Sportevents nach Corona – wird jetzt alles teurer?

Symbolbild von Tickets und Konzertkarten in der Corona-Krise

Ticketpreise könnten steigen

Sportevents nach Corona – wird jetzt alles teurer?

Von Dorian Aust

Aufwändige Hygienekonzepte, die Kontrolle derer und weniger Kapazität – es gibt gute Gründe, die vermuten lassen, dass Tickets für Sportevents nach dem Lockdown deutlich teurer werden. War das Tennisturnier in Berlin nur ein erster Vorgeschmack oder ein Ausreißer nach oben?

Wenn es eins gibt, was Sportveranstalter nicht mögen, dann sind es leere Plätze bei ihrem Event. Das Steffi-Graf-Stadion in Berlin-Grunewald hatte in den letzten Tagen einige davon zu bieten. Zwar durften laut Hygienekonzept nur 800 Zuschauer rein, aber selbst die kamen nicht. Ja, das Wetter hat ganz und gar nicht mitgespielt – schon gar nicht beim Finale, dass der Weltranglistendritte Dominic Thiem für sich entscheiden konnte.

Turnierdirektorin Barbara Rittner sagte zu den entäuschenden Zuschauerzahlen am Dienstag aber bereits: "Die Ticketpreise sind auch knackig, da brauchen wir nicht drüber zu reden". Zwischen 120 und 150 Euro kosteten die Tagestickets.

Beispiel "Tennis in Berlin" - Steigen die Ticket-Preise für Sport-Events?

Sportschau 16.07.2020 02:18 Min. Verfügbar bis 16.07.2021 ARD Von Anne van Eickels

"Mussten versuchen das Event zu finanzieren"

Turnierveranstalter Edwin Weindorfer zeigte sich dem ZDF-Morgenmagazin gegenüber bereits einsichtig: „Die Ticketpreise waren ein bisschen zu hoch, das werden wir korrigieren. Aber es ist halt ein extrem teures Security-Konzept und da mussten wir versuchen das Event ein bisschen anders zu finanzieren.

Werden Sportveranstaltungen durch die aufwändigere Organisation mit Hygienekonzepten, verschärften Einlasskontrollen inklusive Fiebermessen und geringeren Kapazitäten also in der näheren Zukunft deutlich teurer?

300.000 Euro Mehrkosten

Das zweite Berliner Tennisturnier im Hangar 6 des stillgelegten Flughafens Tempelhof, das am Freitag beginnt, kann die angekündigte preisliche Korrektur noch nicht liefern. Das sei so kurzfrisitig organisatorisch nicht möglich sagte der Pressesprecher der Sportschau. Die Tickets gibt es im Internet derzeit ab 189 Euro zu kaufen.

Für beide Turniere zusammen haben die Veranstalter 300.000 Euro Mehrkosten ausgerechnet - Tribünenbau, sanitäre Anlagen, neue Beschilderungen und die Personalkosten seien die größten Posten. Selbst wenn alle Tickets verkauft worden wären, hätte man diese Kosten nicht komplett decken können. Es gehe vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Berlin sei ein Probelauf gewesen.

Corona-Aufschlag statt Preisanstieg

Sebastian Uhrich, Professor für Sportmanagement von der Deutschen Sporthochschule Köln, hält eine Anhebung der Ticketpreise auf Grund von Mehrkosten für eine gefährliche Strategie: "Das wäre eine sogenannte kostenorientierte Preisbildung, bei der Fans gar nicht so richtig verstehen, was hinter dem Preisanstieg steckt. Steigende Preise und deren Notwendigkeit sollten klar kommuniziert werden."

Uhrich empfiehlt eine Art Corona-Aufschlag, der nach der Krise allerdings auch wieder wegfallen müsse. Selbst wenn ein Corona-Aufschlag und eine Preiserhöhung in der Endabrechnung möglicherweise das gleiche bedeuten, sei die Akzeptanz beim Zuschauer eine ganz andere.

Emotionale Bindung entscheidend für Preisakzeptanz

Ein entscheidender Aspekt für erhöhte Ticketpreise oder einen Corona-Aufschlag ist laut Uhrich die emotionale Bindung. "Der Fußball hat die meisten Anhänger, aber die Mechanismen sind die gleichen beim Basketball, Handball, Eishockey oder Volleyball. Die Spiele finden hier regelmäig statt, und das ist abzugrenzen von sporadisch stattfindenden Events. Da haben wir diese starke Verbindung nicht und deswegen auch nicht die Bereitschaft, über steigende Preise die gestiegenen Kosten zu kompensieren."

Gratwanderung für Sportveranstalter

Für Sportveranstalter seien zwei Schrauben immens wichtig, die aktuell beide negativ wirken, rechnet Uhrich vor: "Der Punkt, an dem sich ein Sportevent rechnet, wird immer schwieriger sein zu erreichen, weil einerseits können weniger Zuschauer in die Stadien und andererseits gibt es Mehrkosten durch die Hygienekonzepte".

Beim Boxen sinken die Preise sogar

Wenn am Samstagabend (18.07.2020) Agit Kabayel gegen Evgenios Lazaridis um den WBA Continental-Titel kämpft, sind auch 500 bis 600 Zuschauer vor dem Ring auf der Magdeburger Seebühne. Abstand zwischen den Sitzplätzen und ein aufwendiges Hygienekonzept mit Fieberschleusen wie beim Berliner Tennisturnier sind angesagt. Aber auch unveränderte Preise, wie der Veranstalter SES-Boxing der Sportschau mitteilt.

"Das wäre nicht sinnig, mehr Geld zu nehmen. Wir wollten weder Dumping- noch Wucherpreise. Wir sehen das auch als Investition in die Zukunft - wie auch immer die aussehen mag", so Pressesprecher Christof Hawerkamp.

Trotzdem liegen die Kartenpreise zwischen 40 und 200 Euro - das Event mit insgesamt sechs Kämpfen ist bereits ausverkauft. In einer Preisstufe habe man für die Tickets sogar weniger genommen und die Preise den Gegebenheiten mit nur einer Videoleinwand angpasst. Hawerkamp weiter: "Wir wollen einfach zeigen, dass es möglich ist, größere Veranstaltungen mit Zuschauern durchzuführen."

Nur Dauerkarteninhaber in Fußballstadien?

Das Thema "Fans in den Stadien" wird auch bei Deutschlands Zuschauermagnet Nummer eins, dem Fußball, immer präsenter. Mit dem Saisonstart Mitte September ist der Vorlauf aktuell zwar noch lang, der organisatorische Aufwand allerdings hoch. In den aktuellen Überlegungen, wie dem Leitfaden von DFB und DFL, sind Spiele vor ausverkauftem Haus ohnehin kein Thema – abgesehen vom Vorstoß Union Berlins.

Programm für Comeback von Fans im Stadion Mittagsmagazin 15.07.2020 01:31 Min. Verfügbar bis 15.07.2021 Das Erste

Bei einer Stadionauslastung von rund 50 Prozent stellt sich allerdings auch die Frage, ob in der kommenden Saison überhaupt Zuschauer ohne Dauerkarte in die Stadien kommen werden. Der 1. FC Köln zum Beispiel will das Stadion – so es denn möglich ist – zunächst nur durch die Dauerkartenbesitzer auffüllen. Damit würden den Bundesligisten die deutlich lukrativeren Tagestickets wegbrechen.

Ticketabsatz im Biathlon ungebrochen

Ein Event, das noch weiter in der Zukunft liegt, tut sich derzeit überhaupt nicht schwer mit den Ticketverkäufen. Für den Biathlon-Weltcup in Oberhof im Januar 2021 sind bereits 12.500 Karten verkauft - mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Die Preise sind dabei identisch zum Vorjahr, allerdings hatte der Verkauf bereits vor der Coronakrise nach dem letzten Weltcup begonnen.

Die Wintersportfans gehen aber auch jetzt kein großes Risiko beim Kauf ein. Denn die Organisatoren bieten bei Ausfall der Veranstaltung oder Durchführung ohne Zuschauer fünf Verrechnungsvarianten an: eine Gutschrift für den Weltcup 2022, eine Gutschrift für die WM 2023, einen Gutschein, die Rückerstattung abzüglich der Verwaltungsgebühren oder eine Spende für den Thüringer Biathlon-Nachwuchs.

Hygienekonzept des DSV liegt bereits vor

Ob und unter welcher Bedingungen der Weltcup überhaupt ausgetragen wird, ist noch unklar. Der Weltverband IBU tagt vom 2. bis 4. Oktober im slowenischen Bled. Der Deutsche Skiverband hat bereits für alle Weltcup-Ausrichter ein Hygiene- und Sicherheitskonzept erarbeitet. Davon seien rund 75 Prozent allgemein gültige Regeln, der Rest müsse auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten werden.

Stand: 16.07.2020, 15:15

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