Fußball und Handball vor Woche der Wahrheit

DFL-Geschäftsführer Seifert (l.) und HBL-Präsident Schwenker

Entscheidungen über Spielzeiten

Fußball und Handball vor Woche der Wahrheit

Weitermachen? Aufhören? Oder nochmal verschieben? In der Corona-Krise sind zwar schon einige, aber längst noch nicht alle Entscheidungen gefallen.

Viele Ligen - auch in Deutschland - haben ihren Spielbetrieb vorerst bis zum 30. April ausgesetzt. Deshalb stehen in den nächsten Tagen Meetings und Videokonferenzen an, die über den weiteren Saisonverlauf und damit wohl auch über die Existenz einiger Vereine entscheiden.

Vor allem im Fußball und Handball wird es in den kommenden Tagen wichtig und die Positionen könnten teilweise gar nicht unterschiedlicher sein. Ein Überblick.

Dienstag, 21. April: UEFA-Konferenz

Der europäische Fußballverband macht den Auftakt und lädt wieder zur großen Videokonferenz mit allen 55 angeschlossenen Verbänden ein. Beim letzten Mal machte die UEFA mit der Verschiebung von Länderspielen und der weiteren Aussetzung ihrer internationalen Klub-Wettbewerbe den Weg für eine Verlängerung der nationalen Ligen frei.

Dieses Mal geht es vor allem darum, den aktuellen Stand in den einzelnen Ländern abzuklopfen und daraus eventuell einen Fahrplan für die Europapokale zu entwickeln. Sollten sich daraus wichtige Entscheidungen ergeben, steht zwei Tage später das UEFA Exekutivkommittee in einer Videokonferenz parat, um diese zu verifizieren.

Donnerstag, 23. April: DFL-Konferenz

Mehr Spannung dürfte das nächste virtuelle Mitgliedertreffen der Deutschen Fußball-Liga bringen. Zuletzt war die Tendenz klar: Die Saison soll möglichst ab dem 9. Mai fortgesetzt werden. Damit dieses Datum Realität werden kann, braucht die DFL bei dieser Konferenz einen klaren Fahrplan was Terminierung, Hygienemaßnahmen (zum Beispiel Covid-19-Tests, Trainingsformen, Spieltagsabläufe) und Organisationsformen (zum Beispiel Definition von "Geisterspielen", Voraussetzungen innerhalb der Klubs) angeht.

Sollten die Bundesligen wirklich am 9. Mai wieder starten, müssten erste Maßnahmen schon kurz nach dem 23. April eingeleitet werden, um zum Beispiel das bestehende Kontaktverbot oder die 14-tägige Inkubationszeit des Coronavirus zu berücksichtigen.

Bundesliga-Fortsetzung möglich - Vereine bereiten sich vor Sportschau 18.04.2020 03:44 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Freitag, 24. April: DFB-Präsidium

Für die große Masse des nationalen Vereins-Fußballs wird es am Freitag (24.04.2020) interessant. In Frankfurt berät das DFB-Präsidium über die 3. Liga und den Amateur-Fußball sowie den DFB-Pokal. Die Tendenzen könnten in den einzelnen Bereichen kaum unterschiedlicher sein.

Allein die 3. Liga ist total gespalten. Während zuletzt eher die Klubs aus den unteren Tabellenregionen für einen Abbruch plädierten, wünschen sich naturgemäß die Vereine mit Aufstiegschancen ein sportliches Ende der Saison. Selbst die Aufteilung der 3. Liga in zwei Gruppen zur kommenden Saison wurde jüngst wieder ins Spiel gebracht. Im Gespräch mit der Sportschau hielt DFB-Vizepräsident Peter Frymuth diese Version aber für eher unwahrscheinlich.

3. Liga - Streit über Fortführung der Saison Sportschau 18.04.2020 03:57 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Bei den Ligen ab Regionalliga abwärts deutet langsam aber sicher vieles auf eine vorzeitige Beendigung der Saison hin, da entweder die Klubs in großem Maße von den Zuschauereinnahmen abhängig sind, oder - gerade in den unteren Ligen - Hygiene- oder Testroutinen kaum flächendeckend eingehalten werden können.

