Studie - der Sport hat ein Problem mit Homophobie

Fans gegen Homophobie mit Sprechblasen und Lufballons im Stadion

Vielfalt im Sport

Studie - der Sport hat ein Problem mit Homophobie

Von Niklas Schenk

Homo- und Transsexuelle fühlen sich im Sport oft ausgegrenzt und diskriminiert. Zu diesem Ergebnis kommt die "Outsport"-Studie, an der auch die Deutsche Sporthochschule (DSHS) Köln beteiligt war. Vor allem die Verbände sind nun gefragt.

Es ist eine sehr deutliche Zahl: 96 Prozent der Befragten sagten, dass es im Sport ein Problem mit Homo- und Transphobie gibt. Auch andere Ergebnisse sind erschreckend. So gaben 81 Prozent an, verbal beleidigt zu werden, viele klagten über homophoben Sprachgebrauch im Sport. "'Schwuler Pass' ist etwa Alltagssprache im Sport", sagt Ilse Hartmann-Tews, die Leiterin des Instituts für Soziologie und Genderforschung an der DSHS Köln. "Das ist völlig inakzeptabel, viele Homo- und Transsexuelle empfinden das als diskriminierend."

Hartmann-Tews hat zusammen mit Kollegen aus Italien, Schottland, Österreich und Ungarn an der "Outsport"-Studie gearbeitet, die zu diesen Ergebnissen kommt. 5.500 Menschen nahmen an der Studie teil, 858 davon aus Deutschland.

34 Prozent der Befragten gaben an, lesbisch zu sein. 29 Prozent identifizieren sich als schwul, 17 Prozent als bisexuell, die verbleibenden 20 Prozent gaben eine andere sexuelle Orientierung an. Der überwiegende Teil der Befragten ist im Freizeitsport aktiv, etwa 40 Teilnehmer kommen aus dem Leistungssport.

Vor allem im Fußball fühlen sich viele diskriminiert

Ein Drittel der Befragten versteckt beim Sport die sexuelle Orientierung. Vor allem im Fußball fühlen sich mit 27 Prozent der Studienteilnehmer viele Sportler aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert. "Wir sind erst ganz am Anfang des Weges", sagt Hartmann-Tews. Die Thematik sei lange Zeit komplett ausgeblendet worden.

Mehr als 50 Prozent der sportlich aktiven Homo- und Transsexuellen der Studie haben sich geoutet. Das liegt über dem EU-weiten Durchschnitt von 36 Prozent. Es gebe etwa in Deutschland vergleichsweise viele Vereine für Lesben oder Schwule, sagt Hartmann-Tews. Das würde die hohen Outingzahlen erklären.

In manchen Sportarten outet sich jedoch noch immer kaum ein Sportler. So gibt ein Vertreter des badischen Fußballverbandes in der Studie an, dass im Fußball - trotz des Outings von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger - viele Menschen noch immer glauben würden, dass es "hier gar keine Schwulen gibt".

"Die Verbände können noch mehr machen"

"Die Gesellschaft hat einen Nachholbedarf an Offenheit gegenüber homo- oder transsexuellen Personen", sagt die Soziologin. Vor allem das Sportsystem tue sich noch schwer mit queeren Personen, also Menschen, die sich bei ihrem Geschlecht nicht festlegen wollen. "Nehmen wir etwa das Sportabzeichen: Da muss man sich als Mann oder Frau zuordnen", nennt Hartmann-Tews ein Beispiel.

Ein Problem: Viele der Befragten melden Anfeindungen nicht an offizielle Stellen im Sport, sondern kennen nur Anlaufstellen außerhalb des Sports. Dabei hat der DOSB inzwischen ein Referat für Gleichstellung eingerichtet oder der Landessportbund eine Anlaufstelle für Fälle von Diskriminierung aufgebaut. Doch diese Angebote scheinen viele noch nicht zu kennen. "Die Verbände können noch mehr machen", sagt Hartmann-Tews. Sie müssten eine Kultur der Heterogenität und Offenheit nun vorleben.

Die Macher der Studie fordern Aktionspläne, um die Wertschätzung von Diversität klarzumachen. Außerdem soll Anti-Diskriminierungsarbeit in Vereinssatzungen verankert oder in die Trainerausbildungen integriert werden. Die Sportministerkonferenz hat vor einigen Wochen auch über das Thema beraten und den Ländern vorgeschlagen, Maßnahmen für eine diversere Kultur zu entwickeln. "Es wurde erkannt: Es muss was geschehen", sagt Ilse Hartmann-Tews.

mit sid | Stand: 04.12.2019, 10:05

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