieder fehlende Identifikationsfiguren in der Liga. Damit sind nicht etwa nur deutsche Spieler gemeint: Unter den besten 50 Scorern der vergangenen Saison hatten nur drei Spieler einen deutschen Pass, bei der WM standen die Nationalspieler aus der BBL, wie Danilo Barthel oder Niels Giffey, von der Aufmerksamkeit her im Schatten der deutschen NBA-Profis.

Auch ausländische Stars wie Niccolo Melli, Derrick Williams oder der MVP der Vorsaison, Will Cummings, nutzen die BBL meistens als Sprungbrett und ziehen nach einer Saison weiter zu einem europäischen Topklub - oder gleich in die NBA. Dorthin verliert die BBL auch immer mehr junge deutsche Spieler, zuletzt gingen David Krämer, künftig bei den Phoenix Suns, und Berlins Toptalent Franz Wagner, der an ein US-College gewechselt ist.

Zweiklassengesellschaft in der BBL

Das Abwandern von teuer ausgebildeten, eigenen Talenten trifft vor allem die kleineren Klubs hart, die Schere in der Liga, so die Prognosen vieler Experten, wird weiter auseinandergehen. Schon jetzt dominiert der FC Bayern die Liga, es droht eine ähnliche Dominanz wie im Fußball. Die Münchner haben ihren Etat von geschätzt 20 Millionen Euro, ohnehin schon mit Abstand der größte der Liga, nochmals nach oben geschraubt, um auf dem europäischen Toplevel, in der Euroleague anzugreifen. Auch Alba Berlin, der einzig verbliebene ernsthafte Herausforderer, hat seinen Kader auf internationalen Erfolg ausgerichtet, dies dürfte den Abstand zum Rest der Liga zementieren.

Mit Berlin und München sind künftig zwei deutsche Klubs in Europas Königsklasse vertreten. Von den Topklubs war auch immer wieder die Forderung zu hören, die Liga zu verkleinern, auf 16 oder gar nur noch auf 14 Klubs, mit Blick auf die hohe Belastung durch die internationalen Wettbewerbe. Auch dies dokumentiert die unterschiedlichen Interessen zwischen Spitzenklubs und den kleineren Standorten.

Danilo Barthel mit Pokal

Danilo Barthel mit Pokal

Vor allem der Expansionskurs der Euroleague mit künftig 34 Spieltagen während der regulären Saison stellt nach Ansicht von Frankfurts Geschäftsführer Gunnar Wöbke eine Bedrohung für die Entwicklung der Bundesliga da. Die Euroleague werde in die Wochenenden drängen, schlug Wöbke vor dem Saisonstart im "BIG"-Interview Alarm. Dies dürfte den nationalen Spielbetrieb noch stärker als bisher gefährden, glaubt Wöbke: "Es wird künftig Teams geben, die nur noch Euroleague spielen."

Bayerns Basketballer - im Stile eines NBA-Klubs

Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic hat mehrfach versichert, dass der Stellenwert der Bundesliga nicht angetastet werden dürfte. Doch zugleich richten sich die Münchner, ganz wie die Weltmarke aus der Fußballabteilung, konsequent international aus: Zur Vorbereitung auf die neue Saison jetteten die Münchner nach Florida und Südamerika, auf Einladung der NBA und der G-League. Im kommenden Jahr, so verkündete Pesic, wollen Bayerns Basketballer eine Werbetour durch Asien unternehmen, im Stile eines großen NBA-Klubs. In der Bundesliga dagegen geht es demnächst wieder gegen Crailsheim und Vechta.

Basketball-WM - Spanien krönt sich zum Weltmeister Sportschau 15.09.2019 03:48 Min. Verfügbar bis 15.09.2020 Das Erste

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 24.09.19, 22.50 Uhr

mixa/dpa | Stand: 23.09.2019, 08:00

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