Schließlich ist noch eine Verlegung des DFB-Pokalfinales auf einen späteren Zeitpunkt sehr wahrscheinlich. Um am 23. Mai im Berliner Olympiastadion zu spielen, müssten vorher noch die Halbfinals ausgestragen werden. Aber erst einmal brauchen die Bundesligen jeden Spieltag.

Montag, 27. April: Belgische Liga

Am Montag (27.04.2020) lohnt sich der Blick nach Belgien. Als bisher erste (und immer noch einzige) der größeren europäischen Profiligen hatte die belgische erste Liga am 2. April die Saison abgebrochen. Kurz darauf drohte die UEFA ihren Mitgliedsverbänden relativ unverhohlen, die Zulassungen zu den internationalen Wettbewerben 2020/21 genau zu prüfen, sollte es keine sportliche Entscheidung in der nationalen Liga geben.

Das brachte die belgische Liga ins Wanken. Ein Zurückrudern und die Wiederaufnahme ist mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen, auch wenn Belgien das europäische Land mit dem verheerendsten Verhältnis zwischen Covid-19-Infizierten und Todesopfern ist - gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Dienstag, 21. April: HBL-Konferenz

Eine ziemliche klare Tendenz gibt es innerhalb der Deutschen Handball-Liga. Erst am Wochenende bestätigte Liga-Präsident Uwe Schwenker im Sportschau-Gespräch, dass mittlerweile eine Mehrheit der Bundesligisten für einen Saisonabbruch ist. Selbst die weitere Verfahrensweise scheint geklärt: Die aktuelle Tabelle würde eingefroren. "Wie es dann zu werten ist, wer Meister wird, wer in den Europapokal einzieht, darüber werden wir zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden", so Schwenker. Klar ist schon: Absteiger würde es nicht geben, dafür die Bundesliga zur neuen Saison auf 20 Vereine aufgestockt.

Zwar würden dem Handball Medien-Einnahmen entgehen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung von "Geisterspielen" fällt allerdings aufgrund der relativ geringen Summen und des hohen logistischen Aufwands eher negativ aus.

Stillstand im Sport - Existenzbedrohung für zahlreiche Vereine Sportschau 18.04.2020 04:26 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Freitag, 24. April: EHF-Meeting

In eine andere Richtung dürfte es am Freitag (24.04.2020) beim Europäischen Handball-Bund gehen. Die EHF hat für ihr Final Four der Champions League in der Kölner Arena schon den 28./29. Dezember ins Auge gefasst. Nun geht es darum, einen Konsens über die weitere Austragung der "Königsklasse" und den Weg nach Köln zu finden. Der EHF-Cup mit dem bisher für den 29./30. August in Berlin geplanten Final Four soll ebenfalls zur Sprache kommen.

Auch über die kommende Saison dürfte an dieser Stelle bereits gesprochen werden, da es international bei einem Champions-League-Finale im Dezember frühestens im Februar nach der WM in Ägypten losgehen könnte.

Bis 30. April: BBL-Entscheidung

Noch keinen klaren Termin für ein nächstes Treffen hat die Basketball-Bundesliga bekannt gegeben. Der Spielbetrieb ist allerdings nur bis zum 30. April ausgesetzt, so dass auch dort zeitnah eine Entscheidung fallen muss.

Zuletzt ging es eher in Richtung Fortsetzung und zwar Mitte/Ende Mai. Außerdem spielt die Liga mit dem Gedanken, nur drei Spielorte - einen im Norden, einen in der Mitte und einen im Süden - zuzulassen. Aus der Liga wurden allerdings schon Stimmen laut, über die Wertung der Spiele nachzudenken, da internationale Profis in ihren Heimatländern weilen und nicht unbedingt zurückkommen.

red/sid/dpa | Stand: 19.04.2020, 09:45

Darstellung: