Brose Bamberg drückt den Reset-Knopf

Cliff Alexander von Brose Bamberg

Basketball-Bundesliga

Brose Bamberg drückt den Reset-Knopf

Von Christian Mixa

Brose Bamberg, über Jahre die Übermannschaft im deutschen Basketball, hat sich einen Umbruch verordnet und startet erstmals seit Langem nicht als Top-Favorit in die neue Saison der Basketballbundesliga (BBL).

Das Finale der Euroleague, der europäischen Königsklasse im Basketball, dürften die Fans von Brose Bamberg im Mai mit gemischten Gefühlen verfolgt haben. Die beiden Topscorer des Endspiels, Nicolo Melli von Fenerbahce und Real Madrids Fabien Causeur, waren im vergangenen Jahr noch für die Franken auf Punktejagd gegangen. Für die Bamberger selbst wiederum gehören die großen Abende in der Euroleague gegen Top-Adressen wie Madrid, Piräus oder ZSKA Moskau erst einmal der Vergangenheit an. Denn der entthronte Serienmeister aus Bamberg hat nicht nur den Titel an den FC Bayern verloren, sondern auch das damit verbundene Startrecht für die Euroleague.

Großer Umbruch in Bamberg

Für Bambergs Verantwortliche war dies das Signal, im Sommer einen größeren Umbruch zu vollziehen. Aufsichtsratschef und Hauptsponsor Michael Stoschek hatte bereits im Februar vom "Reset-Knopf" gesprochen, den der Klub drücken werde. Erfolgscoach Andrea Trinchieri, verantwortlich für drei Meisterschaften in Serie, musste schon während der Saison gehen, nachdem sogar die Teilnahme an den Play-offs in Gefahr geraten war.

Die extreme Doppelbelastung durch die Euroleague, mit 30 internationalen Spielen allein in der regulären Saison, hatte die Bamberger mehr und mehr aufgerieben. Finanziell, aber auch sportlich, wie Geschäftsführer Rolf Beyer sagt: "Es gab Spannungen in der Mannschaft, mit dem Trainer. Wir haben es am Ende zwar ins Halbfinale geschafft. Aber es war nicht mehr das, wofür wir eigentlich standen: Attraktiver Teambasketball. Es war klar, dass wir nicht noch so eine Saison spielen können."

Bambergs Coach Ainars Bagatskis

Mann für Bambergs Umbruch: Coach Ainars Bagatskis

Vor der neuen Spielzeit bekam die Mannschaft deshalb ein neues Gesicht. Mit Routiniers und international erfahrenen Spielern wie dem ehemaligen Euroleague-Champion Tyrese Rice, der das Team künftig anführen soll, gemeinsam mit Kapitän Nikos Zisis. Aber auch mit jungen Talenten wie Arnoldas Kulboka oder Louis Olinde, die künftig eine stärkere Rolle spielen und mehr Verantwortung übernehmen sollen, wie Geschäftsführer Beyer betont. Für den Jugendstil steht auch der neue Coach Ainars Bagatskis, bekräftigt Rolf Beyer: "Es ist unser Ziel, die Mannschaft zu verjüngen, die jungen Spieler aus dem Nachwuchsprogramm und aus der Pro A stärker zu fördern und sie besser im Profiteam zu integrieren. Bagatskis ist jemand, der das verinnerlicht, dies war auch eine Bedingung von uns."

Auf der anderen Seite mussten die Bamberger mit Maodo Lo einen der großen jungen deutschen Hoffnungsträger ziehen lassen. Auch wegen der notwendigen Kürzungen beim Etat in Höhe von sechs bis acht Millionen Euro, um "Altlasten" (Beyer) aus dem teuren Euroleague-Abenteuer abzubauen. Doch eine Alternative zur finanziellen Konsolidierung gebe es nicht, bekräftigt Beyer, auch wenn die Kräfteverhältnisse in der BBL gegenüber dem Rivalen FC Bayern dadurch zementiert werden: "Wirtschaftlich wollen wir das Windhundrennen mit den Bayern nicht mehr mitgehen."

Nur noch zweite Kraft hinter dem FC Bayern

Zwar haben die Bamberger immer noch das zweitgrößte Budget in der BBL, doch die Rolle des Top-Favoriten liegt in dieser Saison klar beim Titelverteidiger aus München. "Wir rufen den Titel nicht als Ziel aus, aber wir werden ihn auch sicher nicht kampflos abgeben", sagt Bambergs Geschäftsführer und gibt sich bereits wieder optimistisch. "Unser Minimalziel ist das Halbfinale, das Potenzial dafür haben wir allemal. Unsere Mischung und die Teamchemie stimmen."

Die heruntergeschraubten Ansprüche werden inzwischen auch von den erfolgsverwöhnten Fans in "Freak City" mitgetragen. Auch die anfänglichen Vorbehalte einiger Anhänger, dass die Bamberger international künftig in der Champions League antreten, seien weniger geworden, hört man aus Bamberg.

Bekenntnis zur Nationalmannschaft

Die Champions League, vom Weltverband FIBA als Konkurrenz zur Euroleague ins Leben gerufen, gilt von der Besetzung her nur als drittstärkster europäischer Wettbewerb nach der Euroleague und dem Eurocup, die beide von einer privaten Klubvereinigung betrieben werden. Dafür hat die Champions League einen verträglicheren Spielplan und pausiert während der Länderspielfenster. Im Dauerstreit zwischen FIBA und Euroleague wegen der Abstellungen von Nationalspielern sehen die Bamberger ihren Start in der Champions League daher auch als ausdrückliches Bekenntnis zur Nationalmannschaft.

Den bislang letzten großen Umbruch haben die Bamberger 2014 bewältigt, auch damals waren es Bayerns Basketballer, die eine Meister-Ära der Franken beendeten. Bamberg kam im Anschluss rundumerneuert und umso stärker zurück - und gewann die nächsten drei Titel.

Stand: 28.09.2018, 08:00

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