Doha – Das nächste Sportevent macht Halt

Füße im Sand

World Beach Games in Katar

Doha – Das nächste Sportevent macht Halt

Von Dorian Aust

Nach der Leichtathletik-WM ist vor den World Beach Games: Die erste Auflage des neuen Multisportevents startet am Wochenende im Wüstenstaat Katar. Die deutschen Athleten sind auf die Reise vorbereitet, die Wahl des Austragungsorts trifft trotzdem auf Unverständnis. Dabei ist Doha als Ausrichter nur eingesprungen.

Als die 21 deutschen Athletinnen und Athleten zu den World Beach Games nach Katar aufgebrochen sind, dürften nicht nur Sportklamotten, sondern auch ein komisches Gefühl mit im Gepäck gewesen sein. Abseits der Wettkampfstätten für Beachvolleyball, Skaten, Wasserskifahren oder Klettern dürfte der Kulturschock auf der arabischen Halbinsel groß sein.

Der DOSB hat "Team Deutschland" auf die Reise vorbereitet. Man habe sich über die politische und gesellschaftliche Situation informiert und das Team auf Eigenheiten vor Ort entsprechend hingewiesen. Ein Teil des Briefings sind konkrete Verhaltenstipps. Darin geht es um die Kleidung sowie den Umgang mit einheimischen Frauen und Alkohol.

"Mulmiges Gefühl"

Ein Schritt, den die Sportler schätzen. Sportkletterer Philipp Martin fühlt sich gut vorbereitet: "Wir haben etliche Informationen vom DOSB bekommen. Über die politische Situation vor Ort und wie wir uns am besten verhalten sollen. Aber ich fliege schon mit einem mulmigen Gefühl dahin. Es ist doch schon ein Unding, dass in so einem Land die Arbeiter, die die Sportstätten errichten, nicht bezahlt werden."

Rein sportlich gesehen seien die Wettkämpfe mehr als nur reizvoll und hätten einen großen Stellenwert, weil nur Weltklasse-Athleten eingeladen wurden. Allerdings: "Es ist schon krass, dass so ein Event da ausgetragen wird, da fragt man sich wirklich: Warum?", sagte Martin kurz vor dem Abflug zu sportschau.de. Klettern ist bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio erstmals olympisch, bei den 16 Disziplinen der World Beach Games sind aber auch einige nichtolympische dabei, wie zum Beispiel Beach-Tennis, -Handball, -Fußball oder Skaten.

Schwierige Bedingungen beim Wasserski

Für Wasserski-Fahrerin Giannina Bonnemann sind vor allem die Wettkampfbedingungen ungewiss: "Unser Wettbewerb findet auf einem Fluss in der Nähe vom Meer statt. Da müssen wir mit einem leicht salzigen Wasser rechnen, das ist dann spürbar rutschiger für uns."

Mit 32 Grad liegt die Wassertemperatur auch deutlich über dem optimalen Wert fürs Wasserskifahren von 28 Grad. Die Vorbereitung auf die Rahmenbedingungen fiel kürzer aus als über die politische Situation vor Ort: "Wir haben richtig viele Infos und Mails bekommen. Um ehrlich zu sein, habe ich die noch gar nicht alle gelesen, aber ich mache mir eigentlich keine Sorgen wegen Katar als Gastgeber."

Zwischen Sporthighlights und Terrorvorwürfen

Katar ist in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten, unter anderem aufgrund menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball WM 2022. Seit Juni 2017 wird der Golfstaat von den umliegenden Ländern Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten boykottiert. Hintergrund sind Vorwürfe, Katar würde sich an der Finanzierung und Förderung des internationalen Terrorismus beteiligen.

Und dennoch finden in Katar reihenweise bedeutende Sportevents statt: unter anderem die Schwimm-WM 2014, Handball-WM 2015, Straßenrad-WM 2015 und zuletzt die Leichtathletik-WM. Neben leeren Zuschauerrängen kritisierten die Athleten dort vor allem die klimatischen Bedingungen. Der Marathon zum Beispiel wurde nachts ausgetragen, bei über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent.

Niklas Kaul: "Nicht so viel im Kopf außer dem Zehnkampf" Sportschau 11.10.2019 00:37 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

"Wir haben grobe Infos bekommen"

Niklas Kaul ist gerade erst als frischgekürter Zehnkampf-Weltmeister aus Doha zurückgekehrt und erzählt, dass die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für ihn kaum eine Rolle gespielt haben: "Natürlich beschäftigt man sich vorher mit der politischen Situation und dem Drumherum was da passiert, aber vor Ort ist man am Ende auf den Wettkampf konzentriert."

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) habe die deutschen Sportler vor der WM nur grob informiert: "Es ging viel mehr um  medizinische Dinge. Also: Welche Impfungen sollte man haben? Wie bereitet man sich auf die klimatischen Unterschiede zwischen Hotel und draußen vor? Das war eher wichtig für uns."

Niklas Kaul: "Nicht viel von der Stadt gesehen" Sportschau 11.10.2019 00:54 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

Von San Diego nach Doha

Veranstalter der World Beach Games ist die Association of National Olympic Committees (ANOC), eine Interessenvertretung der Nationalen Olympischen Komitees, auf deutscher Seite also des DOSB. Die ANOC ist bislang nicht durch ihre Rolle als Ausrichter von Sportevents aufgefallen, genau genommen sind die World Beach Games das erste Event, das die ANOC organisiert.

Die Tatsache, dass ein Wettkampfformat von den nationalen olympischen Komitees und nicht den Sportfachverbänden ausgetragen wird, ist als durchaus erstaunlich zu bewerten. Die Ausrichtung der World Beach Games steht aber bislang offenbar unter keinem guten Stern.

Die Wettkämpfe wurden zunächst an San Diego in den USA vergeben und sollten im Herbst 2017 stattfinden. Dann wurde allerdings zunächst der Zeitraum zwei Jahre nach hinten verschoben und im Mai dieses Jahres ein neuer Gastgeber gesucht. San Diego hatte Probleme bei der Finanzierung – Doha sprang ein.

Stand: 12.10.2019, 09:50

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