Phoenix soll zum Baseball-Hotspot werden

Das Tempe Diablo Stadium, im Goßraum Phoenix

Notfallplan wegen Coronavirus

Phoenix soll zum Baseball-Hotspot werden

Baseball ist für die Amerikaner mehr als nur ein Sport, es ist Kulturgut. Deshalb will die Major League Baseball (MLB) die aktuelle Saison trotz der Corona-Pandemie mit aller Macht retten. Ein Notfallplan sieht vor: 2.430 Spiele in viereinhalb Monaten im Großraum Phoenix.

Der 26. März wäre für die Baseball-Fans in den USA eigentlich ein Festtag gewesen. Im ganzen Land hätten sich die Menschen das Trikot ihres Lieblingsvereins übergestreift, wären ins Stadion gepilgert, in Kneipen gezogen oder hätten sich daheim vors Fernsehgerät gesetzt. Der "Opening Day" der neuen Saison, der erste Spieltag der Major League Baseball, begeistert in den USA die Massen.

In diesem Jahr war der 26. März nur ein normaler Donnerstag. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Verantwortlichen den Start der populären Liga zunächst um "mindestens zwei Wochen" und dann auf Mitte Mai verschoben. Spätestens da war jedem Amerikaner klar, dass es wohl doch eine sehr ernste Sache ist mit dem Coronavirus.

Mehr als nur ein Sport

Für den Sport und seine Fans ist das ein Desaster. Die MLB ist die Sportliga, die weltweit die meisten Zuschauer ins Stadion zieht. In der vergangenen Saison kamen rund 70 Millionen Fans zu den Spielen. Da können die drei anderen großen Sportligen - Football, Basketball und Eishockey - nicht mithalten.

Baseball ist ein Teil amerikanischer Kultur und mehr als nur ein Sport. In Deutschland versteht das kaum jemand. Denn hierzulande fristet der Sport ein Nischendasein. Die Regeln seien zu kompliziert, das Geschehen auf dem Platz zu langweilig, so heißt es. In den Staaten spielt aber praktisch jedes Kind Baseball. Der Sport wird deshalb auch "der nationale Zeitvertreib" genannt - "Americas pasttime".

Komplette Saison noch nie ausgefallen

Ein Jahr ohne Baseball - undenkbar. Die MLB gibt es seit 1903. Noch nie ist eine Saison ausgefallen. Auch nicht während des Zweiten Weltkrieges, in dem ein Großteil der Spieler zum Militär musste und Japan Pearl Harbour angriff. Damals bat Präsident Franklin D. Roosevelt ausdrücklich darum, die Baseball-Saison im Frühjahr 1942 wie geplant beginnen zu lassen: "Ich denke", schrieb er, "es wäre das Beste für unser Land." Auch nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 ging es schnell wieder weiter. Nur 1994 endete die Saison im August wegen eines Spielerstreiks.

Jeden Tag Spiele

Der Sport ist von Frühling bis Herbst allumfassend. Da 30 Teams antreten, gibt es praktisch jeden Tag Spiele. Jede Mannschaft bestreitet 162 Partien. Und dann folgt die Postseason, die mit der Meisterschaftsserie endet, der World Series. Zum Vergleich: Die Football-Liga NFL hat gerade mal 17 Spieltage mit anschließender K.o.-Runde.

Notfallplan: 2.430 Partien im Großraum Phoenix

Da verwundert es nicht, dass die Macher die Saison auf jeden Fall retten wollen. Sie scheinen wild entschlossen und haben einen verwegen anmutenden Notfallplan aufgestellt. Das berichtet der Sportsender ESPN. Ab Mitte Mai sollen alle 2.430 Partien im Großraum Phoenix im US-Bundesstaat Arizona unter strengen Hygienevorschriften und Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen werden. Und das in nur viereinhalb Monaten.

Phoenix und Umgebung ist ein Baseball-Hotspot. Dort bereiten sich während des sogenannten Spring Trainings 15 der 30 Mannschaften auf die neue Saison vor, die anderen Teams trainieren in Florida. In Phoenix gibt es zwölf Spielfelder. Auch für die Unterbringung der Spieler und des Klub-Personals sind ausreichend Hotels und Trainingseinrichtungen vorhanden. Die Mannschaften könnten über die vorgesehenen viereinhalb Monate weitgehend isoliert werden. Um auf eine möglichst hohe Anzahl von Spielen zu kommen, sind angeblich Regeländerungen vorgesehen: Ein Spiel soll nur aus sieben statt neun Spielabschnitten bestehen, zudem sind mehrfach zwei Spiele an einem Tag geplant und die Saison könnte verkürzt werden.

Gesundheitsministerium signalisiert Zustimmung

Zuschauer sollen bei den Spielen nicht zugelassen werden. Damit entgeht den Klubs viel Geld. In der Saison 2018 beliefen sich die Einnahmen aus den Ticketverkäufen der 30 Vereine auf 2,82 Milliarden Dollar. Doch wenigstens sollen die Einnahmen aus den TV-Geldern gerettet werden. Alle Spiele werden live übertragen. Nach Informationen von ESPN, einem der großen Rechteinhaber der MLB, sollen Vertreter des US-Gesundheitsministeriums ihre Unterstützung für eine Aufnahme des Spielbetriebs signalisiert haben.

Auch die Klubs sind bereit. Er würde sich privilegiert fühlen, ein bisschen Normalität zurückzubringen, sagte Mike Matheney, Manager der Kansas City Royals: "Wir sollten etwas tun, was dem Heilungsprozess hilft." Und vielleicht bekommen Amerikas Baseball-Fans dann ja auch noch ihren "Opening Day".

vdv/sid | Stand: 09.04.2020, 12:23

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