Baseball - Washington feiert seine Nationals

Jubel bei den Washington Nationals

Amerikanische Baseball-Liga MLB

Baseball - Washington feiert seine Nationals

Der Topstar ging weg, die Saison begann desaströs, die Playoff-Bilanz war verheerend: Die Washington Nationals haben trotzdem völlig überraschend die World Series in der Major League Baseball (MLB) erreicht - und sind momentan dort sogar auf Titelkurs.

Bryce Harper wollte nicht mehr warten. Seit 2012 spielte er für die Washington Nationals, doch als sein Vertrag im vergangenen Herbst auslief, lehnte er das Angebot des Klubs über angeblich 300 Millionen Dollar für weitere zehn Jahre ab. Die finanzstarken Philadelphia Phillies boten dem 26 Jahre alten Superstar 330 Millionen Dollar für 13 Jahre, vor allem aber die verlockende Aussicht, endlich um die Meisterschaft in der MLB mitspielen zu können.

Und dann kam alles anders. Washington steht kopf. Die Nationals, von Harper verschmäht, feierten erst nach einem bemerkenswerten "sweep", einem 4:0 in der "Best-of-seven"-Serie gegen die St. Louis Cardinals, den Einzug in die World Series. Dort geht es gegen die favorisierten Houston Astros - und nach zwei Spielen stehen zwei Siege auf dem Konto der Nationals. Die zweite Partie endete sogar mit 12:3.

Die Vorentscheidung im Spiel fiel im siebten Inning, in dem die Nationals sechs Runs erzielen konnten. Catcher Kurt Suzuki sorgte mit einem Solo-Homerun zunächst für die 3:2-Führung seines Teams. Howie Kendrick, Asdrúbal Cabrera und Ryan Zimmerman erhöhten mit ihren Singles auf 8:2 für die Gäste. Die Nationals konnten insgesamt drei Homeruns im Spiel verbuchen. Washingtons Starting Pitcher Stephen Strasburg überzeugte mit sieben Strikeouts in sechs Innings.

"Das Beste kommt noch"

"Wenn man sieht, woher wir kommen und was wir tun mussten, war das nicht leicht", sagte Chefcoach Dave Martinez nach dem Finaleinzug und betonte zugleich: "Das Beste kommt noch." In der Tat hatte die Nationals keiner auf der Rechnung. Nicht, nachdem Harper weggegangen war. Nicht, nachdem sie Ende Mai bei einer Bilanz von 19 Siegen und 31 Niederlagen standen - den Divisionsrivalen Phillies mit Harper konnten sie nicht mal mehr mit dem Fernrohr erkennen.

Die Rufe nach einer Entlassung von Martinez wurden lauter, Pitcher Anibal Sanchez berichtete: "Ich habe damals einen Artikel gelesen, in dem stand, dass wahrscheinlich das ganze Team weggeschickt wird." Und dann kam alles anders. Die sogenannte reguläre Saison der MLB umfasst für jede Mannschaft 162 Spiele. Von den restlichen 112 gewannen die Nationals 74.

Sensation - Sieg gegen die LA Dodgers

Die Nationals schafften es in das Wild-Card-Spiel der National League, besiegten dort die Milwaukee Brewers und räumten in der ersten Playoff-Runde sensationell schon mit 3:2-Siegen den Titelfavoriten Los Angeles Dodgers aus dem Weg.

Das Warten in Washington auf einen Einzug in die World Series hat eine lange Geschichte. Spätestens seit der Debütsaison von Harper galten die klug aufgebauten Nationals als reif für die Meisterschaft. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht. Zwischen 2012 und 2017 erreichten die "Nats" viermal die Playoffs - und schieden unter kuriosen oder dramatischen Umständen jeweils aus. Und jetzt das. "Manchmal muss man auf die guten Dinge eben warten", sagte der beliebte Routinier Ryan Zimmermann (35), der seit 2005 für die Franchise spielt. Zwei Siege aus den maximal verbliebenen fünf Partien - die nächste steht in der Nacht zu Samstag (26.10.2019) an - muss Washington noch feiern. Dann hätte das Warten ein Ende.

sid/dpa/red | Stand: 24.10.2019, 09:16

Darstellung: